Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zugang zu Finanzierungsquellen im Agrarsektor in Osteuropa und Zentralasien

24.01.2013
Regionalpodium zum Global Forum for Food and Agriculture 2013

Russland, die Ukraine und Kasachstan gehören zu den größten Weizenexporteuren der Welt. Ihre Agrarproduktion kann große Beiträge zur inländischen wirtschaftlichen Entwicklung und zur Sicherung der Welternährung leisten.

Um das Potential zur Ertragssteigerung in den RUK-Ländern auszuschöpfen, ist der Zugang zu Finanzierungsquellen im Agrarsektor eine grundlegende Voraussetzung. Im Rahmen eines agrarpolitischen Fachpodiums zum Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) am 18. Januar 2013 diskutierten hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über die Möglichkeiten der Finanzierung unterschiedlicher Betriebsstrukturen in den osteuropäischen und zentralasiatischen Ländern.

Die Veranstaltung mit dem Titel „Von Mikrokredit zu shareholder value: Zugang zu Finanzierungsquellen im Agrarsektor in Osteuropa und Zentralasien“ wurde vom IAMO gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft organisiert.

Das Fachpodium wurde vom Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, Dr. Thomas Kirchberg, eröffnet. In seiner Begrüßungsansprache betonte Kirchberg die Bedeutsamkeit von Agrarinvestitionen, die den Schlüssel zur Sicherung der Agrarproduktion und Entwicklung im ländlichen Raum darstellen. Im anschließenden Grußwort wies Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, darauf hin, dass durch den angestrebten Zusammenschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wichtige Voraussetzungen für Agrarinvestitionen und somit für die steigende Agrarentwicklung geschaffen werden können.

Der Moderator Dr. Martin Petrick, stellvertretender Abteilungsleiter Agrarpolitik am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), führte mit einem Ländervergleich zu den vorherrschenden Betriebsformen im Agrarsektor in die Thematik ein. Anhand der Analysen des IAMO verdeutlichte der Wissenschaftler, dass in den osteuropäischen und zentralasiatischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion eine nach wie vor heterogene Agrarstruktur besteht. In Russland und der Ukraine sind bäuerliche Einzelbetriebe noch immer unterrepräsentiert, während sie in Kasachstan und den anderen zentralasiatischen Ländern mittler-weile einen erheblichen Beitrag zur Agrarproduktion beisteuern. Haus-wirtschaften machen in vielen Ländern der Region den größten Anteil an der Agrarproduktion aus. So lag in der Ukraine im Jahr 2009 der Produktionswert von Agrarrohstoffen durch Hauswirt-schaften noch bei mehr als 50 Prozent. Ihre Flächenproduktivität ist erheblich, wobei sie ihre Vorleistungen allerdings oftmals aus den benachbarten Agrarunternehmen beziehen.

Während der Podiumsdiskussion betonten die anwesenden Agrarvizeminister die strategische Bedeutung des Agrarsektors in Russland, der Ukraine und Kasachstan. Vor allem der Vizeminister für Landwirtschaft der Russischen Föderation, Aleksandr Petrikov, und die Vizeministerin der Republik Kasachstan, Gulmira Issayeva, erläuterten, dass in ihren Ländern erhebliche Investitionsbeihilfen bereitgestellt werden. Des Weiteren streben Russland, die Ukraine und Kasachstan eine Verbesserung der Kreditinfrastruktur für Agrarerzeuger in ihren Ländern an. Neben dem Ausbau des staatlich kontrollierten Netzwerkes aus Kreditbanken betonte der ukrainische Vizeminister für Agrarpolitik, Oleksandr Sen, die zunehmende Bedeutung von Forward Contracts. Es wurde weiterhin dargelegt, dass staatliche Kreditgarantien in der Ukraine und Kasachstan zukünftig eine größere Rolle spielen sollen.

Als Wirtschaftsvertreter waren Dr. Heinz Strubenhoff, Agribusiness Program Manager von der International Finance Corporation (IFC) und Dirk Stratmann, der Ukraine-Sprecher der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, zum Fachpodium geladen. Im Rahmen der Diskussion wurde hinterfragt, wie die zentralstaatlich administrierte oder zumindest kontrollierte Vergabe von Agrarkrediten in den RUK-Ländern erfolgt. Dabei stellte sich heraus, dass transparente Evaluationen dieser Maßnahmen in der Regel nicht stattfinden. Strubenhoff erörterte, dass die Bankmitarbeiter vor Ort den Sektor Landwirtschaft oftmals nicht hinreichend kennen, um Kredite sachkundig vergeben zu können. Außerdem fehlt es an geeigneten IT-Lösungen, Benchmarking und Maßnahmen zur Senkung der Bürokratiekosten. Der Experte fügte hinzu, dass der agronomische Wissensstand und die Rechte der Banken hinsichtlich ihrer Handlungs- und Sicherheitsfähigkeit verändert werden müssten, um das Investitionsklima und somit die Bedingungen insbesondere für kleinere und mittlere Landwirtschaftsbetriebe zu verbessern. Stratmann räumte ebenfalls ein, dass Agrarproduzenten mit Flächen ab 5000 Hektar in den RUK-Ländern viele Entwicklungsmöglichkeiten hätten. Im Vergleich dazu fehlt es an technologischen Lösungen für kleinere Erzeuger. „Der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten ist wesentlich durch die Größe der Agrarunternehmen beeinflusst. Von einer grundsätzlichen Kreditklemme in der Landwirtschaft kann zwar keine Rede sein, jedoch ist der Kreditzugang für Kleinerzeuger weiterhin problematisch“, so Stratmann.

Auf dem Fachpodium wurden die Entwicklungsmöglichkeiten in der Agrarwirtschaft kontrovers diskutiert. Dabei war festzustellen, dass die Podiumsteilnehmer nur einem Bruchteil der Hauswirtschaften die Kommerzialisierung zutrauten. Die Modernisierung und Stabilisierung der Landwirtschaft ist ein zentrales Ziel, das jedoch alle bestehenden Betriebsformen umfassen sollte. Um auch kleineren Landwirtschaftsbetrieben den Zugang zu Finanzierungsquellen zu erleichtern, sind geeignete Entwicklungsstrategien erforderlich. Denn erst der Kapitaleinsatz in eine verbesserte technische Ausstattung und in die Ausbildung spezialisierter Fachkräfte ermöglicht eine Effizienzsteigerung und somit die Weiterentwicklung in der Agrarproduktion.

Weitere Informationen

www.iamo.de
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)

www.ost-ausschuss.de
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) ist eine international anerkannte Forschungseinrichtung. Mit etwa 70 Wissenschaftlern und in Kooperation mit anderen renommierten Instituten widmet es sich drängenden Fragen der Agrar- und Ernährungswirtschaft und der ländlichen Räume. Hauptuntersuchungsregionen sind Mittel- und Osteuropa sowie Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Für dessen Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

Über den Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ist als gemeinsames Organ der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft zentraler Ansprechpartner deutscher Unternehmen für die Märkte Russland, Belarus, Ukraine, Zentralasien, Süd-Kaukasus und Südosteuropa. Er begleitet wichtige wirtschaftspolitische Entwicklungen in den bilateralen Beziehungen mit diesen Ländern und fördert Handel, Investitionen und Dienstleistungstransfers deutscher Unternehmen auf den schwierigen Märkten der Region. Mit der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft bündelt der Ost-Ausschuss als einzige Regionalinitiative der deutschen Wirtschaft seit 2001 das internationale Engagement der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft und engagiert sich als Träger des Global Forum for Food and Agriculture Berlin e.V.
Ansprechpartner für die Medien

Daniela Schimming
Tel. +49 (0)345 2928-330
Fax +49 (0)345 2928-499
E-Mail presse@iamo.de

Andreas Metz
Tel. +49 (0)30 2028-1441
E-Mail: A.Metz@bdi.eu

Daniela Schimming | idw
Weitere Informationen:
http://www.iamo.de
http://www.ost-ausschuss.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften