Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trinkwasserqualität aus Regenwasser

28.09.2006
Fraunhofer-Institut entwickelt neuartige Wasserinfrastruktur

Am 12. Oktober 2006 wird im baden-württembergischen Knittlingen bei Pforzheim eine vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) in Stuttgart entwickelte neuartige Wasserinfrastruktur offiziell in Betrieb genommen. Zusätzlich zur klassischen Trinkwasserleitung aus dem örtlichen Wasserwerk führt eine separate Ringleitung mit modernster Filtertechnik aufbereitetes Regenwasser in die Haushalte.

Darüber hinaus wird das Abwasser des Neubaugebietes zusammen mit Küchenabfällen semi-dezentral mit fortschrittlicher Anaerobtechnik gereinigt, wobei die Inhaltstoffe des Abwassers nahezu vollständig verwertet werden. Das Projekt mit dem Namen DEUS 21 (Dezentrales urbanes Infrastruktursystem) wird vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe, dem Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen http://www.isa.rwth-aachen.de sowie neun Industriepartnern realisiert.

Das Regenwasser der gesamten Wohnsiedlung wird über eigene Regenwasserkanäle zentral in 300 Kubikmeter fassenden unterirdischen Regenwasserzisternen gesammelt. Daraufhin wird das Wasser mit Rotationsscheibenfiltern aufbereitet. "Die feinen Poren der keramischen Membranfilterscheiben sind im Mittel 0.06 Mikrometer groß - kleiner als Bakterien und Viren", erläutert Walter Trösch vom IGB. Das gefilterte Regenwasser sei somit Keimfrei und erreiche die Bewohner als Pflegewasser, das die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllt. Es könne zum Waschen und Duschen, zum Geschirrspülen, für die Toilettenspülung oder zur Gartenbewässerung genutzt werden, wie der Wissenschaftler auf Nachfrage von pressetext erklärt. Hinzukommender Vorteil sei, dass Regenwasser besonders weich ist. Entkalkungsmittel für Spül- und Waschmaschine sowie Weichspüler für die Wäsche werden dadurch überflüssig.

Das Abwasser der Haushalte wird zusammen mit dem Biomüll über eine Vakuumkanalisation der Abwasserreinigungsanlage zugeführt. Die Vakuumleitungen sind viel dünner als übliche Abwasserleitungen und dadurch kostengünstiger und ressourcenschonend. Die Abwasserreinigungsanlage besteht aus einem etwa 2,5 Kubikmeter fassenden Bioreaktor, der anaerob - unter Ausschluss von Luftsauerstoff und bei niedrigen Temperaturen - betrieben wird. "Das ist eine Weltneuheit, denn herkömmliche Kläranlagen nutzen aerobe Biologie für die Endreinigung des Abwassers", erklärt Trösch. Anaerobe Mikroorganismen bilden weniger Biomasse als aerobe und produzieren Biogas, ein Gemisch aus Methan und Kohlendioxid. "So entsteht praktisch kein Schlamm aber Biogas als regenerativer Energieträger, der die Anlage kostensparend mit Strom und Wärme versorgt." Überschussstrom kann in das Versorgungsnetz eingespeist werden.

Das gereinigte Abwasser enthält nur noch Phosphat und Ammoniumstickstoff. "Nährstoffe, die wir als wertvolle Düngemittel aufbereiten", erklärt Trösch. Das verbleibende Abwasser erfüllt Badewasserqualität und kann direkt in einen Fluss eingeleitet, zur Bewässerung genutzt werden oder versickert einfach. In den kommenden zwei Jahren soll die Anlage für den Betrieb in der Praxis optimiert werden. Das Konzept eignet sich auch gut für regenarme Regionen und Entwicklungsländer, die oft noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine angemessene Abwasserentsorgung haben.

Reanne Leuning | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.igb.fraunhofer.de
http://www.bmbf.de
http://www.isi.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Innovation macht 3D-Drucker für kleinere und mittlere Unternehmen rentabel
24.03.2017 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Neues energieeffizientes Verfahren zur Herstellung von Kohlenstofffasern
13.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit