Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Projekt MESEMA: Flugzeuge sollen leiser und komfortabler werden

26.05.2004


Elektronisch steuerbare Schwingungsdämpfer vermindern die Vibrationen und sorgen für mehr Komfort beim Fliegen

... mehr zu:
»EU-Projekt »MESEMA »Schwingung »Vibration

Wer schon einmal in einer Turbopropmaschine geflogen ist, kennt das Dröhnen, das die rotierenden Propeller verursachen. Die Vibrationen, die durch Schwingungen der Rotorblätter entstehen, übertragen sich mitunter auf die gesamte Kabine. Diesen störenden Geräuschpegel zu dämpfen und gleichzeitig die eingesetzten Werkstoffe vor frühem
Verschleiß zu schützen, ist das Ziel des neuen EU-Projektes MESEMA. Die Abkürzung steht für "Magnetoelastic Energy Systems for Even More Electric Aircraft".

Der Schlüssel für leises und sicheres Fliegen liegt, wie der englische Projekttitel vermuten lässt, in der Kombination von Elektrotechnik und Magnetismus zur Steuerung beweglicher Teile. So genannte magnetostriktive Aktoren, wie sie im Vorgängerprojekt MESA in Form von Schwingungstilgern erfolgreich entwickelt wurden, machen sich die magnetischen Eigenschaften von Werkstoffen zu Nutze: Unter Einfluss eines Magnetfeldes ändern bestimmte Werkstoffe ihre Form - sie können in kürzester Zeit gestaucht oder gedehnt werden. Und die Stärke dieses Effektes kann durch elektrische Signale beeinflusst werden. Womit wir bei der Aufgabe des Schwingungstilgers wären - er bewirkt eine Bewegung, die der unerwünschten Schwingung der Kabinenhaut genau entgegen wirkt - die Vibration wird gedämpft.

Die Ergebnisse aus MESA sollen jetzt im Rahmen von MESEMA auf fünf neue technische Anwendungen übertragen und weiterentwickelt werden. Die Projektpartner, darunter der italienische Flugzeughersteller Alenia, versprechen sich hiervon vor allem mehr Komfort für die Passagiere. Der Hubschrauberhersteller Eurocopter strebt ebenfalls einen Wertzuwachs seiner Hubschrauber an und setzt auf die Entwicklung von Schwingungstilgern, die speziell die hohen Vibrationen bei Drehflüglern mindern sollen. Um die Vibration an der Wurzel zu packen, werden zusammen mit dem deutschen Hubschraubergetriebehersteller ZF-Luftfahrttechnik leistungsstarke Aktoren entwickelt, die es ermöglichen, den Rotorblattwinkel während des Fluges individuell zu verstellen. Diese so genannte IBS-Lösung (engl. individual blade control) verspricht weitere Vorteile: Der Helikopter verbraucht weniger Kraftstoff und fliegt wesentlich geräuscharmer.

Vibrationen sind auch das Thema von zwei weiteren technischen Anwendungen der magnetostriktiven Aktoren. Indem man ganz gezielt Schwingungen erzeugt und die Antwortsignale auswertet, kann man Strukturschäden im Material aufspüren. Daher untersuchen die Forscher, inwiefern sich die Schwingungstilger gleichzeitig für die Schadenserkennung einsetzen lassen.

Und last but not least befassen sie sich auch mit dem umgekehrten Weg, also wie aus den an und für sich störenden Strukturschwingungen doch noch Nützliches erzeugt werden kann, nämlich elektrische Energie für die autonome Versorgung bordeigener Geräte oder Einrichtungen.

An MESEMA beteiligt sind insgesamt 18 europäische Forschungsinstitute, kleine und mittlere Unternehmen aus England, Frankreich, Irland, Griechenland und Schweden sowie Partner aus der Luftfahrtindustrie; die Leitung obliegt der Universität Frederico II in Neapel. Die grundlagenorientierten Forschungsaktivitäten werden von Instituten in England und Rumänien sowie in Deutschland vom Lehrstuhl für Prozess-automatisierung (LPA) der Saar-Uni beigesteuert. Der Lehrstuhl und damit verbunden die Arbeitsgruppe Aktorik im Zentrum für Innovative Produktion (ZIP) - beide stehen unter Leitung von Professor Hartmut Janocha - setzen damit eine 14-jährige Forschungsaktivität des Lehrstuhls fort. Gleichzeitig ist dieses europäische Verbundvorhaben das erste große Projekt, das in der sich gerade etablierenden Fachrichtung Mechatronik bearbeitet wird. Gut zwei Drittel des Gesamtvolumens von 7,6 Millionen Euro werden von der EU und der Rest von den Industrieunternehmen getragen. Die saarländischen Partner - neben LPA und ZIP ist das European Project Office (EPO) der Universität beteiligt, das Verwaltungsaufgaben wahrnimmt - sollen während der Laufzeit von drei Jahren über 1,1 Millionen Euro Fördermittel für ihren Arbeitsanteil erhalten.

| idw
Weitere Informationen:
http://www.mesema.info
http://www.uni-saarland.de

Weitere Berichte zu: EU-Projekt MESEMA Schwingung Vibration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Kleben ohne Klebstoff - Schnelles stoffschlüssiges Fügen von Metall und Thermoplast
22.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics