Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Baustoff mit Zukunft - Starkes Stammholz ist besser als sein Ruf

04.03.2009
Geht der Winter zu Ende, liegt eine arbeitsintensive Zeit hinter den Waldbauern: die Holzernte.

Viele Waldbesitzer fragen sich, wie sie das gefällte Starkholz vermarkten sollen. Denn diese über 40 Zentimeter dicken Baumstämme haben ein Absatzproblem. Die neuen Sägewerke und die Holzindustrie bevorzugen dünnere Stämme, da diese sich leichter verarbeiten lassen.

Zu Unrecht, konnten Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) zeigen: Ein neues Verarbeitungsverfahren hilft dem Image der „starken Stämme“ auf die Sprünge.

Der moderne Holzbau verlangt zunehmend nach standardisierten Holzbauprodukten für optisch ansprechende Fassaden und weit gespannte Tragwerke. Viele Privatwaldbesitzer in Bayern, die einen hohen Starkholzanteil in ihren Wäldern haben, nutzen diese Marktchance bisher kaum. Denn die Holzindustrie bevorzugt dünnere Stämme – wagenradgroße Holzdurchmesser werden kaum gekauft. Unterstützung bekommen die Waldbesitzer jetzt von Wissenschaftlern der TU München: Prof. Gerd Wegener, Prof. Peter Glos und Forstassessor Michael Tratzmiller zeigen auf, wie das bisher unterschätzte starke Stammholz den anspruchsvollen Holzmarkt erobern kann.

Die Forscher wissen: Holz ist nicht gleich Holz - und das bezieht sich nicht nur auf die Holzarten wie Fichte, Tanne und Lärche. Ein Stamm weist am Stammfuß generell andere Eigenschaften auf als zum Wipfel hin, auch um das Mark ist Holz anders beschaffen als in den Randbereichen. Ein Stück Holz aus dem äußeren Stammbereich von Starkholz hat gegenüber einem Stück aus Marknähe oder aus einem dünneren Stamm drei Vorteile: Erstens ist es fester, da es eine höhere Rohdichte besitzt und geringere Astanteile hat. Daneben treten Risse seltener auf, auch die Verdrehungsneigung ist geringer. Und drittens „verziehen“ sich die Querschnitte von Starkholz weniger beim Trocknen.

Um diese Potenziale des Starkholzes optimal zu nutzen, müssen die Stämme jedoch richtig gesägt und anschließend je nach Verwendungszweck sortiert werden. Bezüglich der richtigen Einschnitttechnik am Starkholzstamm empfehlen die TUM-Holzforscher: Um viele Bretter mit hoher Festigkeit zu gewinnen, sollte man beim Sägen die Lage der Jahresringe berücksichtigen. Ideal ist demnach der so genannte Riftschnitt: Hier wird "mit stehenden Jahresringen" geschnitten. Dabei entstehen besonders feste Bretter, weil die Zuwachszonen des Holzes rechtwinklig zur Brettbreite liegen und die Faserabweichungen durch die Astanteile geringer sind.

Anschließend können die - je nach Dimension als Balken, Bretter oder Kanteln bezeichneten - Bauhölzer nicht nur einer visuellen, sondern auch einer maschinellen Sortierung unterzogen werden. Die TUM-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass neue Sortiermaschinen, die Rohdichte und Steifigkeit der Hölzer sowie deren Astanteile bestimmen, eine sinnvolle Alternative zum Auge des Fachmanns sind. Nach der Einteilung in verschiedene Festigkeitsklassen können die Hölzer entsprechend weiterverarbeitet werden: Die beim Riftschnitt entstandenen Bretter („Rifts“) eignen sich sehr gut zur Herstellung von leichten Trägern und Platten mit hoher Tragfähigkeit.

Das Verfahren entwickelte der Lehrstuhl zusammen mit Praxispartnern. Die TUM-Wissenschaftler präsentieren ihre Innovationen in Workshops und auf Messen bei Bauplanern und Unternehmensvertretern. Das Feedback gibt den Holzforschern recht: Starkholz ist ein Baustoff mit Zukunft.

Kontakt:
Technische Universität München
Lehrstuhl für Holzkunde und Holztechnik
Prof. Dr. Gerd Wegener
80797 München
Tel. 089 / 2180 - 6420
E-Mail: wegener@wzw.tum.de

Prof. Dr. Gerd Wegener | Technische Universität München
Weitere Informationen:
http://www.holz.wzw.tum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Uhrenbestandteile aus Diamant
18.06.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

nachricht Sauberes Biogas: TU Wien präsentiert Entschwefelungstechnik
11.06.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Nierentumor: Genetischer Auslöser entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Schnell, günstig, tragbar: Testgerät PIDcheck prüft Solarmodule im Feld auf PID

18.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics