Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Altlasten verlieren ihren Schrecken

28.07.2004


ttz Bremerhaven: Flächensanierung bei laufendem Betrieb

... mehr zu:
»Altlasten »ECOSOIL-Verfahren

Das Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven (ttz Bremerhaven) findet neue Wege zur kostengünstigen Sanierung von Altlasten. "Das Projekt ECOSOIL ist gerade mit einem Treffen der beteiligten Projektpartner in Schweden gestartet worden", berichtet René Surma, als Technischer Leiter am Umweltinstitut des ttz Bremerhaven zuständig für das Projekt. Die Tüftler haben zwei Jahre Zeit, um das von der Europäischen Union geförderte Vorhaben durchzuführen.

Das Erfolgsgeheimnis soll die so genannte Horizontalbohrung werden: Bei dem Verfahren werden nicht wie üblich vertikale Bohrungen in den Boden eingebracht. Stattdessen gibt es horizontale Bohrungen, die mit einem geeigneten Adsorber gefüllt werden. "Der Adsorber hat die Aufgabe, die im Boden vorhandenen Kontaminationen aufzunehmen und sicher zu binden", beschreibt Surma das Verfahren. "Nach Erreichen des Sanierungsziels kann der Boden für den jeweils vorgesehenen Zweck wieder genutzt werden."


Nach Angaben der European Environment Agency (Europäische Umweltagentur) liegen die Kosten für die Sanierung der deutlich über einer Million Altlasten in Europa zwischen 59 und 109 Milliarden Euro. "Die Tendenz ist steigend", weiß René Surma. "Daher besteht ein großer Bedarf an geeigneten Verfahren, die vor allem auch zeit- und kosteneffizient sein müssen."

In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Sanierungsverfahren am Markt etabliert, die technisch aufwändig sind und oft erheblichen Baustellenverkehr verursachen, etwa durch Transport und Austausch des kontaminierten Bodens. Selbst bei Sanierungen direkt vor Ort sind beträchtliche Anstrengungen notwendig, um das gewünschte Ziel zu erreichen.

Das ECOSOIL-Verfahren geht hier einen anderen Weg: "Die minimal inversible Technik verursacht an der Bodenoberfläche nur äußerst geringe Störungen der Umgebung", betont Umweltexperte Surma. "Wir benötigen lediglich eine Maschine in der Größe eines kleinen Radladers, um die Horizontalbohrungen vorzunehmen." Nach dem Bohren verschwindet die Maschine wieder, und der Rest passiert unsichtbar im Untergrund. "Damit kann auch bei laufendem Betrieb eine Sanierung durchgeführt werden - beispielsweise bei Tankstellen, Bahnanlagen, Flughäfen oder Lager- und Umschlagflächen."

Die geschätzten Kosten für das ECOSOIL-Verfahren brauchen den Vergleich mit den konventionellen Verfahren nicht zu scheuen: Wird die Aufrechterhaltung des Übertagebetriebs in die Bilanz mit einbezogen, so ist das ECOSOIL-Verfahren konkurrenzlos günstig. "Dieses Projekt zeigt deutlich, wie Innovation und Wirtschaftlichkeit nicht nur umweltverträglich, sondern sogar umweltschützend sein können", unterstreicht ttz-Geschäftsführer Werner Mlodzianowski. "Wir wollen mit dem ttz Bremerhaven dafür sorgen, dass diese Zusammenführung von Ökologie und Ökonomie auch weiterhin gemeinsam mit regionalen Firmen seine Fortsetzung findet."

Dem ttz Bremerhaven sind sechs Forschungsinstitute zugehörig, die sich der Entwicklung moderner marktfähiger Produkte und Prozesse verschrieben haben. Dies sind jeweils das Bremerhavener Institut für Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik (BILB); das Umweltinstitut; das Institut für Energie- und Verfahrenstechnik (IEV); das Bremerhavener Institut für Gesundheitstechnologien (BIGT); das Bremerhavener Institut für Biologische Informationssysteme (BIBIS) sowie das Bremerhavener Institut für Organisation und Software (BIOS).

Den Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt der Blauen Biotechnologie hat das ttz Bremerhaven im Projekthaus Bio-Nord im Biotechnologiezentrum Bio-Nord in Bremerhaven angesiedelt. Bremerhaven ist von der Europäischen Union als Schwerpunktregion für die Blaue Biotechnologie anerkannt.

Boris Trelle | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Berichte zu: Altlasten ECOSOIL-Verfahren

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Smarte Rollstühle, vorausschauende Prothesen
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten