Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Normen beschleunigen die technische Entwicklung und fördern die internationale Wettbewerbsfähigkeit

04.07.2000


Normen mindestens so wichtig wie Patente / Volkswirtschaftlicher Nutzen beträgt rund 1 Prozent des Bruttosozialprodukts / Bedeutender Einfluss auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit

Normen wirken sich positiv auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland und dessen internationale Wettbewerbsfähigkeit aus. Dies zeigt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI), Karlsruhe, und der Technischen Universität Dresden. Auftraggeber waren das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN), Berlin, das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die Normungsinstitute Österreichs und der Schweiz sowie verschiedene Unternehmen.

Um den gesamtwirtschaftlichen Nutzen der Normung zu bestimmen, haben die Fraunhofer-Wissenschaftler für den Zeitraum von 1960 bis 1996 zusätzlich zu den Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit den Beitrag des Bestandes an erteilten Patenten, den Beitrag der Ausgaben der deutschen Wirtschaft für ausländische Lizenzen und den Beitrag des Bestandes an Normen und technischen Regeln zum wirtschaftlichen Wachstum im Unternehmenssektor berechnet. Dabei zeigt sich, dass die Normen über den gesamten Zeitraum gerechnet zu rund ein Drittel zum Wirtschaftswachstum beitragen. Das entspräche für das Jahr 1998 über 30 Milliarden Mark. Dies bestätigt bisherige volkswirtschaftliche Schätzungen, die von einem Nutzen der Normung in Höhe von ein Prozent des Bruttosozialprodukts ausgehen. Dagegen muss der in früheren Studien postulierte Nutzenanteil von ein Prozent am Umsatz der Unternehmen aufgrund der Ergebnisse der Befragung der TU Dresden, an der über 700 Unternehmen - darunter 400 deutsche - teilgenommen haben, revidiert werden.

Die Berechnungen machen deutlich, dass die Normen für das Wirtschaftswachstum mindestens genauso wichtig sind wie Patente. Denn für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist nicht allein das Potenzial an vorhandenen Innovationen von Bedeutung, sondern insbesondere deren Verbreitung. Hier spielen die Normen eine entscheidende Rolle. Sie wirken wie Katalysatoren, welche die Diffusion der Innovationen in den Markt ermöglichen.

Zudem konnten die Wissenschaftler des Fraunhofer ISI einen signifikant positiven Zusammenhang zwischen den Patentanmeldungen und dem Output an technischen Regeln feststellen. In innovativen Feldern werden deutlich stärker neue Normen entwickelt als in weniger innovativen. Das deutsche Normenwesen orientiert sich demnach an den Bedürfnissen des technischen Wandels.

Technische Normen wirken sich ferner positiv auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands aus. Es zeigt sich, dass besonders exportintensive Branchen überdurchschnittlich stark normen. Insbesondere internationale Normen können Vorteile im weltweiten Technologiewettlauf sichern und so das nationale Innovationssystem stärken, so die Erkenntnis der Forscher. Der Bestand an Normen und technischen Regeln ist zumindest bei einem Drittel der untersuchten bilateralen Handelsbeziehungen ein Erklärungsfaktor für die positive Außenhandelsbilanz. Die Analysen ergeben zudem, dass nationale Normen keine Importbarrieren darstellen.

Die Wissenschaftler raten daher, sich noch stärker an den europäischen und internationalen Normungsprozessen zu beteiligen. Zudem empfehlen sie, die europäischen und internationalen Regularien umfassend in den nationalen Normenbestand zu übernehmen. Damit ist zum einen den Exporteuren geholfen, die bei der Ausfuhr von Waren dann weniger mit Schnittstellen- und Kompatibilitätsproblemen zu kämpfen haben. Zum anderen profitieren die Importeure und Konsumenten von einer breiteren Auswahl von Produkten und genormten Gütern.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotentiale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationsspolitik.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl.-Phys. Gerhard Samulat |

Weitere Berichte zu: ISI Normung Wettbewerbsfähigkeit Wirtschaftswachstum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Innovation macht 3D-Drucker für kleinere und mittlere Unternehmen rentabel
24.03.2017 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

nachricht Neues energieeffizientes Verfahren zur Herstellung von Kohlenstofffasern
13.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise