Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aschehalden werden zu Zement: 1,1 Millionen Euro für innovative Entsorgung

05.02.2002


Unternehmen aus Thüringen schließt DBU-Projekt zur Ascheverwertung erfolgreich ab

Riesige Aschehalden, belastetes Grundwasser sowie Gesundheitsprobleme durch eingeatmete Aschepartikel als Folge der Braunkohle-Energiegewinnung könnten bald der Vergangenheit angehören, wenn das erfolgreich abgeschlossene Projekt der Ingenieursgesellschaft Verfahrens- und Umwelttechnik für komplexe Recyclinglösungen (IVU) aus Erfurt (Thüringen) Schule macht. 3,8 Milliarden Tonnen Braunkohle werden jährlich weltweit gefördert - die Lagerung der bei der Verstromung anfallenden 400 Millionen Tonnen Flugasche sei bisher kaum möglich. "Die Asche ist nur sehr schlecht zu entsorgen - Wind trägt die Halden ab und verteilt die Partikel in der Umgebung", erläuterte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück. Im innovativen Verfahren der IVU werde die Flugasche so aufbereitet, dass sie schließlich nur durch Hinzugabe von Wasser zu einem deponiefähigen, zementähnlichen Stoff verfestigt werde. Der könne unter anderem als umweltfreundlicher und kostengünstiger Baustoff verwendet werden. Die DBU unterstützt das IVU-Projekt mit 1,1 Millionen Euro.

"Obwohl die Suche nach umweltfreundlichen Energien intensiv vorangetrieben wird, kann in den nächsten 20 Jahren nicht damit gerechnet werden, den Massenenergieträger Braunkohle völlig ersetzen zu können", sagte Brickwedde. Braunkohle bleibe auch in den nächsten Jahren wichtigste Primärenergiequelle. Umso dringender sei es, Verfahren zu entwickeln, die die Ascheabfälle wirksam und umweltfreundlich aufarbeiteten. Mit der Verarbeitung von Braunkohleaschen setze die IVU am Ende einer Verwertungskette an. Bisher seien diese Aschen nicht zur Weiterverarbeitung geeignet gewesen. Dem Unternehmen sei es jedoch gelungen, ungewünschte Eigenschaften des Materials durch eine spezielle Aufarbeitung der Aschen zu vermeiden. "Die vier bisher nach dem Modell der IVU in Betrieb genommenen Anlagen arbeiten ohne Abwasser und Staubbelastung", erläuterte Brickwedde. Auch die im Verfahren anfallenden Fehlproduktionen würden durch interne Recyclingkonzepte dem Kreislauf wieder zugeführt. Im Verlauf der Entwicklung sei ein Baumaterial entstanden, das mit seinen ausgezeichneten Bindeeigenschaften in vielen Bereichen Zement ersetzen könne. So sei der Tagebau Espenhain (Sachsen) mit einem knapp zwei Kilometer langen und 40 Meter hohen Lärmschutzwall umzogen worden, der mithilfe dieses Bindemittels erbaut wurde.

Das Interesse an dem Verwertungsverfahren sei besonders in Entwicklungs- und den osteuropäischen Ländern hoch. Hier bestehe die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln die Umwelt zu entlasten und eine Quelle zur Produktion eines kostengünstigen Baustoffs zu nutzen. Dabei spiele es keine Rolle, aus welchem Feuerungssystem die Asche stamme. "Das innovative, mittlerweile patentierte Verfahren ermöglicht es, die Verarbeitung individuell auf die vorliegenden Strukturen der Flugasche abzustimmen", sagte Brickwedde. Dadurch sei die Qualität des erzeugten Baustoffes gleichbleibend hoch. Anfragen von vietnamesischen, thailändischen, indischen und südafrikanischen Kraftwerksbetreibern bestätigten das internationale Interesse. Auch in den europäischen Nachbarländern sei man auf die Innovation der IVU aufmerksam geworden. Speziell Estland bekunde Interesse: Hier seien die Aschehalden mit einem Umfang von über 50 Millionen Tonnen und Höhen bis zu 170 Metern die höchsten Erhebungen des Landes.

ots.emailservice | ots

Weitere Berichte zu: Aschehalde Braunkohle Flugasche IVU Zement

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Smarte Rollstühle, vorausschauende Prothesen
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Engineers program tiny robots to move, think like insects

15.12.2017 | Power and Electrical Engineering

One in 5 materials chemistry papers may be wrong, study suggests

15.12.2017 | Materials Sciences

New antbird species discovered in Peru by LSU ornithologists

15.12.2017 | Life Sciences