Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von den Zeichen unserer Wirklichkeit

21.09.2011
Internationaler Kongress der Deutschen Gesellschaft für Semiotik vom 13. bis 15. Oktober 2011 an der Universität Potsdam.

Mit dem Thema „Repräsentation – Virtualität – Praxis“ beschäftigt sich die 13. Internationale Tagung der Deutschen Gesellschaft für Semiotik, die vom 13. bis 15. Oktober 2011 an der Universität Potsdam stattfindet.

Über einhundert Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen stellen neueste Untersuchungen über Zeichen, Formen der Zeichensetzung und ihre Bedeutung für unsere alltägliche Wirklichkeit vor. Das Spektrum reicht von der Architektur über die Macht der Werbung bis hin zur Jugendkultur. Die Forscher diskutieren dabei vor allem, wie sich die Repräsentation von Wirklichkeit durch Zeichen verändert, wenn diese zunehmend virtuell werden.

Im Rahmen der Tagung, die sich mit ihrer Orientierung auf die Zeichen des Alltags gezielt an die Öffentlichkeit wendet, wird die von Studierenden erarbeitete Ausstellung „Stadt und Zeichen“ gezeigt, in der Sticker, Graffiti, Flashmob, Guerilla Gardening und Guerilla Knitting eine Rolle spielen.

Wirklichkeit wird nie direkt erfahren, sondern einer Gesellschaft immer durch symbolische Kategorien zur Verfügung gestellt: Sprache, Schrift, Symbole. Wir sind umgeben von Zeichen – vom Verkehrsschild bis zum Graffiti, vom Liebesbrief bis zur Hochglanzwerbung, vom Gebet bis zum Musikvideo. All diese Zeichen sind materielle Artefakte unserer Kommunikation. Zugleich repräsentieren sie den Vorgang des Bedeutens von Welt durch Sprache und Symbole, zeigen also, dass wir uns mithilfe der Zeichen nicht nur eine Vorstellung von Wirklichkeit schaffen, sondern sie dabei auch gestalten und verändern.

Dass unser Alltag von unzähligen Zeichen erfüllt ist und bestimmt wird, dem trägt die Deutsche Gesellschaft für Semiotik (DGS) Rechnung: Auf ihrem 13. Kongress kommen in Potsdam über einhundert Wissenschaftler, die in ihren Forschungsgebieten semiotische Fragestellungen bearbeiten, zu einem interdisziplinären Forum zusammen. Unter dem Thema „Repräsentation – Virtualität – Praxis“ diskutieren sie, wie sich symbolische Zeichensysteme wandeln – gerade auch mit Blick auf die Möglichkeiten neuer Medientechnologien. Für Eva Kimminich, Professorin für Kulturen romanischer Länder an der Universität Potsdam und Präsidentin der DGS, verändern diese Systeme nachhaltig das „Zusammenspiel von Wirklichkeit und Imagination, von Vor- und Darstellung, aber auch die Praxis unserer Weltgestaltung“.

In zehn interdisziplinären Sektionen stellen die Forscher auf dem Kongress ihre Arbeitsergebnisse vor. Sie zeigen unter anderem, wie Imagination zum virtuellen Erleben wird, wie im kulinarischen Diskurs die Küche zum Ort der Selbsterfahrung avanciert oder wie das Verhältnis von Virtualität und Praxis im Computerspiel die Grenzen zur Realität verwischt. Aber auch die Zeichen-Revolutionen literarischer Avantgarden, das „Als-Ob“ einer bildlichen Repräsentation als virtuelle Praxis und die Bedeutung des Virtuellen für städtische Architektur, Design, Film und natürlich die semiotische Theorie werden in einzelnen Sektionen behandelt.

Ein zentrales Anliegen des Kongresses ist es, „die Semiotik auch einem Laienpublikum zugänglich“ zu machen, betont Prof. Kimminich. Daher gibt es neben den Sektionen vier öffentliche Podiumsdiskussionen, in denen versucht wird, die Begriffe Repräsentation, Virtualität und Praxis von verschiedenen Perspektiven aus zu beleuchten. Es sollen alltägliche Beispiele der Konstruktion und Verschiebung von Zeichen diskutiert werden, wie etwa im Podium „Gott dichten und denken?“, das ästhetische mit religiösen Erfahrungen vergleicht. Auch die Podien zum „Recycling“ tradierter Symbole im neuen Gewand heutiger Medienkultur oder zur Macht von Marken zeigen, „wie umfassend Zeichen unsere Lebenswelt bestimmen und wie die Semiotik dabei helfen kann, ihre Wirkungspotenziale sichtbar zu machen“, so Prof. Kimminich.

Einblick in den materiellen Aspekt der Zeichenpraxis bietet die Ausstellung „Stadt und Zeichen“, die während der Tagung im Foyer des Hauptgebäudes auf dem Campus Griebnitzsee zu sehen sein wird. Die von Studierenden unter Anleitung von Prof. Kimminich entstandene Schau widmet sich den vielfältigen Formen des Zeichensetzens im städtischen Raum, die man „nicht immer gleich im hektischen Alltag wahrnimmt oder nicht versteht: Sticker, Parolengraffiti oder Tattoos, aber auch Aktionen von Strickern, Flashmobbern, Clown-Rebellen und Guerilla-Gärtnern sowie die ungewöhnliche Fortbewegung von Skatern und Traceuren“. Im Herbst wird die Ausstellung vom Archiv der Jugendkulturen in Berlin übernommen. Begleitend erscheint ein Katalog, in dem die urbane Zeichenwelt nicht nur dokumentiert, sondern von den Studierenden auch wissenschaftlich beleuchtet wird.

Die Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Semiotik findet alle drei Jahre an wechselnden Orten im deutschsprachigen Raum statt. Sie wird in diesem Jahr von der DGS-Präsidentin Prof. Dr. Eva Kimminich vom Institut für Romanistik der Universität Potsdam organisiert. Die DGS hat derzeit 16 Sektionen, in denen die Beiräte aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen mit semiotischen Fragestellungen arbeiten: Architektur, Bild, Design, Esskultur, Historische Semiotik, Jugend- und Subkulturen, Kulturwissenschaft, Körper, Literatur, Mathematik, Medien, Ökosemiotik, Soziale Psychiatrie, Soziale Systeme, Sprachwissenschaft, Theologie und Wirtschaft (Marketing).

Hinweis an die Redaktionen:

Zeit: Tagung und Ausstellung: 13. bis 15.10.2011, 09:00 bis 20:00 Uhr
Ort: Universität Potsdam, Campus Griebnitzsee, August-Bebel-Straße 89, 14482 Potsdam, Haus 6
Kontakt: Prof. Dr. Eva Kimminich, Universität Potsdam, Institut für Romanistik,
Tel.: 0331/977-4144, E-Mail: eva.kimminich@uni-potsdam.de
Internet: http://semiose.de/

Sylvia Prietz | Universität Potsdam
Weitere Informationen:
http://semiose.de/

Weitere Berichte zu: DGS Design Thinking Imagination Jugendkultur Sektionen Semiotik Symbole Virtualität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht »Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung
19.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht MES-Special für Controller und Produktionsmanager in Hoffenheim sehr gut gebucht
04.09.2017 | gbo datacomp GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

10. Cottbuser Medienrechtstage zu »Fake News, Hate Speech und Whistleblowing«

18.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Chancen der Digitalisierung für das Betriebliche Gesundheitsmanagement: vitaliberty auf der Zukunft Personal 2017

19.09.2017 | Messenachrichten