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Intelligente Minensuche

27.02.2004


In den vergangenen 20 Jahren wurden über eine Million Menschen Opfer von Landminen. Noch Jahre nach Beendigung eines Krieges lauern die heimlichen Killer im Boden auf das nächste Opfer. Alle 30 Minuten explodiert irgendwo in den Krisengebieten dieser Welt eine Landmine. 100 Millionen Minen sind weltweit verlegt, jedes dritte Land auf der Welt ist vermint. Das Aufspüren von Landminen ist eine arbeitsintensive, langwierige, kostspielige und gefährliche Operation, für die bislang moderne Technologien kaum zur Verfügung stehen. Selbst die Räumung von 1100 Minen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze kostete 250 Millionen Mark und dauerte fünf Jahre lang – selbst bei Verwendung modernster Räumtechnik und exakter Lageskizzen.


Forscher aus dem Saarland sollen intelligente Minensuchgeräte entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert diese Forschungsprojekte zur Verbesserung der Minensuche. Das mit einem Volumen von ca. 500.000 Euro größte Projekt geht dabei an den Mathematik-Professor der Universität des Saarlandes, Prof. Dr. Alfred K. Louis. Ein weiteres großes Projekt entwickelt das Saarbrücker Fraunhofer-Institut für zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) unter der Projektleitung von Dr. Gerd Dobmann.

Universität und IZFP wollen dabei zusammen Algorithmen entwickeln, um Minen von anderen Objekten besser unterscheiden zu können. Herkömmliche Such- und Ortungsgeräte (in der Regel Metalldetektoren) reagieren aufgrund magnetischer Induktion auf Metall und senden Tonsignale aus, die aber, bedingt beispielsweise durch unterschiedliche Bodenbeschaffenheit, nicht immer gleich sind und somit oft auch falsch interpretiert werden. Ziel ist es nun, die Detektoren mit einem Rechner aufzurüsten, der die Signale differenziert auswertet. Damit soll zunächst eine verlässlichere Entscheidung über das Vorhandensein einer Mine und deren Lage ermöglicht werden. Dabei ist auch an bildgebende Verfahren gedacht, wie sie etwa in der Medizin bei der Computertomographie eine Rolle spielen.


Daneben werden auch Verfahren der lernenden Systeme eingesetzt, welche eine Entscheidung, basierend auf den Messsignalen selbst oder auf den berechneten Rekonstruktionen, automatisieren. Hierbei handelt es sich um bisherige Forschungsschwerpunkte von Professor Louis, deren grundlegende Methoden nun auf das neue Gebiet angewandt und dabei neu ausgerichtet werden können. Die Forschungsarbeiten sind auf drei Jahre angelegt. Danach soll es möglich sein, die neuen „intelligenten" Minensuchgeräte zu fertigen.

Das Fraunhofer-Institut für zerstörungsfreie Prüfverfahren hat bei diesem Projekt die Aufgabe, für sämtliche Teams der Forschergruppe standardisierte Messdaten zu liefern. Sie werden durch automatisierte Datenaufnahme an künstlich aufgebauten Minenfeldern gewonnen.

Kontakt:

Prof. Dr. Alfred K. Louis
Universität des Saarlandes,
Fachrichtung Mathematik
66041 Saarbrücken
Postfach 15 11 50
Tel.: (0681) 302 30 18
Fax: (0681) 302 44 35
E-Mail: louis@num.uni-sb.de

Prof. Dr. Alfred K. Louis | Staatskanzlei des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.num.uni-sb.de/iam

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