Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aus alt mach neu

13.08.2009
Bislang war Kunststoff-Recycling teuer und im Ergebnis oft unbefriedigend. Ein Fraunhofer-Verfahren kann Kunststoffe sauber trennen und aufbereiten. Mitarbeiter der POLYCYCLE, einem kurz vor der Gründung stehenden Spin-Off der Fraunhofer-Gesellschaft, planen jetzt die erste industrielle Anlage zur sortenreinen Wiederverwertung.

Beim Kunststoff-Recycling ist die Situation paradox: Wertvolle Materialien in Alt-Kunststoffen werden oft nicht wiederverwertet, sondern deponiert oder verbrannt. Nur ein Bruchteil der deutschen Alt-Kunststoffe landet in einem Recyclingkreislauf.

Dabei entsteht Material, das nur für minderwertige Produkte verwendet werden kann – der Fachmann spricht vom Downcycling. Bei gehobenen Reinheitsansprüchen muss deshalb Neuware aus Erdöl produziert werden. So ist sowohl unter Kosten- als auch Umweltschutzaspekten »echtes« Recycling wünschenswert. Den Durchbruch schafften jetzt Forscher am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising mit dem patentierten Creasolv®-Verfahren.

Dabei werden Gemische von Kunststoffabfällen, wie sie beispielsweise in Wertstoffhöfen anfallen, in Lösung gebracht. Die Abfälle werden auf molekularer Ebene aufgetrennt und gereinigt. So lassen sich unerwünschte Additive, wie etwa veraltete bromhaltige Flammschutzmittel, zuverlässig entfernen. Die gereinigten und fraktionierten Moleküle werden durch Ausfällen und Granulieren in den letzten Schritt einer klassischen Kunststoffsynthese gebracht. Im Ergebnis löst das Verfahren zwei zentrale Probleme: Sortenvielfalt und Schadstoffbelastung stehen einer Verwertung jetzt nicht länger entgegen.

Das Produkt erreicht die Spezifikationen der Neuware, und die Industrie kann es problemlos einsetzen und weiterverarbeiten. Die Machbarkeit konnte das IVV bereits in einer kleinen Pilotanlage demonstrieren. Das Fraunhofer Venture-Team ist von der Wirtschaftlichkeit und der Innovationsleistung des Verfahrens überzeugt und hat entschieden, es im industriellen Maßstab über das Spin-Off POLYCYCLE an den Markt zu bringen. Die Mitarbeiter der Ausgründung werden den Bau der Anlage koordinieren und sie anschließend selbstständig betreiben; in Forschungsfragen wird das Unternehmen weiter eng mit dem IVV zusammenarbeiten. Seitens Fraunhofer Venture sind kurzfristig intensive Gespräche mit potenziellen Geldgebern geplant, mit dem Ziel, das für die Investitionen benötigte Kapital in Höhe von mehreren Millionen Euro bereitzustellen.

Für die Anlage ist zunächst ein monatlicher Ausstoß von mehreren hundert Tonnen sortenreiner Kunststoffe geplant. POLYCYCLE dringt damit in einen großen Markt vor: Allein in Deutschland werden im Jahr 18 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert. Nur Bruchteile davon können derzeit mit herkömmlichen Recyclingmethoden sortenrein aufbereitet werden. Steigende Rohstoffpreise und schärfere Richtlinien der Europäischen Union zu Recyclingquoten zeigen, dass POLYCYCLE realistische Aussichten auf große Wachstumsraten hat. Die mit dem Creasolv®-Verfahren gewonnenen Materialien sind gegenüber Neuware deutlich kostengünstiger. Darüber hinaus leisten die Unternehmer einen wichtigen Beitrag zu einer sauberen Umwelt und zur Schonung der Ressourcen.

Das Creasolv®-Verfahren basiert auf einem sehr wirksamen Prinzip: Gemische von Kunststoffabfällen, wie sie beispielsweise in Wertstoffhöfen anfallen, werden in Lösung gebracht. Die Abfälle lassen sich so auf molekularer Ebene trennen und reinigen und unerwünschte Additive wie veraltete bromhaltige Flammschutzmittel zuverlässig entfernen. Die gereinigten und fraktionierten Moleküle werden durch Ausfällen und Granulieren in den letzten Schritt einer klassischen Kunststoffsynthese gebracht.

Über Fraunhofer Venture: Fraunhofer Venture ist Partner von Gründern, Startups, Fraunhofer- Instituten, Industrie und Kapitalgebern. Sie bietet jungen Unternehmen durch den Zugang zu Fraunhofer-Technologien, -Infrastruktur und -Know-how mit über 4.500 Patentfamilien die Möglichkeit, sich mit ihren Produkten auf dem Markt schneller und besser zu etablieren. Das Leistungsspektrum von Fraunhofer Venture umfasst die komplette Betreuung und Beratung von der Idee bis zur Unternehmensgründung. Das Spektrum umfasst die Bereiche Gründung, Technologie, Finanzierung und Beteiligungsmanagement. Das Team sieht sich als Ansprechpartner für alle, die innovative Technologien suchen, unterstützen und vermarkten. Das Venture Team setzt sich aus Experten der Betriebswirtschaft und Vertragsgestaltung zusammen. Dadurch wird die vorhandene technologische Kompetenz der Wissenschaftler ideal ergänzt.

Manfred Stöger | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.zv.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/presse
http://www.venture.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Dresdner Forscher drucken die Welt von Morgen
08.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Neues Verfahren bringt komplex geformte Verbundwerkstoffe in die Serie
23.01.2017 | Evonik Industries AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung