Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Holz trocknet mit Wasserdampf

21.12.2001


Bedenkt man, dass für jeden Bundesbürger jährlich statistisch etwa 65 Kilogramm Holzspäne getrocknet werden, so lässt sich der damit verbundene, immense Energieaufwand erahnen. Denn frisches Holz besteht etwa zur Hälfte seiner Masse aus Wasser und kann erst bei einer Restfeuchte von rund zwei Prozent zu Spanplatten weiterverarbeitet werden. Zwei Drittel der insgesamt zu deren Produktion aufgewendeten Energie verschlingt die Trocknung. Bislang werden beim großtechnischen Verfahren heiße Brennerabgase benutzt, um die Holzspäne zu erhitzen. Von mitgerissenen Feststoffen befreit, geht der Wasserdampf anschließend ungenutzt durch den Schornstein in die Luft. Mit ihm nicht nur Wärme - zusätzlich wird die Umwelt mit Stäuben, Brennerabgasen und flüchtigen Holzbestandteilen belastet. Ein deutlich effizienteres und umweltschonenderes Verfahren wurde in einem vom BMBF geförderten Projekt entwickelt. Das Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI untersuchte gemeinsam mit dem Clausthaler Umwelttechnik-Institut GmbH CUTEC zunächst eine modifizierte Großanlage im niedersächsischen Uelzen. Die dort und an einer Pilotanlage am WKI gewonnenen Erfahrungen setzte der Anlagenhersteller SwissCombi W. Kunz dryTec AG an der industriellen Großanlage der Firma Heggenstaller um. Nach nur vier Jahren haben sich die aufgewendeten Investitionen armortisiert.


Die Pilotanlage im WKI mit einer Verdampferleistung von 100 Kilowatt trocknet pro Stunde 200 Kilogramm Holzspäne im Drehrohr (unten). Die beiden Zyklone links trennen ausgetragene Späne vom Dampfstrom ab.
© Fraunhofer WKI



»Jeder, der sich schon einmal beim Kochen die Hand verbrüht hat, musste schmerzhaft erfahren, dass heißer Wasserdampf ein besserer Wärmeüberträger ist als Luft gleicher Temperatur«, veranschaulicht Dr. Timon Gruber vom WKI eine wesentliche Verfahrensänderung. »In der Anlage strömt überhitzter Wasserdampf im Kreislauf. Er trocknet die Holzspäne schneller als heiße Gase und reichert sich weiter mit Wasser an. Ein Teil des Dampfstroms wird kondensiert. Mit der freigesetzten Abwärme wird frischer Dampf erzeugt. Auf diese Weise und durch den Einsatz eines neuartigen Wärmetauschers werden in Uelzen 15 Prozent Heizenergie eingespart.«

... mehr zu:
»Großanlage »Holzspäne »WKI »Wasserdampf


Energie ist nicht alles - die Forscher optimierten gleichzeitig die Stoffströme. Der Durchsatz von Holzspänen durch die Anlage konnte um 15 Prozent gesteigert werden bei gleichzeitig extrem verminderten Emissionen: Nur noch 10 Prozent Kohlenmonoxid, 1 Prozent Staub und flüchtige Kohlenwasserstoffe gehen durch den Kamin. Letztere stammen vorwiegend aus dem Holz. Nun kondensieren sie mit dem Dampfteilstrom aus. Darin enthalten sind Terpene, die als wertvolle Rohstoffe in der Lack- und Duftstoffindustrie eingesetzt werden.

Dr. Timon Gruber | Fraunhofer Gesellschaft

Weitere Berichte zu: Großanlage Holzspäne WKI Wasserdampf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Innovation macht 3D-Drucker für kleinere und mittlere Unternehmen rentabel
24.03.2017 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Neues energieeffizientes Verfahren zur Herstellung von Kohlenstofffasern
13.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit