Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frisch auf den Tisch

13.12.2004


Die oberflächenmodifizierte Verpackungsfolie bietet effektiven Lichtschutz. © Fraunhofer/Bernd Müller


Obst, Gemüse, Fleisch, Brot, Stollen oder Lebkuchen – Lebensmittel können nur in der richtigen Verpackung in bester Qualität in die Haushalte der Verbraucher gelangen. Aktive Hüllen schützen empfindliche Produkte vor Licht, Luft und Schimmel, intelligente Verpackungen zeigen an, ob das Lebensmittel noch die gewünschte Qualität besitzt.

... mehr zu:
»Haltbarkeit »Hülle »Konsument »Äpfel

In der Vorweihnachtszeit spricht ein Bummel über den Wochenmarkt alle Sinne an: Paprika in allen Farben, duftende Äpfel, Orangen und exotische Früchte, leuchtend-rote Tomaten, knackige Salate, fangfrischer Fisch, Wild oder Gänse und knusprige Brote machen Lust aufs Festmenü. Damit Lebensmittel frisch beim Verbraucher auf den Tisch kommen, brauchen sie eine optimal an ihre Bedürfnisse angepasste Verpackung. Temperatur, Licht, Luft, Bakterien oder Pilze setzen empfindlichen Produkten zu und lassen sie verderben. Bei der »European Conference on Fresh Food Packaging« präsentierten Wissenschaftler vor kurzem in Freising neben neuesten Forschungsergebnissen aus Agrarwissenschaft, Tierhaltung- und -verarbeitung den State-of-the-Art bei Verpackungen.

»Verbraucher wünschen qualitativ hochwertige Lebensmittel mit möglichst wenig Konservierungsstoffen«, weiß Thomas Wanner vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV. Und: Die Verpackungen müssen transparent sein. Farbige Hüllen, die das Produkt verstecken, oder Zusätze – wie kleine Päckchen mit Sauerstofffängern – werden nicht akzeptiert. Verpackungshersteller müssen zudem auf die veränderten Lebensgewohnheiten der Konsumenten Rücksicht nehmen. Europäische Studien zeigen, dass es immer mehr Single-Haushalte gibt, viele Familien nur noch einmal pro Woche einkaufen und der Verzehr von Fertiggerichten steigt. Außerdem legen Kunden Wert auf ein gutes Ökogewissen. Verpackungen müssen sich rückstandsfrei recyceln lassen. Für Hüllen mit Zusatznutzen wollen die Verbraucher allerdings nur ein paar Cent mehr ausgeben.


»Das Fraunhofer-Kompetenzzentrum für Aktive und Intelligente Verpackungen hilft der Industrie bei der Suche nach der optimalen Hülle«, sagt Gertraud Goldhan, Geschäftsfeldmanagerin Lebensmittelqualität beim IVV. »Gerade bei aktiven oder intelligenten Verpackungen ist die Verunsicherung groß. Ganz grob kann man sagen: Aktive Folien sorgen dafür, dass die Produkte den Weg durch die Kette, vom Produzenten über den Lebensmittel- und Verpackungshersteller, Abpacker und den Handel bis zum Endkunden optimal überstehen. Intelligente Materialien informieren den Konsumenten oder Händler über die Haltbarkeit oder Frische des Produkts.«

Wie lange Lebensmittel frisch bleiben, hängt von vielen Faktoren ab. Agrarexperten unterscheiden zwischen Obst und Gemüsesorten – Äpfel, Birnen oder Zwetschgen –, die zur Nachreife das Gas Ethylen absondern, und denen, die das nicht tun, dafür aber empfindlich auf diese Substanz reagieren – wie zum Beispiel Tomaten oder Bananen. Bei Fleischprodukten entscheidet auch die richtige Tierhaltung über die Haltbarkeit – Biofleisch hält länger als Industriefleisch. Und: Stress beim Schlachten erhöht den pH-Wert – das Fleisch verdirbt schneller, auch wenn in der Schlachterei und beim Abpacken sauber gearbeitet wird. Controlled Atmosphere nennen Experten ein Verfahren, bei dem in den Lager- oder Verpackungshallen CO2- und Sauerstoffgehalt der Luft auf für das Produkt optimale Werte eingestellt wird. Experten diskutieren derzeit das Begasen der Ware mit MCP – Methyl-Cyclo-Propen. Das in den USA verbreitete Verfahren ist allerdings in Europa bisher noch nicht zugelassen. MCP könnte in Deutschland ab 2005 erlaubt sein, glauben EU-Rechtsexperten.

Neben der Gaszusammensetzung der Luft hat auch die Feuchtigkeit einen großen Einfluss auf Haltbarkeit und Qualität der Waren. »Jedes Lebensmittel hat eine spezifische Feuchte«, erklärt Wanner. »Feuchte-Absorber oder -regulatoren sorgen bei frischem Obst und Gemüse, Frischfleisch, Backwaren und Fertiggerichten dafür, dass optimale Feuchtigkeitsgehalte auf dem Weg zum Verbraucher beibehalten werden.« Doch auch zu viel Licht kann frischen Lebensmitteln – etwa Spinat oder Olivenöl – schaden. Gegen UV-Strahlen oder sichtbares Licht setzen die Wissenschaftler UV-Absorber oder Lichtfänger ein. Neue antimikrobiell beschichtete Folien verhindern das Eindringen verschiedenster Keime in feste Produkte. Dabei setzen Forscher nicht dem Nahrungsmittel die konservierenden Stoffe zu, sondern beschichten die Verpackungsfolie damit. »So werden die Substanzen gezielt an die Oberfläche des Lebensmittels gebracht, wo sie auch wirken sollen«, erklärt Gruppenleiter Dieter Sandmeier. »Konservierungsstoffe können wir auf minimale Mengen reduzieren.« Aufgebracht werden die Schichten über spezielle Lackierungsverfahren, in denen ORMOCERE®, eine Entwicklung des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC, als Lackgrundstoff dienen.

Doch was nützt die beste Verpackung, wenn beim Transport die Kühlkette unterbrochen wurde? »Bei intelligenten Verpackungen zeigen Freshness-Indikatoren, ob das Produkt noch frisch ist«, erläutert Wanner. Time-Temperature (TT)-Indikatoren melden, wenn etwa die Kühlkette unterbrochen wurde und Leakage-Indikatoren zeigen einen Farbumschlag, wenn die Verpackung unerlaubt geöffnet oder beschädigt wurde. Auch zu Hause müssen Lebensmittel richtig aufbewahrt werden. Bestimmte Früchte sollte man nicht zusammen lagern, wussten schon unsere Großmütter. Der Grund: Äpfel produzieren nach der Ernte Ethylen, ein Gas, das die Reife beschleunigt. Daher die alte Regel, nie Äpfel und Kartoffeln zusammen zu lagern. Auch in der schön dekorierten Obstschale verderben Melonen und Kiwis schneller, wenn sie neben Äpfeln liegen.

Ansprechpartner:

Karin Agulla
Telefon: o8161 491-120, Fax: -222
karin.agulla@
Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, IVV
Giggenhauser Straße 35, 85354 Freising

Karin Agulla | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ivv.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Haltbarkeit Hülle Konsument Äpfel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Neues energieeffizientes Verfahren zur Herstellung von Kohlenstofffasern
13.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Dresdner Forscher drucken die Welt von Morgen
08.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen