Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Objektiv am Autolack kratzen

10.05.2001


Das "Schlaganfall-Info-Mobil" ist von Mai bis August 2001 in 40 deutschen Städten unterwegs. Die medizinischen

Untersuchungsgeräte an Bord ermöglichen es dem beratenden Arzt, innerhalb von zehn Minuten das persönliche Schlaganfallrisiko zu ermitteln.

Foto: Bayer AG


Polituren und Wachse für Autokarossen können das Abstumpfen der Lackschicht nur verzögern. Gegen Staub im Fahrtwind und Bürsten von Waschanlagen zieht der Besitzer auf Dauer den Kürzeren. Wie kratzfest ein
Lack ist, bewertet ein neues Prüfverfahren.

Glänzend steht er da: der Neuwagen. Doch kaum hat er einige hundert Kilometer auf dem Buckel, haben Staubkörner in der Luft und Bürsten von Waschanlagen erste Spuren im Lack hinterlassen. Im hellen Sonnenlicht ist auch nach stundenlangem Putzen und Polieren ein Heer feinster Kratzer zu erkennen. Zwar sind sie 30-mal dünner als ein Haar, doch können sie Autolack und Besitzerstolz nachhaltig trüben. Glänzende Umsätze erwarten daher die Hersteller kratzfesterer Lacke - doch benötigen sie für ihre Entwicklungen ein objektives Prüfverfahren.

»Die Kratz- oder Verschleißfestigkeit von Lacken richtig zu messen, ist schwer«, weiß Reinhold Bethke vom Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST. »Bisher verwenden die Hersteller dazu wenig reproduzierbare Verfahren. Unsere Prüfmethode misst präzise den Verschleiß; und daraus bestimmen wir die Kratzfestigkeit.«

Bei diesem Verfahren hört der Verschleiß auf den Namen »Kubikmeter pro Newtonmeter«, also: Volumen des abgetragenen Materials pro aufgewendeter Verschleißarbeit. Diese mechanische Arbeit verrichtet ein Kalottenschliffgerät, das als »Calo Tester« inzwischen vom Braunschweiger Unternehmen BAQ GmbH vermarktet wird. Eine Kugel von drei Zentimetern Durchmesser rotiert auf der Lackfläche, wobei die eigentliche Arbeit von einem Schleifpulver verrichtet wird. »Genau auf das Material kommt es an«, verrät Bethke. »Die Kugel besteht aus einem ähnlichen Kunststoff wie die Bürsten in Waschanlagen und das Pulver muss Staub oder Schmutz auf dem Auto möglichst gut nachahmen. Dafür verwenden wir Aluminiumoxid einer bestimmten Korngröße und Kantigkeit.« Also kratzt die Kugel nicht nur herum, sondern schmirgelt eine winzige kreisrunde Delle in den Lack. Nach drei Minuten ist die eingeschliffene Kalotte typischerweise weniger als einen Millimeter breit. Der genaue Wert lässt sich unter dem Mikroskop ausmessen. Daraus errechnet sich das Volumen des verloren gegangenen Lacks. Je weniger Abrieb, desto kratzfester war er.

Das praxisnahe und schnelle Verfahren liefert eine in der Werkstofftechnik etablierte Kenngröße: den Verschleißwert. Sie ermöglicht dem Farbenhersteller, die Abriebfestigkeit seiner Produkte zu objektivieren und er kann sie gezielter verbessern. Damit es schließlich Lack und Autobesitzer weniger kratzt.

Ansprechpartner:
Reinhold Bethke
Telefon: 05 31/21 55-5 72, Fax: 05 31/21 55-9 00, bethke@ist.fhg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw

Weitere Berichte zu: Autolack Bürsten Lack Prüfverfahren Waschanlagen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Smarte Rollstühle, vorausschauende Prothesen
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Im Focus: Extrem helle und schnelle Lichtemission

Eine in den vergangenen Jahren intensiv untersuchte Art von Quantenpunkten kann Licht in allen Farben wiedergeben und ist sehr hell. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von Wissenschaftlern der ETH Zürich hat nun herausgefunden, warum dem so ist. Die Quantenpunkte könnten dereinst in Leuchtdioden zum Einsatz kommen.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern der ETH Zürich, von IBM Research Zurich, der Empa und von vier amerikanischen Forschungseinrichtungen hat die...

Im Focus: Paradigmenwechsel in Paris: Den Blick für den gesamten Laserprozess öffnen

Die neusten Trends und Innovationen bei der Laserbearbeitung von Composites hat das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT im März 2018 auf der JEC World Composite Show im Fokus: In Paris demonstrieren die Forscher auf dem Gemeinschaftsstand des Aachener Zentrums für integrativen Leichtbau AZL unter anderem, wie sich Verbundwerkstoffe mit dem Laser fügen, strukturieren, schneiden und bohren lassen.

Keine andere Branche hat in der Öffentlichkeit für so viel Aufmerksamkeit für Verbundwerkstoffe gesorgt wie die Automobilindustrie, die neben der Luft- und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

Registrierung offen für Open Science Conference 2018 in Berlin

11.01.2018 | Veranstaltungen

Wie sieht die Bioökonomie der Zukunft aus?

10.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit mikroskopischen Luftblasen dämmen

15.01.2018 | Architektur Bauwesen

Feldarbeiten der größten Bodeninventur Deutschlands sind abgeschlossen

15.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Perowskit-Solarzellen: Es muss gar nicht perfekt sein

15.01.2018 | Materialwissenschaften