Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen biologischen Vorbehandlung von Baumwolltextilien

03.11.2004


Ein neu entwickelter Prozess für die dauerhafte Vorbehandlung von zellulosehaltigen Fasern wie beispielsweise Baumwolle umfasst Entschlichtung sowie Reinigung und nutzt die Enzymtechnologie. Das neuartige biologische Vorbehandlungsverfahren ist nicht nur umweltfreundlich die Betriebsgeschwindigkeit wird außerdem zur Nachhaltigkeit in der europäischen Textilbranche beitragen.



Die hohen Anforderungen an die Nutzung von Chemikalien, Wasser und Energie bei den derzeitigen Vorbehandlungsverfahren für Gewebe haben zu erheblichen Problemen in der Textilbranche geführt. Besonders der Reinigungsprozess für Baumwolle erfordert die Verwendung großer Mengen des potenziell toxischen Sodiumhydroxids, das letztendlich im Abwasser landet. Obwohl dieses Abwasser normalerweise neutralisiert und gereinigt wird, können trotzdem Salzreste zurückbleiben, die dann schließlich in Flüsse und Seen gelangen. Deshalb wurde im Rahmen des BPT-Projekts ein integriertes biologisches Vorbehandlungsverfahren entwickelt, das noch vor der Färbung und der Endbearbeitung des Baumwollgewebes stattfindet.

... mehr zu:
»Enzym »Textilbranche »Vorbehandlung


Bei den durchgeführten Untersuchungen wurden zwei Enzymsysteme gefunden, die für den Bioreinigungsprozess geeignet sind Pektatlyase vom Bacillus pumilus und zwei Polygalakturonasen (PG) vom S. rolfsii. Das erstgenannte basische Enzym zeigt unter alkalischen Bedingungen, die normalerweise bei einer Einbindung von Bioreinigungs- und Entschlichtungsprozess vorzufinden sind, eine gute biologische Reinigungsleistung. Des Weiteren ist das Lyase-Enzym außerordentlich stabil, und das sogar bei den zu Beginn des Vorgangs erforderlichen hohen Temperaturen. Die PG können unter sauren Bedingungen, die für biologische Bleichverfahren notwendig sind, gute Leistungen zeigen und sind bei Temperaturschwankungen weniger beständig als Lyase.

Auf Grundlage der erzeugten Enzyme wurde ein innovativer Bioreinigungsprozess entwickelt, der sowohl schubweise als auch kontinuierlich eingesetzt werden kann. Bei schubweisem Betrieb werden mäßige Temperaturen für eine längere Zeitspanne genutzt, auf die dann Zeiträume mit höheren Temperaturen folgen. Diese sind entscheidend für das effiziente Entfernen von unerwünschten Substanzen. Bei einem kontinuierlichen Betrieb dauert der biologische reinigungsvorgang bei hohen Temperaturen mit minimalen Gewebefehlern gerade mal 3-5 Minuten - den darauf folgenden Spülvorgang eingeschlossen. Diese Innovation bietet im Vergleich zu herkömmlichen langwierigen Verfahren eine beachtliche Steigerung der Vorbehandlungskapazität und erleichtert die Logistik in den Fabriken.

Das entwickelte kontinuierliche Bioreinigungsverfahren wurde ebenso angepasst, um eine Integration in den bestehenden enzymgesteuerten Entschlichtungsprozess zu gewährleisten. Diese Anpassung umfasste einen zweiphasigen Erstellungsprozess für die Enzyminkubation und die Hinzufügung einer erweiterten Massentransportmethode. Aufgrund eines engeren zeitlichen Rahmens beziehungsweise der Auslassung von Spülschritten können neben Zeit auch Energie und Wasser gespart werden. Die wichtigsten Nebeneffekte sind aber wohl die ökologischen Vorteile, denn es werden keine toxischen Chemikalien benutzt und Hydroxidgerüche in den Fabriken gehören der Vergangenheit an.

Kontakt:

Prof. Jan Alexander Dekker
Netherlands Organisation for Applied Scientific Research
Parkweg 1, P.B. Box 6060
7500AH Enschede, Niederlande
Fax: +33-1-40562750

Prof. Jan Alexander Dekker | ctm
Weitere Informationen:
http://www.tno.nl

Weitere Berichte zu: Enzym Textilbranche Vorbehandlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Staubarmes Recycling wertvoller Rohstoffe aus Elektronikschrott
16.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Mikrostrukturen mit dem Laser ätzen
25.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Feinstaub weckt schlafende Viren in der Lunge

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieeffizienter Gebäudebetrieb: Monitoring-Plattform MONDAS identifiziert Einsparpotenzial

16.01.2017 | Messenachrichten

Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie