Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Himmelsscheibe von Dresden

08.04.2005


Vollmond oder Sichel? In exklusiven Armbanduhren zeigen Mondscheiben zu jeder Tageszeit an, in welcher Phase sich unser Trabant gerade befindet. Sächsische Forscher verwenden ein Beschichtungsverfahren, um die schmucken Scheiben noch brillanter strahlen zu lassen.

... mehr zu:
»Armbanduhr »Himmelsscheibe »Laser »Schicht

Als weltweit älteste konkrete Darstellung des Weltalls gilt die Himmelsscheibe von Nebra. Die darauf abgebildeten Monde, Sterne und Horizontbögen nennen Fachleute Tauschierungen. Mit einer in der Bronzezeit auftretenden Einlegetechnik wurden entsprechend geformte Plättchen aus unlegiertem Goldblech in die großflächigen Vertiefungen der Bronzeplatte eingehämmert. Moderne, aber viel kleinere Varianten findet man als Mondscheiben in exklusiven mechanischen Uhren. Sie zeigen auch tagsüber die jeweilige Phase unseres kosmischen Nachbarn in einem Fenster des Zifferblatts an.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik IWS in Dresden haben gemeinsam mit der Uhrenmarke A. Lange & Söhne im rund 40 Kilometer südlicher gelegenen Glashütte eine Technik eingesetzt, die die Farbe der Mondscheiben noch brillanter erscheinen lässt. "Üblicherweise erhalten die Scheiben eine Schicht, die Farbpigmente enthält", erklärt Michael Panzner, Mitarbeiter in der Gruppe Mikrobearbeiten / Reinigen. "Wir dagegen beschichten die Goldscheiben mit amorphem, also nicht kristallinem Kohlenstoff, der jedoch auch viele Diamantbindungen enthält." Dazu setzen die Forscher das Laser-Arco®-Verfahren ein: Ein gepulster Laser initiiert eine elektrische Bogenentladung, die Material aus einer Kohlenstoffwalze herauslöst. Die kontrolliert auf der Scheibe aufwachsende Schicht muss am Ende überall gleich dünn sein, um dem Auge gleichmäßig blau zu erscheinen. Doch wie kann ein farbloses Material tiefblau aussehen? Licht wird am oberen und am unteren Rand der transparenten Schicht reflektiert. Durch Interferenz löschen sich alle Wellenlängen gegenseitig aus - bis auf die für blau. Andere Farben können die Forscher einfach über die Dicke der Schicht einstellen. Ein weiterer Vorteil, der besonders bei anderen Anwendungen zum Tragen kommt: Das Material ist superhart und sehr kratz- und verschleißfest. Deshalb werden mit ihm sonst Werkzeuge beschichtet - etwa die Schneiden von Bohrern.


Um die Mondscheibe weiter zu verzieren, arbeiten die Forscher in den blauen Nachthimmel Sterne und Sternbilder ein. Dazu bestrahlen sie die beschichtete Scheibe durch eine Maske mit einem anderen Laser. Nur in den belichteten Bereichen trägt der Strahl die Schicht wieder ab. Die Strukturen vertiefen sich gleichmäßig und golden glänzende Sterne erscheinen. Von der Armbanduhr DIE GROSSE LANGE 1 "Luna Mundi" wurden zwei Modelle mit Scheiben aus Weiß- und Rotgold gebaut. Zwei verschiedene müssen es sein, denn der Mond erscheint auf der Südhemisphäre der Erde gegenüber dem Norden umgekehrt.

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.iws.fraunhofer.de
http://www.lange-soehne.de

Weitere Berichte zu: Armbanduhr Himmelsscheibe Laser Schicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Granulare Materie blitzschnell im Bild
21.09.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Sprühtrocknung: Wirkstoffe passgenau verkapseln
01.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie