Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn der Roboter klettert wie eine Ratte

03.11.2006
Thüringer Wissenschaftler wollen gemeinsam mit der Industrie Kletterroboter entwickeln / Millionenschweres Thüringer Bionik-Forschungsprojekt startet

Es gibt viele Regionen, die sind für den Menschen einfach nicht zugänglich oder viel zu gefährlich. Dann greift man gerne auf Roboter zurück. Doch diese sind längst nicht so weit entwickelt, wie es Science-Fiction-Filme vorgaukeln. Vor allem wenn es steil nach oben geht, hinken Roboter der Natur noch weit hinterher.

Dies will ein neues Projekt ändern, bei dem Thüringer Wissenschaftler einen Kletterroboter entwickeln und gemeinsam mit der Industrie bauen wollen, für den selbst steile Anstiege kein Problem darstellen werden. Für dieses Thüringer Bionik-Projekt hat das Bundesforschungsministerium (BMBF) jetzt 3,45 Millionen Euro für drei Jahre zur Verfügung gestellt. Bei "InspiRat - Bionisch inspirierter Kletterroboter für die externe Inspektion linearer Strukturen" - so der offizielle Projekttitel - arbeiten unter der Federführung von Prof. Dr. Hartmut Witte, Biomechatroniker der TU Ilmenau, Zoologen und Radiologen der Universität Jena, das Max-Planck-Institut (MPI) für Metallforschung in Stuttgart und die TETRA Gesellschaft für Sensorik, Robotik und Automation mbH in Ilmenau zusammen.

Jeder Kletterer kennt das Problem: Je steiler es aufwärts geht, umso näher rückt der Körper automatisch an das Hindernis, wodurch wiederum die kontrollierten Bewegungen von Armen und Beinen erschwert werden. Die Natur löst dieses Problem mit unterschiedlichen Verfahren, die aber auf ähnlichen Prinzipien beruhen. Diese Prinzipien wollen die Thüringer Forscher der Natur abschauen und auf den vierbeinigen Roboter übertragen. "Inspirat", so der vorläufige Name des Roboters, verweist auf die "Inspiration durch die Ratte". Und wie diese soll der kleine künstliche Kletterer sich zukünftig in allen möglichen Schächten zurechtfinden. In Aufzugsschächten von Hochhäusern inspiziert der Roboter Versorgungsleitungen oder in Schlössern ohne Baupläne den Verlauf von Rohren und Schächten. "Der Markt für einen möglichen Einsatz ist weit und birgt enormes wirtschaftliches Potenzial", weiß Dr. Andreas Karguth von der TETRA Gesellschaft.

... mehr zu:
»Kletterroboter »Roboter »TETRA

In Jena werden vor allem die Grundlagenerkenntnisse zur Biologie des Kletterns für das Gemeinschaftsprojekt erforscht. Dazu bringen Prof. Dr. Martin S. Fischer und Prof. Dr. Hartmut Witte jahrzehntelange Erfahrungen in der Bewegungsforschung mit, arbeiten sie doch bereits seit über 15 Jahren zusammen. Das neue Projekt ermöglicht jedoch einen weiteren Fortschritt, denn nun kann eine hochfrequente Röntgenvideoanlage beschafft werden, die bislang weltweit einzigartig ist. Der Prototyp im Wert von rund 1,5 Millionen Euro ermöglicht es, auf einem großen Röntgenschirm mit einen Durchmesser von 45 cm Bewegungen hochauflösend mit bis zu 500 Bildern in der Sekunde (!) aus zwei Raumrichtungen, also biplanar, aufzunehmen. Damit können die Jenaer Forscher den Tieren unter die Haut schauen und erstmals die Bewegungen der Gliedmaßen und des gesamten Skeletts in bisher nie gekannter Auflösung erforschen. Die Anlage wurde vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und seinem Direktor Prof. Dr. Werner A. Kaiser sowie den Zoologen der Universität Jena mit der Siemens AG entwickelt. "Das intelligente Herz dieser einmaligen Anlage ist der Radiologe Dr. Alexander Petrovitch", unterstreicht Fischer die Bedeutung der Kooperation.

Prof. Dr. Hartmut Witte von der TU Ilmenau wird die zoologischen Erkenntnisse der Jenaer in die Technische Biologie und Bionik überführen. Der deutschlandweit einzige Professor für Biomechatronik hat eben solche langjährigen Erfahrungen in der Entwicklung von Robotern wie Prof. Dr. Stanislav N. Gorb vom Stuttgarter MPI bei der Untersuchung von Mikrohaft- und -greifmechanismen. All diese vereinten Erkenntnisse sollen dann von der TETRA GmbH in ein Produkt umgesetzt werden, "das auf diesem zukunftsträchtigen Markt eine große Chance haben wird", wie Witte zuversichtlich betont.

Kontakt:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. med. (habil.) Hartmut Witte
Institut für Mikrosystemtechnik, Mechatronik und Mechanik
Technische Universität Ilmenau
Tel.: 03677 / 692456 oder 692460 (Sekretariat)
E-Mail: Hartmut.Witte[at]tu-ilmenau.de
Univ.-Prof. Dr. Martin S. Fischer
Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: 03641 / 949140
E-Mail: Martin.Fischer[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/szeb.html
http://www.tu-ilmenau.de/biomechatronik

Weitere Berichte zu: Kletterroboter Roboter TETRA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Staubarmes Recycling wertvoller Rohstoffe aus Elektronikschrott
16.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Mikrostrukturen mit dem Laser ätzen
25.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie