Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Altpapier ersetzt Holz, Plastik und Styropor

06.07.2009
Biotechnik verwertet Recycling-Abfälle zu neuen Materialien

Vielseitige Anwendungen und ökologische Vorteile verspricht eine Methode der Verarbeitung von Altpapier, die Chemiker der Universidad Politécnica de Cataluña (UPC) soeben patentiert haben.

Es gelang ihnen, nicht verwertbare Rückstände des Recycling-Prozesses derart zu modifizieren, dass Materialien mit neuen, vorteilhaften Eigenschaften entstehen, ohne dabei die chemischen und strukturellen Merkmale der Zellulose einzubüßen.

Die Anwendungsmöglichkeiten der daraus resultierenden, umweltfreundlichen Materialien scheinen unbegrenzt, denn Holz, Gipsplatten, Gummi oder auch öl-basierte Stoffe wie Styropor oder Plastik könnten für bestimmte Anwendungen ersetzt werden. Um marktfähig zu werden, müssen allerdings noch die Kosten der Produktion gesenkt werden.

An dem Prozess arbeiten die spanischen Forscher schon seit Jahren. "Am Anfang stand die Anfrage einer Grafikfirma, die nach einer umweltverträglichen Lösung für Papierrückstände suchte. Die weitere Erforschung der Möglichkeiten dieser Abfallprodukte schien besonders aus ökologischen Gründen interessant", schildert Forschungsleiterin Margarita Calafell im pressetext-Interview.

Gewisse Rückstände des Altpapiers wie die Tinte können beim Recycling nicht mehr dem Faserbrei zugeführt werden und belasten auf Mülldeponien die Umwelt. Das neue Verfahren macht diese Abfälle zu Bestandteilen eines neuen Produkts und verleiht ihnen dabei einheitliche, formbare Eigenschaften.

Dafür nötig seien Wasser in Verbindung mit natürlichen, komplett abbaubaren Substanzen ohne künstliche oder synthetische Zusätze. "Die Naturfasern des Papiers werden dabei umgewandelt zu Stoffen mit neuen Eigenschaften, die jedoch weiterhin auf Zellulose basieren", so Calafell. Abfälle gebe es dabei keine, denn ein Kilo Altpapier könne zu einem Kilo Endmaterial umgewandelt werden.

Doch auch die Materialeigenschaften lassen sich sehen: "Das neue Endmaterial ist formbar, feuerresistent, wasserabweisend und porös, es ist trotz geringer Dichte widerstandsfähig und isoliert gut. In vielen Anwendungen könnte es Materialien ersetzen, die umweltbelastend oder teurer sind", erklärt die chemische Ingenieurin. Die für den Prozess nötige Technik sei bereits vorhanden. "Es können dieselben Maschinen eingesetzt werden, die gewöhnlich Karton erzeugen."

Das einzige verbleibende Problem der Methode ist laut Calafell ihr Preis. Ein von der Region Katalonien unterstütztes Projekt erforscht derzeit, wie die Kosten weiter gesenkt werden können. "Das Material muss wettbewerbsfähig werden gegenüber den Materialien, die es ersetzen soll, wie etwa Holzpaletten, Styropor- und Schaumstoffverpackungen, Plastik und Parkettböden." Auch Industriepartner für die Produktion im großen Stil müssen noch gefunden werden. "Bisher wurden nur Prototypen der verschiedenen Anwendungsformen erstellt", so die spanische Forscherin.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.upc.es

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Dresdner Forscher drucken die Welt von Morgen
08.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Neues Verfahren bringt komplex geformte Verbundwerkstoffe in die Serie
23.01.2017 | Evonik Industries AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie