Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Verfahren ermöglicht kleinere und preiswertere Tabletten

11.07.2002


Gut 20 Milliarden Euro haben allein die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr für Medikamente ausgegeben - einen großen Teil davon für Tabletten, denn die sind nicht nur einfach zu dosieren, sondern auch leichter zu verabreichen als beispielsweise Injektionen. Doch so manche Pille verursacht dem Patienten zunächst einmal Schluckbeschwerden, bevor sie seine Leiden lindert. Ein an der Universität Bonn entwickeltes Verfahren erlaubt, von vielen Arzneien wesentlich kleinere Tabletten herzustellen, als bislang möglich war - und das bei deutlich geringeren Kosten und höherer Qualität.



Bislang werden die Ausgangsstoffe einer Tablette in einem Kessel gründlich vermengt und schließlich zu einem Granulat getrocknet, aus dem dann eine Hochgeschwindigkeits-Presse die runde, ovale oder rechteckige Pille formt. Damit diese nicht schon bei der Verpackung zerbröselt, sich in Wasser oder Magensäure dagegen leicht löst, muss das Granulat eine genau definierte Porosität haben. Und die lässt sich mit herkömmlichen Verfahren nur schwer beeinflussen.

... mehr zu:
»Granulat »Rohmasse »Stickstoff »Tablette


Mit der neuartigen Maschine, die an der Universität Bonn im Institut für Pharmazeutische Technologie in Kooperation mit einer Firma im Münsterland hergestellt wurde, geht das einfacher. "Das Gerät verknetet die Festbestandteile unter Zugabe von Flüssigkeit zu einer feuchten Rohmasse", erklärt der Bonner Pharmazeut Professor Dr. Klaus-Jürgen Steffens. "Dazu geben wir dann Stickstoff mit einem Druck von bis zu fünf bar, der sich in Form von kleinen Bläschen in der Rohmasse verteilt." Dieser feuchte "Pillenteig" wird von der Maschine in einen Mikrowellen-Trockner geschoben, in dem nahezu Vakuum herrscht. "Dabei dehnen sich die Stickstoffbläschen schlagartig aus - ähnlich, wie wenn man eine Mineralwasserflasche öffnet, bei der dann ja auch das Kohlendioxid ausperlt." Das getrocknete poröse Granulat kann von herkömmlichen Tablettenpressen weiter verarbeitet werden.

Das elegante an dieser Methode: Mit dem Druck des zugegebenen Stickstoffs lässt sich auf einfache Weise auch die Porosität variieren. "Außerdem kann das Gerät schlecht benetzbare Rohstoffe, wie sie in vielen modernen Medikamenten eingesetzt werden, in sehr hohen Konzentrationen verarbeiten." Mit positiven Folgen für Patienten und Hersteller: Die kleineren Tabletten lassen sich leichter einnehmen und verursachen weniger Lager- und Transportkosten. Zudem ist die Qualität meist besser als bei herkömmlichen Methoden, weil die für ausreichend feste Tabletten nötigen Bindemittel erheblich besser mit den Ausgangsmaterialien vermischt werden und man daher mit weniger "Klebstoff" auskommt. Dadurch können sich die Wirkstoffe schneller auflösen - dem Patienten wird schneller geholfen.

Ein weiterer Vorteil: Bislang war es nur möglich, die Ausgangsstoffe in einzelnen Chargen zu verarbeiten - der Granulierkessel wurde gefüllt, und dann hieß es zunächst einmal warten. "Bei dem neuen System geben wir die Ausgangsstoffe kontinuierlich zu", erklärt Professor Steffens. Der Prototyp erzeugt so Stunde für Stunde 20 Kilogramm Granulat. "Das Gerät lässt sich aber problemlos so skalieren, dass es auch Mengen von drei Tonnen pro Stunde produziert."

Auf der diesjährigen Technologie-Messe Interpack stieß das System bereits auf enormes Interesse. Und das nicht nur bei Pharmaherstellern - auch die Lebensmittelindustrie zeigte sich von der Neuentwicklung angetan. Professor Steffens: "Mit unserer Maschine lässt sich Vieles granulieren - von Teextrakten bis hin zu Süßwaren aller Art."


Für weitere Informationen steht Professor Dr. Klaus-Jürgen Steffens zur Verfügung. Kontakt über: Frank Luerweg, Presse und Information, Tel.: 0228/73-4728, Fax: 0228/73-7451, E-Mail: fluerweg@uni-bonn.de






Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Granulat Rohmasse Stickstoff Tablette

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Ausweg aus dem Chrom-Verbot
30.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Schnell, präzise, aber nicht kalt
17.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften