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Bakterien durch Hitze unschädlich gemacht

11.06.2003


Nach dem jüngsten Ausbruch des schweren akuten respiratorischen Syndroms (SARS) hat die Frage, wie sich die Ausbreitung infektiöser Krankheiten stoppen lässt, eine neue Bedeutung bekommen. Jetzt wurde ein neues Verfahren zum Dekontaminieren von Wasserleitungen entwickelt, das den bisherigen Verfahren in puncto Sicherheit und Wirksamkeit überlegen ist.



Viele Infektionskrankheiten können über Wasser verbreitet werden. Diese Krankheiten werden durch unterschiedliche Bakterien, Viren oder Protozoen (einzellige Organismen) ausgelöst. Zu den häufiger auftretenden Infektionskrankheiten, die über Wasser übertragen werden, gehören Salmonellose, Hepatitis, Lambliasis (Dünndarminfektion mit dem Einzeller Lamblia intestinalis) und die Legionärskrankheit, um nur einige zu nennen. Einige Krankheiten wie die Legionärskrankheit können tödlich sein, vor allem dann, wenn Hochrisikogruppen wie z.B. ältere Menschen oder Kleinkinder von ihr betroffen sind.



Eine Ausbreitung solcher Krankheiten kann nur durch eine sorgfältige Konstruktion und Instandhaltung der zur Wasserversorgung verwendeten Rohrnetze wirksam verhindert werden. Unsachgemäße Praktiken bei der Wasserversorgung führen zum Entstehen von Biofilmen im Inneren der Rohre. Dabei handelt es sich um Ablagerungen von organischen und anorganischen Substanzen, die einen idealen Nährboden für Bakterien und andere Organismen bilden. Zum Entfernen von Biofilmen werden üblicherweise Desinfektionsmittel verwendet, die oftmals Chlor enthalten, doch diese Mittel wirken nicht gegen alle Organismen, über die sich Krankheitserreger verbreiten.

Ein französisches Unternehmen hat jetzt vielleicht eine praxistaugliche Lösung für dieses Problem gefunden. Es entwickelte einen neuen Prozess zur Dekontamination von Wasserleitungen, bei dem anstelle von Desinfektionsmitteln hohe Temperaturen angewandt werden. Diese Idee ist natürlich nicht neu. Neu ist aber, dass mit diesem Verfahren die bisherigen Probleme in puncto Wirksamkeit, Energieverbrauch, Installation und Nachrüstung gelöst werden.

Dazu wird über einen variablen magnetischen Fluss ein elektrischer Strom in die Rohrleitung induziert. Von diesem wird das Wasser im Leitungsinneren infolge des Joule-Effekts - also der Entstehung von Wärme in einem stromdurchflossenen ohmschen Widerstand - sehr schnell aufgeheizt. Die Temperatur kann über längere Zeit aufrecht erhalten werden, bis der Biofilm vollständig zerstört ist. In Tests mit einem Prototypen zeigte sich, dass eine Temperatur von 90 Grad Celsius für eine Stunde ausreichte, um die Legionärskrankheit-Bakterien abzutöten.

Dabei ist das neue Verfahren natürlich weitaus umweltfreundlicher als herkömmliche chlorhaltige Desinfektionsmittel. Die Steuerung der Anlage ist automatisierbar und kann von einem zentralen Punkt aus erfolgen. Wegen des niedrigen Energieverbrauchs beschränken sich außerdem die Betriebskosten auf ein Minimum. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die Möglichkeit zur Nachrüstung vorhandener Wasserrohrnetze.

Das französische Unternehmen ist auf der Suche nach Partnern für die Durchführung von Tests an seiner Apparatur unter realen Bedingungen. Dieses Ergebnis kann dazu beitragen, Wasserversorgungssysteme in aller Welt gegen Verunreinigungen durch eine Vielzahl von Erregern von potenziell gefährlichen Infektionskrankheiten zu schützen.

Kontakt:

Agence Nationale de Valorisation de la Recherche - Poitou-Charentes
Maison de l’industrie
3, rue de la Goélette, 86280 Saint-Benoit, France
Oliver Delmas
Tel: +33-5-49383750
Fax: +33-5-49452405
Email: odelmas@anvar.fr

| ctm
Weitere Informationen:
http://www.anvar.fr/del/html/f_del20.htm

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