Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Glasfasern zurechtklopfen

30.01.2002


Mit den schrägstehenden Stoßmagneten justiert der Automat Glasfasern genauer als einen Mikrometer.

© Fraunhofer IOF


Einen Faden durch ein Nadelöhr zu fädeln, ist für die meisten Menschen kein Problem. Schwierig wird es erst, wenn die Nadel sehr klein ist. Bei einem Loch von nur einem tausendstel Millimeter Durchmesser versagt jedes noch so tapfere Schneiderlein - nicht hingegen ein vollautomatischer Justierautomat. Vor vier Monaten nahm er beim Unternehmen Agilent Technologies Deutschland GmbH in Böblingen seinen Betrieb auf. Selbstverständlich bedient er keine Näherinnen im Reiche Lilliput, sondern positioniert monomodale lichtleitende Glasfasern für optische Baugruppen wie sie in der Telekommunikation eingesetzt werden. Entwickelt und hergestellt haben das Gerät Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena. »Das sehr anspruchsvolle Projekt gehört zu den umfangreichsten Aufträgen in der Geschichte unseres Instituts«, verkündet Dr. Volker Guyenot, Leiter der Abteilung Feinwerktechnik. »Mit Agilent, der Firma MAZet Mikroelektronik und allen anderen beteiligten Unternehmen arbeiteten wir besonders effizient zusammen. Nach nur einem Jahr konnten wir das Projekt daher abschließen.«

Für die Justierung ist es entscheidend, dass möglichst wenig Licht beim Übergang von der Faser in die winzige Koppellinse verloren geht. Dafür müssen die beiden Teile auf weniger als einen Mikrometer genau zueinander ausgerichtet werden. Mit der am IOF seit vielen Jahren untersuchten Stoßjustierung können die Bauelemente noch um kleinste Beträge bewegt werden, obwohl sie bereits mit der endgültigen Spannkraft aneinander befestigt sind. Im Justierautomat arbeiten insgesamt 24 Aktoren: Motoren, klassische Verstellglieder und vier Stoßmagnete. Letztere klopfen in den notwendigen Richtungen so lange auf die Halterung mit der eingespannten Faser, bis die Kontrollmessung minimale Lichtdämpfung anzeigt. Das Messprinzip: Infrarote Strahlung läuft durch die Faser, tritt aus der Baugruppe aus und bildet sich auf dem Sensor einer speziellen Kamera ab. Eine Software wertet Lage und Dämpfung des unsichtbaren Flecks aus. Sie übergibt ihre Daten an ein Programm, das die Stoßmagneten ansteuert. So schließt sich der Kreis und nach wenigen Minuten ist die Baugruppe vollständig justiert.

Nicht nur durch gleichbleibend hohe Präzision besticht das automatische Gerät. Zudem kann der Justiervorgang kalkuliert und nachvollzogen werden. Den Nachweis, dass der Automat der europäischen Norm EN 45014 entspricht - also CE-konform ist - konnten die IOF-Wissenschaftler bereits erbringen.

Dr.-Ing. habil. Volker Guyenot | Mediendienst

Weitere Berichte zu: Faser Glasfaser Justierautomat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Staubarmes Recycling wertvoller Rohstoffe aus Elektronikschrott
16.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Mikrostrukturen mit dem Laser ätzen
25.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie

Molekulare Schalter im Detail erforscht

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Nanodiscs: kleine Scheiben ganz groß

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie