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Futtermittel statt Abwasserproblem - Erfolgreiches Transferprojekt der FH Mannheim

05.06.2002


Eine Schokoladenfabrik in Mexiko sollte eine Abwasseraufbereitungsanlage bauen. Statt dessen werden nun die Rückstände zu Tierfutter verarbeitet.

"Öko-Effizienz" nennt sich ein internationales Projekt der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Eschborn, an dem Prof. Dr. Peter M. Kunz, Leiter des Instituts für Biologische Verfahrenstechnik an der FH Mannheim mitarbeitet. Es geht hierbei um möglichst sparsamen Einsatz von Rohstoffen, Wasser und Energie bei weittestgehender Schonung der Umwelt. Prof. Kunz ist als Experte auf diesem Gebiet in einigen Ländern Lateinamerikas maßgeblich engagiert.

Ein solches Teilprojekt ist jetzt gerade zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. Die Abwasser-Aufbereitung hat in diesen Ländern nicht den Stellenwert wie bei uns. Im Hinblick darauf war es durchaus nicht alltäglich, dass eine Schokoladenfabrik in Mexiko-Stadt von den Behörden die Auflage erhielt, eine Abwasseraufbereitungsanlage zu installieren. Nun ist zur eigentlichen Herstellung von Schokolade gar kein Wasser erforderlich, das beanstandete Abwasser entsteht vielmehr bei der regelmäßig erforderlichen Reinigung der Gussformen für die verschiedenen Schokoladenartikel und Teilen der Produktionsmaschinen.

Im Rahmen des Projekts hatte die Firma bereits aufgrund von Änderungsvorschlägen des Professors umgerechnet etwa 100.000 EUR pro Jahr an Wasser, Dampf, Druckluft und Strom einsparen können; als letzte Maßnahme stand nun noch die Lösung des Abwasserproblems an. Prof. Kunz: "Die Idee lag ganz nahe: Es war doch ein Jammer, die nahrhaften Kohlenhydrate einfach durch die Kanalisation zu spülen - von den Problemen im Kanalnetz und der Umweltbelastung ganz zu schweigen".

Die Firma richtete eine zentrale Spülküche ein, in der jetzt alle Teile einmal mit leicht salzsäurehaltigem Wasser, dann mit leicht natronlaugehaltigem Wasser gereinigt werden. Beide schokoladehaltigen Spülwässer werden anschließend gemischt, wobei aus den restlichen Säure- und Lauge-Anteilen im Sammelbecken Kochsalz entsteht.

Die Mixtur wird dann auf das Dach der Spülküche gepumpt und dort mit der Abwärme aus den Schmelzkesseln und Sonnenenergie eingedickt, bis sie die Konsistenz von Mousse-au-Chocolat hat und auch so aussieht. Dieser Masse werden noch weitere Rückstände aus der Kakaobohne beigemischt; sie eignet sich dann hervorragend als Zusatz zu Tierfuttermitteln. Der Salzgehalt von etwa 1% ist dabei sogar ein Vorzug, da Tieren ohnehin über das Futter und über sogenannte "Lecksteine" Salz zugeführt werden muss.

Statt eines durch eine kostenintensive Aufbereitung beseitigten Abwasserproblems besitzt die Firma nun eine sogar noch Gewinn abwerfende Tierfutter-Produktionsanlage - andere Schokoladenfabriken sind bereits dabei, diese elegante Lösung zu übernehmen.

Prof. Joerg M. Fliege | idw

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