Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem Roboter räumlich Laserschneiden

20.07.2005


Der Laser ist ein sehr effektives Schneidewerkzeug, mit dem Metalle präzise und schnell geschnitten werden können - vorausgesetzt der Laserstrahl kennt die zu schneidende Bahn. Das aber war bisher die Crux in der Fertigungstechnik: Bei komplizierteren Bahnen im Raum nahm die Bestimmung der Bahn enorm viel Zeit in Anspruch. Denn dazu mussten mit einem Roboter die einzelnen Punkte der Bahn manuell abgefahren werden; eine Präzisionsarbeit für erfahrene Ingenieure mit scharfen Augen. "Das Abfahren der Schneidebahn ist nicht nur eine große körperliche Anstrengung, es blockiert zudem den Roboter für andere Aufgaben und ist daher sehr unwirtschaftlich, besonders bei kleinen Stückzahlen", sagt Markus Layer, der im Studiengang Fertigungstechnik der Hochschule Aalen den Arbeitsschritt der Bahnprogrammierung in den Rechner verlegt hat. "Dadurch bleibt die Arbeitskapazität des Roboters frei, der Schneideprozess kann virtuell simuliert werden und Änderungen lassen sich schnell einfügen", zählt Betreuer Prof. Dr. Hans-Albrecht Schertel die wesentlichen Vorteile des neuen Verfahrens auf.



Ausgangsmaterial für Layers Diplomarbeit war eine Halbkugel aus Edelstahl, auf die der Abtsgmünder Künstler Alfred Bast Lichtzeichen aufgetragen hatte. In einem ersten Schritt scannte der Student der Fertigungstechnik die Halbkugel samt Zeichnungen ein. Mithilfe einer Grafiksoftware zog er die auf den Scans sichtbaren Lichtzeichen nach und überführte die Aufnahmen so in ein CAD-Format. Aus diesem erstellte Markus Layer ein Programm zur Steuerung des Roboters, in das er laserspezifische Ergänzungen einarbeitete. Über die Datenfernübertragung wird der Roboter dann zur Ausführung des Programms angeleitet.



Entsprechend den künstlerischen Vorgaben rückt und dreht der Roboter die Halbkugel unter den festen Laserstrahl, der über einen Spiegel in den Arbeitsbereich des Roboters abgelenkt wird. Der Laser hat im Auftreffpunkt des Metalls einen Durchmesser von ca. 0,2 Millimetern und eine Leistung von ca. 100.000 Watt pro Quadratzentimeter. Das Metall wird beim Schneiden so heiß, dass rot glühende Funken entstehen.

Der Roboter ist ein handelsüblicher Industrieroboter mit sechs Achsen, der sich positionsgenau justieren lässt. Er ist der dritte und - vorerst - letzte Bestandteil des Laserlabors der Hochschule Aalen, der über einen Antrag im Rahmen des Hochschulbauförderungsgesetzes (HBFG) finanziert wurde. "Damit besitzt die Hochschule nun ein fertiges Bearbeitungszentrum, in dem die Studierenden von der Zeichnung bis zum fertigen Produkt alle Schritte der Fertigung durchlaufen können", gerät Prof. Dr. Schertel ins Schwärmen.

Ergänzt wird das Bearbeitungszentrum um einen zweiten Laser (Nd:YAG), der im Gegensatz zu seinem hochenergetischen, aber stationären CO2-Pendant beweglich ist. Das Laserlicht breitet sich durch ein Lichtleitkabel zum mobilen Schneidkopf aus, den der Roboter in drei Dimensionen um das zu bearbeitende Bauteil führt. Dieses Verfahren wird in der Industrie bereits zum Schweißen eingesetzt. Auf dem Gebiet des Laserschneidens ist es dagegen noch Neuland. Auch hier wird der Roboter von einem individuell angefertigten Programm gesteuert. Im Unterschied zum Schneiden mit dem CO2-Laser, wird hier nicht das Bauteil, sondern der Laser vom Roboter geführt. "Das macht uns enorm flexibel", sagt Roland Thiede, der als Ingenieur das Laserlabor der Hochschule Aalen betreut. In der Fertigungstechnik können die Studierenden so sämtliche Facetten des Laserschneidens kennen lernen. "Jeder Student wird während seines Studiums durch dieses Labor gehen", freut sich Prof. Dr. Schertel über das verbesserte Studienangebot.

Dr. Marc Dressler | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-aalen.de/sgt/laserlabor.html

Weitere Berichte zu: Fertigungstechnik Halbkugel Laser Laserschneiden Layer Metall Roboter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Smarte Rollstühle, vorausschauende Prothesen
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik