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Hochpräzise Messverfahren entschlüsseln Herstellung der Himmelsscheibe von Nebra

28.03.2006


Wissenschaftler des Institutes für Fertigungstechnik und Qualitätssicherung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben kürzlich in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vom Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle mit berührungslosen Messverfahren, wie Bildverarbeitung und Laserantastung, die Himmelsscheibe von Nebra untersucht und messtechnisch erfasst.


Himmelsscheibe auf der 3D-Koordinatenmessmaschine mit Laserstrahl



Die auf ca. 1600 bis 1900 vor Christus datierte, annähernd runde Bronzescheibe mit einem Durchmesser von ca. 32 cm und einem Gewicht von etwa zwei Kilogramm ist vermutlich die älteste Darstellung des Himmels weltweit. Auf abenteuerliche Weise kam die Himmelsscheibe in das Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle.



Dr. Steffen Wengler von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erfasste an einer Koordinatenmessmaschine die geometrischen Daten der Formen einzelner Elemente auf der Scheibe, wie Sterne, Sonne, Mond, Schiff und Horizontalbögen, sowie ihre Lage zueinander. Besonderes Interesse fanden Höhenprofile ausgewählter Sterne und Bearbeitungsspuren. Die Untersuchungen bestätigen abermals den Befund, dass die Himmelsscheibe mehrfach umgearbeitet wurde.

In einem zweiten Messverfahren am 3D-Oberflächenmessgerät analysierte Steffen Wengler die Oberflächenbeschaffenheit der Goldauflagen der Scheibe. Hier waren insbesondere Veränderungen der Oberfläche interessant, die aus unsachgemäßer Behandlung durch einen der Zwischenhändler resultieren. Es konnte gezeigt werden, dass die unsachgemäße Behandlung mit Stahlwolle die historischen Arbeitsspuren an vielen Stellen zur Unkenntlichkeit verschliffen hat. Einige verdeckte Partien jedoch entgingen dem modernen Putzmittel: Sie zeigen noch die feinen historischen Überarbeitungsspuren.

Es ist bekannt, dass die Scheibe zunächst als Rohling gegossen wurde; danach folgte eine Schmiedebearbeitung. Die gesondert ausgeschmiedeten und bearbeiteten Gold-Applikationen, die in den Grundkörper eingelegt wurden, zeugen von außergewöhnlichen manuellen Fähigkeiten. Prof. Rüdiger Bähr, Professor für Gießereitechnik an der Universität Magdeburg, verspricht sich aus den Untersuchungsergebnissen weiterführende Informationen, insbesondere zur Fertigungstechnik der damaligen Zeit.

Waltraud Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-magdeburg.de/

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