Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

OEE senkt Betriebskosten in der Halbleiterindustrie

17.12.2001


Weniger Betriebskosten durch mehr Information: Das Ziel, die Halbleiterproduktion noch effizienter zu gestalten, hat sechs deutsche Halbleiterhersteller, zwei Software-Häuser und vier Forschungsinstitute im BMBF-geförderten OEE-Projekt vereint - OEE steht für "Overall Equipement Efficiency".

OEE steht für "Overall Equipement Efficiency" und für ein neues Konzept zur Effizienzsteigerung in der Halbleiterfertigung: Seit November 1999 fördert das Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) das gleichnamige Verbundprojekt mit dem Ziel, Verbesserungspotenziale in der Produktion zu erschließen und der deutschen Halbleiterindustrie zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit auf dem internationalen Markt zu verhelfen. Die beteiligten Unternehmen und Forschungsinstitute entwickeln ein umfassendes, zielgruppenorientiertes Konzept zum Monitoring und zur Analyse wirtschaftlich relevanter Kenngrößen der aktuellen Produktionsanlagen. Der aktuelle Zwischenstand des Projekts wurde am 16. November beim ersten offenen OEE-Workshop am Fraunhofer IPA in Stuttgart vorgestellt. Auf Industrieseite bearbeiten die Unternehmen Atmel, Heilbronn, Bosch, Reutlingen, camLine, Petershausen, Elmos, Dortmund, Philips, Böblingen, TIP, Teltow, X-FAB, Erfurt, und das Zentrum für Mikroelektronik (ZMD), Dresden, einzelne Fragestellungen in Teilprojekten. Die Fraunhofer-Institute für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, beide Stuttgart, sowie die Fraunhofer-Institute für Siliziumtechnologie ISI, Itzehoe, und für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen begleiten sie wissenschaftlich.

Die OEE-Projektgruppe unter Federführung der Firma Bosch und unterstützt vom Fraunhofer IPA arbeitet daran, Maschinen wesentlich genauer im Rechner abzubilden, als die SEMI-Standards dies bisher verlangen. Die in SEMI E10 und SEMI E79 definierten Kennzahlen sind Indikatoren dafür, ob eine Maschine gut oder schlecht ausgelastet ist. Um die Maschinenauslastung weiter zu verbessern, müssen die Maschinenzustände allerdings noch genauer abgebildet werden, als es die Standards bisher vorschreiben. Dafür sind mehrere Hürden zu nehmen: Die erste ist die Datenerfassung. Um die Zustände nach SEMI E10 überhaupt abbilden zu können, braucht man sowohl Informationen direkt von der Maschine als auch aus dem MES (Manufacturing Execution System). "Gerade bei alten Maschinen stößt man hier schnell auf Probleme", hat Dietmar Hornung vom Fraunhofer IPA erfahren. "Sie sind oft nur eingeschränkt kommunikativ. Dazu kommt, dass das MES bei jedem Halbleiterhersteller unterschiedlich ist", erklärt er. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass sich diese Hindernisse umschiffen lassen. Die OEE-Software verknüpft diese Daten mit denen aus dem MES und berechnet damit nach SEMI E10 und SEMI E79 Maschinenzustände. "Damit erhalten wir Kennzahlen, die die Auslastung der Maschinen sehr genau beschreiben, und können Maßnahmen einleiten, um die Probleme zu eliminieren", sagt Hornung. Eine standardisierte Darstellung auf der Basis von UML (Unified Modelling Language) hilft, die Prozesse für eine genauere Analyse zu visualieren. Sie macht auch die Zustandsübergänge der Maschinen transparenter und unterstützt die Programmierer beim Erstellen der OEE-Software.

Eine zweite Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Abbildung von Mehrkammeranlagen (sog. Cluster Tools) in einem objektorientierten Modell. Die Cluster Tools bestehen in der Regel aus separaten Modulen mit unterschiedlichen Aufgaben. Welchen Weg die Werkstücke durch diese Module nehmen, kann häufig nicht einmal der Anlagenbetreiber genau sagen. Seine Möglichkeiten, in den Prozess einzugreifen und einzelne Abläufe seiner Produktion zu optimieren, sind entsprechend beschränkt. Die Philips GmbH und das Fraunhofer IPA entwicklen deshalb eine virtuelle Abbildung des Cluster Tools, die die physikalischen Ebenen der Anlage berücksichtigt. Das Modell greift die Vorgaben von SEMI E10 und SEMI E79 auf und hilft, die verschiedenen Wege der Wafer durch die Mehrkammeranlage zu verfolgen.

camLine, TIP und das Fraunhofer IAO erstellen eine Software, die die in den Projekten erarbeiteten Ansätze in ein Programmpaket integriert. Das gilt auch für die Programmmodule zur Erkennung von Fehlern an den Maschinen (camLine), zur Einleitung von Korrekturen des Produktionsverlaufs (Fraunhofer IAO) und zur Materialflussoptimierung (TIP GmbH) aus den restlichen Teilprojekten. camLine installiert derzeit die ersten Prototypen des Gesamtpakets bei den teilnehmenden Halbleiterherstellern. Über die Erfahrungen damit sowie über weiterführende Ansätze und deren Umsetzung werden die Teilnehmer des OEE-Projekts auf einem abschließenden Workshop Ende 2002 berichten.

Weitere Informationen zum Projekt inklusive Chatroom zur Diskussion von OEE-Problemen sind zu finden unter www.oee.de.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
Dipl.-Phys. Dietmar Hornung, Telefon: 0711/970-1864, Telefax: 0711/970-1007, E-Mail: dih@ipa.fhg.de
Dipl.-Inform. Ralf Muckenhirn, Tel 0711/ 970-1217, Fax: +49 0 711/970-1007
E-Mail: rhm@ipa.fhg.de

Dipl.-Ing. Michaela Neuner | idw
Weitere Informationen:
http://www.oee.de

Weitere Berichte zu: Betriebskosten Cluster E10 E79 Halbleiterindustrie IAO MES OEE SEMI Tip

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Schnell, präzise, aber nicht kalt
17.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neues Laserstrahl-Schweißverfahren des Fraunhofer IWS erlangt die Zertifizierung der DNV GL
16.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten