Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefährliche Spielgeräte mit Pokerface

28.04.2003


Forschungszentrum Karlsruhe untersucht Holzspielgeräte mittels Bohrwiderstandsmessung auf ihre Sicherheit


Schaukelquerholz mit RESI-Messschrieb.


Die Messung des Bohrwiderstandes ergänzt die visuelle Kontrolle von Holzspielgeräten.



Veranlasst durch mehrere teils tödliche Unfälle auf Kinderspielplätzen, haben Wissenschaftler des Forschungszentrums Karlsruhe Spielgeräte aus Holz untersucht. Die Ergebnisse erster Feldversuche sind alarmierend: Selbst relativ neue Spielgeräte waren zum Teil im Inneren morsch. Ältere Holzspielgeräte waren fast immer an irgend einer Stelle von Pilzen angegriffen und mehr oder weniger zerstört. Die Defekte waren von außen meist nicht sichtbar und konnten nur durch Bohrwiderstandsmessungen entdeckt werden.



Während Bäume innere Defekte durch Ausbildung von Reparatur-Anbauten ausgleichen können und damit Warnsignale in ihrer Körpersprache ausbilden, zeigt der faulende Holzpfosten ein "Pokerface": Die Selbstheilungskräfte des Baumes sind nach dessen Tod erloschen. Lediglich Pilzfruchtkörper können jetzt noch als Hinweis auf innere Defekte dienen. Deshalb muss der Einsatz von Bohrtechniken die visuelle Kontrolle ergänzen. Dieser methodische Ansatz wurde nun in Feldstudien überprüft.

"Das Ergebnis unserer Feldstudien ist, dass man den Holzspielgeräten von außen oft nicht ansieht, ob sie im Inneren morsch sind oder nicht", erläutert Dr. Karlheinz Weber von der Abteilung Biomechanik im Institut für Materialforschung II des Forschungszentrums Karlsruhe. "Selbst neu aussehende Spielgeräte mit Standzeiten von 4 bis 7 Jahren wiesen zum Teil ausgedehnte Morschungen im Innern auf, besonders im Bodenniveaubereich und an Perforationen. Ältere Holzspielgeräte waren fast immer an irgendeiner Stelle von Pilzen angegriffen oder zerstört."

Zum Einsatz kam das Bohrwiderstandsmessgerät IML-RESI (M 300), das Wissenschaftler des Forschungszentrums Karlsruhe schon vor einigen Jahren für die Baumdiagnose erprobt haben und das inzwischen - vertrieben von einem Industriepartner des Forschungszentrums Karlsruhe, der Instrumenta Mechanik Labor GmbH (IML), Wiesloch - zu den Standardmessgeräten für die Kontrolle von Bäumen gehört. Das Gerät - eine Art robust arbeitende, mechanische Bohrmaschine - misst den Bohrwiderstand einer 1,5 mm dicken Bohrnadel, deren Spitze sich auf 3 mm verbreitert. Die Messwerte werden auf einem regenfesten Wachspapierstreifen aufgezeichnet. Holzfäulen mit Ligninabbau (Holzerweichung) oder Zelluloseabbau (Holzversprödung) lassen sich damit anhand von Veränderungen des Bohrwiderstands diagnostizieren.

Holzspielgeräte werden normalerweise aus Nadelhölzern gefertigt. Einige solcher Geräte wiesen im Test eine von außen nicht erkennbare Innenfäule auf (auch Klangproben waren einwandfrei), welche durch die Bohrwiderstandsmessungen nachgewiesen und dokumentiert werden konnte. Die Innenfäule wurde meist durch Zaunblättling und Tannenblättling hervorgerufen, selbst bei mit Holzschutzmitteln behandelten Hölzern. Beide Pilzarten sind dafür bekannt, dass sie bei Nadelhölzern eine innere, bereits nach kurzer Befallsdauer holzversprödende Braunfäule verursachen, die von außen lange unsichtbar bleibt. Meist erst bei fortgeschrittener Fäule, das heißt in der Regel weit nach Überschreiten der kritischen Stabilitätsminderung des Holzes, können an der Holzoberfläche Pilzfruchtkörper beobachtet werden.

Fazit der Untersuchungen: Der Einsatz von Bohrtechniken macht das Risiko von Holzspielgeräten handhabbar. Stahlspielgeräte faulen zwar nicht, können aber rosten und insbesondere an Kerben oder Schweißnähten kleine Ermüdungsrisse ausbilden, deren Nachweis ebenfalls problematisch ist und die auch irgendwann zum Versagen führen können.


Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

v | idw

Weitere Berichte zu: Bohrwiderstandsmessung Holzspielgerät Innenfäule

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Dresdner Forscher drucken die Welt von Morgen
08.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Neues Verfahren bringt komplex geformte Verbundwerkstoffe in die Serie
23.01.2017 | Evonik Industries AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie