Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zauberformel gegen Nässe und Fäulnis - Modifizierte Buchenholzprodukte

26.02.2009
Am 3. März 2009 präsentiert der Forscherverbund "Modifizierte Buchenholzprodukte" in Göttingen die Ergebnisse seiner vierjährigen Arbeit

Auf dem Kolloquium "Klimawandel und Ressourcenknappheit" werden praxisreife Furnierformholzprodukte aus Buche gezeigt, die auf Basis der innovativen Vernetzertechnik gefertigt wurden.

Bereits jetzt haben die Produkte ihren Platz im Garten-, Park- und Feuchtraumsektor gefunden. Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunktes "Nachhaltige Waldwirtschaft".

DMDHEU heißt die Zauberformel. Mit ihrer Hilfe verwandelt sich Buche - aus einem Holz, das bei Nässe quillt und fault in ein Material, das widerstandsfähig ist wie Eukalyptus und dauerhaft wie Teak. Und so lassen sich aus Buchenholz inzwischen Türen und Fenster, Terrassendielen und Skateboards, Gartenstühle und Saunabänke fertigen. Einst hieß es, die beste Verwendung für Buchenholz sei ein Kamin.

Was nun steckt hinter DMDHEU? Welche Prozesse führen zum hochwertigen Werkstoff? Was ist das Ergebnis? Warum überhaupt sollen die derzeit überschüssigen Mengen an Buchenholz nicht einfach verbrannt werden - sind nachwachsende Rohstoffe nicht als Energieträger heiß begehrt? Diese Fragen haben Wissenschaftler der Göttinger Georg-August-Universität in den zurückliegenden vier Jahren unter dem Dach des Verbundes "Buchenholzprodukte" verfolgt.

Jetzt stellen sie ihre Produkte auf dem Kolloquium "Klimawandel und Ressourcenknappheit" vor, das am 3. März an der Universität Göttingen stattfindet.

Gemeinsam mit jeweils drei wissenschaftlichen und Industriepartnern forschten die Holzbiologen um Prof. Holger Militz und Dr. Peter Rademacher zu grundlegenden Fragen der Modifizierung von Buchenholz. Der Umbau der deutschen Forste von Nadelmonokulturen hin zu Misch- und Laubwäldern läuft seit einem Vierteljahrhundert; er gründet sich vor allem auf die Buche, die hierzulande als standortgerechte Baumart schlechthin gilt.

Im Laufe der Entwicklung erhöht sich der Anteil von Buche & Co. an der Waldfläche; und auch wenn Laubbäume bis zu 40, 50 Jahre später als Nadelbäume hiebsreif sind, Laubholz wird bereits in 20 Jahren rund 48 Prozent der Holzernte ausmachen. Bisher sind es 38 Prozent. Ökologisch ist der Anbau standortgerechter Baumarten zweifelsohne ein Gewinn. Ob er es auch ökonomisch sein wird, hängt von der Nachfrage ab. Damit es sich für die Holzindustrie in Deutschland und in Mitteleuropa lohnt, von Fichte auf Buche umzusteigen, bedarf es einer Produktpalette, die quantitativ umfangreich und qualitativ hochwertig ist.

Bislang liegt diese Produktpalette in Ansätzen vor. Buchenvollholz- und Furnierprodukte sind vielfach im Holzfachhandel und in Einrichtungshäusern zu finden. Doch wenn es um Warensegmente des Außen- und Nassbereichs geht, wird üblicherweise auf Tropenhölzer zurückgegriffen oder auf behandelte Nadelhölzer. Aber diese Situation lässt sich auflösen - mit Dimethylol dihydroxy ethylene urea, kurz DMDHEU.

DMDHEU wird derzeit vor allem in der Textilbranche eingesetzt; die wasserlösliche, biozidfreie Substanz reagiert stark mit den freien Hydroxylgruppen der Zellulose und Hemizellulose. Die freien Hydroxylgruppen verursachen die Anfälligkeit des Holzes. Gelangt nun DMDHEU durch einen Wechsel von Druck und Vakuum ins Innere des Holzes, binden deren Vernetzermoleküle an die Hydroxylgruppen - auf diese Weise wird das Holz dauerhaft in einen gequollenen Zustand versetzt.

Zusätzliche Hitze und Magnesiumchlorid als Katalysator bewirken, dass sich die Moleküle untereinander oder mit der Zellwand vernetzen. Bei richtiger Koordination der Prozesse behält Buchenholz seine Vorzüge als herausragendes Nutzholz und gewinnt wichtige Vorteile des Tropenholzes hinzu: Hohe Dauerhaftigkeit, Dimensionsstabilität, Widerstandsfähigkeit und Festigkeit.

Mit der Resistenz gegen Fäulnis und der Beständigkeit gegenüber Nässe sowie dem Aufstieg in die Dauerhaftigkeitsklasse I und II lassen sich nun Produkte entwickeln, die bislang aus tropischen Hölzern oder nicht nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden.

Noch müssen Anwendungen im Vollholzbereich optimiert und weitere Nutzungen zusammen mit der Holzindustrie erarbeitet werden - doch schon jetzt zeigen Picknickgarnituren, Schalensitze für Bushaltestellen, Doppeltore und Terrassenstühle was machbar ist, wenn die Zauberformel DMDHEU zum Einsatz kommt: Langlebige Produkte gefertigt aus einem heimischen, nachwachsenden Rohstoff.

Der Forschungsverbund "Modifizierte Buchenholzprodukte" gehört als eines von 25 Verbundprojekten zum Förderschwerpunkt "Nachhaltige Waldwirtschaft" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Das BMBF finanziert den Förderschwerpunkt im Zeitraum 2005 bis 2010 mit rund 30 Millionen Euro.

Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) ist die wissenschaftliche Begleitung und Koordinierung des Förderschwerpunktes angesiedelt. Aufgabe der wissenschaftlichen Begleitung ist es, auf nationaler und europäischer Ebene ein Netzwerk für Wissenschaft und Praxis zu schaffen und zu koordinieren; von hier aus wird auch die Öffentlichkeitsarbeit für den Förderschwerpunkt gesteuert.

In seiner Gesamtheit befasst sich der Förderschwerpunkt vor allem mit drei Fragestellungen: Wie kann die Wertschöpfungskette Forst-Holz sowohl gewinnorientiert als auch ökologisch verträglich und sozial gerecht optimiert werden? Wie können Waldlandschaften so genutzt werden, dass die Lebensqualität der Menschen verbessert wird und gleichzeitig die Ressourcen langfristig gewährleistet sind? Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Kolloquium "Klimawandel und Ressourcenknappheit"
Termin: 3. März 2009, 9 bis 18 Uhr
Ort: Georg-August-Universität Göttingen, Hörsaal (MN14) der Fakultät für Geowissenschaften und Geographie, Goldschmidtstraße 5, 37077 Göttingen
BMBF-Forschungsverbund "Buchenholzprodukte"
Prof. Dr. Holger Militz, Projektleitung
Dr. Peter Rademacher, Projektkoordination
Georg-August-Universität Göttingen
Abt. Holzbiologie/Holzprodukte
Büsgenweg 4, 37077 Göttingen
Tel.: 0551/39-3562
E-Mail: radema@gwdg.de
oder
Wissenschaftliche Begleitung zum BMBF-Förderschwerpunkt "Nachhaltige Waldwirtschaft"
Daniela Weber
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Permoserstraße 15, 04318 Leipzig
Tel.: 0341/235-1791
E-Mail: daniela.weber@ufz.de

Tilo Arnhold | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.buchenholzmodifizierung.de
http://www.nachhaltige-waldwirtschaft.de
http://www.uni-goettingen.de/buche-symposium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht »Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung
19.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht MES-Special für Controller und Produktionsmanager in Hoffenheim sehr gut gebucht
04.09.2017 | gbo datacomp GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie