Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit die Medizin sich nicht verflüchtigt: Neue Messtechnik erkennt undichte Arzneiflaschen

06.04.2010
In der Pharmaindustrie werden tagtäglich teure Wirkstoffe in Arzneiflaschen abgefüllt. Bevor diese zum Kunden gelangen, muss der Hersteller sicher sein, dass keine der Verpackungen undicht ist. Bisher wird dies aufwändig mit äußerst präzisen Waagen überprüft.

Diese können zwar kleinste Gewichtsunterschiede feststellen, die Prüfung nimmt jedoch viel Zeit in Anspruch. Ingenieure der Universität des Saarlandes haben jetzt eine viel einfachere und preiswerte Messtechnik entwickelt, bei der Gassensoren winzige Flüssigkeitsverluste von weniger als einem Milligramm pro Tag aufspüren können.

Das marktreife Verfahren, das sich auf ganz unterschiedliche Gefäße anwenden lässt, wird von der Firma 3S GmbH vom 19. bis 23. April auf dem saarländischen Forschungsstand der Hannover Messe (Halle 2, Stand C 44) vorgestellt.

Ausgehend von einer Anfrage aus einem ganz anderen Bereich, nämlich der Automobilindustrie, wurde das grundlegende Verfahren an der Universität des Saarlandes entwickelt. "Wenn ein mit Flüssigkeit gefüllter Neigungssensor, eine wichtige Komponente vieler Alarmanlagen, fehlerhaft hergestellt wurde und winzige Haarrisse aufweist, wird sein Inhalt im Laufe der Zeit verdunsten. Das muss ein Hersteller schon im Produktionsprozess erkennen, bevor der Sensor eingebaut wird" beschreibt Andreas Schütze, Professor für Messtechnik der Universität des Saarlandes, die Herausforderung für die Industrie.

Sein Team hat daher ein Verfahren entwickelt, in dem äußerst empfindliche Gassensoren sofort erschnüffeln, wenn nur ein Tausendstel Gramm einer Flüssigkeit aus einem Gefäß entweicht. "Diese Messtechnik kann am Ende der Produktionskette in vielen Bereichen der Industrie installiert werden, so dass dort das entsprechende Produkt überprüft wird, bevor es das Unternehmen verlässt", sagt Schütze.

Im Unterschied zu anderen Prüfverfahren muss die Messkammer weder ein Vakuum erzeugen noch mit erhöhten Temperaturen arbeiten. Das zu untersuchende Produkt wird einfach nur kurz in die Messkammer gelegt, die nicht viel größer als das Objekt sein muss. Dann wird Luft eingeführt, die mögliche Ausdünstungen an den Gassensoren vorbeileitet. Diese erkennen in Sekundenschnelle, ob eine Verpackung dicht oder undicht ist und erlauben somit eine Einzelprüfung der Objekte. Das patentierte Verfahren ist mittlerweile auch auf die Belange von Pharmaunternehmen und der chemischen Industrie zugeschnitten worden und wird dort sowohl für die Entwicklung der Prozesse als auch für die Endkontrolle eingesetzt "Ein Unternehmen hat die mit Flüssigkeit gefüllten Arzneiflaschen auf Lecks hin untersuchen lassen und setzt unser Verfahren aktuell zur Kontrolle der Dichtheit ein.", erläutert Thorsten Conrad, Geschäftsführer der 3S GmbH, die als eine Ausgründung der Universität die Technologie vermarktet. Er sieht den Vorteil des Verfahrens nicht nur in der erheblich einfacheren Handhabung und der hundertprozentigen Trefferquote der Gassensoren bei der Qualitätskontrolle. "Die Messtechnik erspart den Unternehmen auch die Kosten und den Imageschaden, der entsteht, wenn fehlerhafte Produkte wieder zurückgenommen werden müssen", meint der Saarbrücker Ingenieur.

Fragen beantworten:

Prof. Dr. Andreas Schütze
Lehrstuhl für Messtechnik der Universität des Saarlandes
Tel. 0681 / 302 4663
E-Mail: schuetze@lmt.uni-saarland.de
3S GmbH - Sensors, Signal processing, Systems
Thorsten Conrad
Tel. 0681 / 91 003 52
Tel. 0511 / 89 497101 (Telefon am Messestand)
E-Mail: Conrad@3S-ing.de

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.lmt.uni-saarland.de
http://www.3S-ing.de
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Berichte zu: Arzneiflaschen Flüssigkeit Gassensor Gefäße Messkammer Messtechnik Verpackung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht UV-Kugel macht Lackieren einfach und schnell
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Vorzüge von 3D-Druck und Spritzguss kombiniert
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics