Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Poly-Parylen - Werkstoff der Zukunft?

16.11.2004


FH3 -Programm des BMBF fördert Gerhard Franz und Stefan Sotier von der FH München bei der Entwicklung einer Beschichtungsanlage


Fotopapiere können gegen Fingerabdrücke unempfindlich gemacht werden, Gummioberflächen fühlen sich teflonartig an und Metalle werden im medizinischen Einsatz gegen Körperflüssigkeiten und Injektionslösungen isoliert. Erreicht wird dies durch Oberflächenveredelungen mit organischen Filmen - einer Technik, die immer bedeutender wird.

Das unterstreicht das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit seiner Förderung eines Projekts der FH München und des Unternehmens Plasma Parylene Coating Services (PPCS) durch das FH3-Programm. Das in diesem Projekt zu untersuchende Parylen soll als Beschichtungsmaterial für Stents oder Spiralen und Operationsnadeln Verwendung finden. Stents (metallische, zylindrische Hohlkörper) und Spiralen werden eingesetzt, um z. B. nach einer Thrombose geschwächtes Adergewebe zu stabilisieren. Dazu muss der Körper an die richtige Stelle geschoben werden, wobei möglichst wenig Reibung entstehen darf. Das wird mit einer Parylenbeschichtung erreicht. Der Schubdraht wird anschließend an einer Sollbruchstelle durch einen Stromstoß erhitzt und auf diese Weise vom Stent getrennt. Operationsnadeln für die Gehirnchirurgie dienen unter anderem zur Hitzeverödung von Tumoren. Dazu wird die Nadel bis knapp vor ihre Spitze mit hochisolierendem Parylen beschichtet, dann wird ein Stromstoß ausgelöst, der zu einem Hitzeschock führt.


Die Anforderungen insbesondere im medizinischen Bereich werden dabei immer höher. Die diesem Projekt zugrundeliegende Herausforderung ist eine Erhöhung der Durchschlagsfestigkeit, um das gleiche Isolationsverhalten bei geringerer Filmdicke zu erzielen, was insbesondere für die Erhöhung der Präzision in der Gehirnchirurgie von Bedeutung ist. Aber auch im Halbleiterbereich werden Verbesserungen für Dielektrika möglich.

Dazu soll das von der Firma PPCS in Rosenheim entwickelte Verfahren der chemischen Dampfabscheidung durch Entwicklung eines plasmaunterstützten, reaktiven Abscheideverfahren während des vom BMBF geförderten, zwei Jahre dauernden Projekts erweitert und möglicherweise ersetzt werden. Die Abscheidebedingungen werden variiert und mittels Plasmadiagnostik genau kontrolliert. Das Team besteht aus zwei Studenten, die ihre Abschlussarbeiten im Rahmen des Masterstudiums der Mikro- und Nanotechnik durchführen, einem Diplomingenieur sowie mehreren fortgeschrittenen Studenten, die hier ihre Semesterarbeit absolvieren. Geleitet wird das Projekt von den Professoren Stefan Sotier, dessen Domäne die Oberflächentechnologie und Vakuumphysik ist, und Gerhard Franz, der seinen Forschungsschwerpunkt in der Physik der Niedertemperaturplasmen hat.

Da für den medizinischen Bereich die Anforderungen sehr hoch sind, sind als Spin-off dieser Prozess-/Produktentwicklung Ergebnisse im "Low-tech"-Bereich denkbar und wahrscheinlich: z. B. zur Verwendung als fettabweisende Beschichtung im Bereich der Textilfasertechnologie, der Papierveredelung oder von Gebrauchsgegenständen.

Christina Kaufmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-muenchen.de

Weitere Berichte zu: BMBF Mikro- und Nanotechnik Parylen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Granulare Materie blitzschnell im Bild
21.09.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Sprühtrocknung: Wirkstoffe passgenau verkapseln
01.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie