Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brücken aus Glas und Flugzeuge aus Kohlenstoff - Textilforscher an der TU Dresden entwickeln neue Leichtbauwerkstoffe

20.06.2006
Auch wenn in Zukunft die meisten Kleidungsstücke weiterhin aus Baumwolle oder Chemiefasern bestehen werden, haben Glas und Carbon bereits seit einiger Zeit Einzug in die Textiltechnik gehalten. Diese Hochleistungsfaserstoffe ermöglichen die Umsetzung mechanisch hoch beanspruchbarer, sehr steifer und fester Verbundwerkstoffe. Chokri Cherif, Professor für Textiltechnik an der TU Dresden und Direktor des Instituts für Textil- und Bekleidungstechnik (ITB), forscht derzeit an der Entwicklung neuer Technologien für die textile Betonbewehrung, das heißt Glas- oder Carbonfaserstoffe werden in textilen Gitterkonstruktionen angeordnet und in Betonbauteile eingebettet.

Zur Verbesserung der Handhabbarkeit und der Verbundeigenschaften werden diese Strukturen auf einer Nähwirkmaschine beschichtet. Durch die Verbindung der Einzelfasern wird eine gleichmäßige Verteilung der Kräfte im Verbund sichergestellt. Zudem kann partiell eine Verstärkung des Bewehrungstextils erfolgen, um lokalen Krafteinwirkungen zu entsprechen. Die offene Struktur des Bewehrungsgitters ist notwendig, damit während der Bauteilherstellung eine gute Durchdringung und eine optimale Einbettung in den Feinbeton gewährleistet sind. Die Mitarbeiter um Professor Cherif entwickeln allerdings nicht nur die Technologie und Produkte textiler Betonbewehung, sondern auch entsprechende Maschinen zur Herstellung der textilen Bewehrungsgitter.

Durch den Einsatz textiler Betonbewehrung wird Bauen kostengünstiger, da die textilverstärkten Betonbauteile nur ca. ein Fünftel entsprechender Stahlbetonbauteile wiegen. Das ermöglicht neue Baukonstruktionen und wirkt sich vorteilhaft auf den Transport und die Montage der Bauteile aus. Ein aktuelles Beispiel ist die weltweit erste Fußgängerbrücke aus Textilbeton, die auf der Landesgartenbauausstellung 2006 in Oschatz installiert ist. Auf den Einsatz von Stahlbewehrung kann bei derartigen Großbauteilen jedoch nicht verzichtet werden.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Professor Cherif ist die Entwicklung und Herstellung von textilen Verstärkungsstrukturen für Bauteile aus Duro- oder Thermoplast. Ein Ausgangspunkt für hochbeanspruchbare Thermoplastbauteile ist die Entwicklung von Hybridgarnen. Diese ermöglichen die Konstruktion unterschiedlichster Eigenschaftskombinationen. Grundlage bilden auch hier die

Verstärkungskomponenten Glas bzw. Carbon. Als thermoplastische Komponente fungiert z. B. Polypropylen, dass bei der Verbundherstellung unter Wärme- und Druckeinwirkung geschmolzen und zwischen die Verstärkungsfasern gepresst wird. Durch Integration zusätzlicher Stoffe in das Hybridgarn können Bauteile mit neuartigen Zusatzeigenschaften realisiert werden.

Die Hybridgarne werden beispielsweise zu mehraxial verstärkten Mehrlagengestricken verarbeitet. Diese werden durch moderne Presstechniken zu Bauteilen für den Fahrzeugbau oder die Luft- und Raumfahrtindustrie weiterverarbeitet.

Der aktuelle Airbus 380 besteht bereits zu 25 % aus Bauteilen mit Carbonverstärkung. Die momentan in Bau befindliche Boing 787 wird zu 50 % aus diesem Werkstoff bestehen. Dies verdeutlicht den Trend, dass in Bereichen mit hohen Leichtbauanforderungen metallische Werkstoffe zunehmend durch textilverstärkte Faserverbundwerkstoffe ergänzt bzw. ersetzt werden.

Am Institut für Textil- und Bekleidungstechnik arbeiten zurzeit neben zwei Professoren 46 Wissenschaftler. Professor Cherif ist seit Oktober 2005 neuer Leiter des Instituts und schätzt die vorhandenen Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Arbeit an der TU Dresden sehr. "Ich bin zuversichtlich, dass wir mit dem ITB weiter in der ersten Liga internationaler Textilforschung mitspielen werden."

Am 21. und 22. Juni findet in der sächsischen Landeshauptstadt die 8. Dresdner Textiltagung statt. Die Veranstaltung steht unter dem Motto "Textile Zukunft unserer Lebenssphären" und versteht sich als branchenübergreifender Transfer aktueller Forschungsergebnisse.

Informationen für Journalisten: Prof. Dr.-Ing. habil. Dipl.-Wirt. Ing. Chokri Cherif, Tel. 0351 463-39306 oder -39300, E-Mail: cherif@itbh6.mw.tu-dresden.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/mw/itb/itb.html
http://www.tu-dresden.de/

Weitere Berichte zu: Bauteil Hybridgarn Luft- und Raumfahrt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Innovation macht 3D-Drucker für kleinere und mittlere Unternehmen rentabel
24.03.2017 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Neues energieeffizientes Verfahren zur Herstellung von Kohlenstofffasern
13.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise