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Wohnbaukongress 2010

05.10.2010
BAUKING und Knauf stellen sich Herausforderungen der Wohnungswirtschaft

Verantwortliche aus der Wohnungswirtschaft und Architekten, die für Wohnbaugesellschaften planen, sind eine anspruchsvolle Zielgruppe. Sie kommen gern, wenn denn qualifizierte Inhalte geboten werden.

Diese Erfahrung machten jetzt die BAUKING und die Unternehmensgruppe Knauf. Zum Seminarangebot über Energieeffizienz, neue Technologien, Logistik-Optimierung und Wohnen im Alter waren am 16. September über 300 Gäste ins Ludwig Erhard Haus in Berlin gekommen.

Wohnen ist seit jeher ein existentielles Grundbedürfnis für Jung und Alt, gleichzeitig verändern sich aber die Wohnbedürfnisse analog gesellschaftlicher Veränderungen. So bringen der Wandel hin zum Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit und Effizienz, der Rückzug in die Stadt wie auch die zunehmende Alterung der Gesellschaft neue Herausforderungen für die Bau- und Wohnungswirtschaft mit sich. Obwohl oder gerade weil die Zahlen im Neubau von Wohnungen derzeit auf einem Tiefstand angekommen sind - 2009 wurden in Deutschland so wenig Wohnungen gebaut wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr (destatis) - rücken Fragen der energetischen Sanierung, der Verdichtung des innerstädtischen Bestands und seiner Anpassung im Sinne von mehr Komfort z. B. für Betagte ins Blickfeld.

Lösungsansätze können vor dem Hintergrund der Komplexität dieser Fragestellungen nur branchenübergreifend entwickelt werden. So konnten kürzlich die auf ihren jeweiligen Feldern etablierten Unternehmen BAUKING, Knauf , Uponor und Velux in Kooperation mit dem Bundesverband freier Immobilien- und Wohnungswirtschaft (BFW), der Berlin Brandenburgischen Akademie der Immobilienwirtschaft (BBA) und dem InnovationsZentrum Bau Berlin Brandenburg (IZB) beim „Wohnbaukongress 2010“ mit hochkarätigen Experten besetzen. Über 300 Architekten, Ingenieure sowie Führungskräfte der Wohnungswirtschaft versammelten sich im Gebäude der IHK in der Hauptstadt.

Ministerialrat Peter Rathert hob hervor, dass 75% der 18 Mio. Wohnungsgebäude einen energetischen Sanierungsbedarf aufweisen. Rathert ist Leiter des Referates „Gebäude- und Anlagentechnik, technische Angelegenheiten des energiesparenden Bauens und der Nutzung Erneuerbarer Energien“ im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Hochwertige Technologien seien zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen vorhanden, sie müssten von der Branche jedoch eingesetzt werden, forderte Thomas Juch. Er lehrt Versorgungs- und Anlagenbetriebstechnik an der Hochschule Bremerhaven. Juch unterstrich: „Die energetische Sanierung ist vielmehr ein Thema der Vermarktung als eine Pflichtveranstaltung.“ Schließlich bauten alle besser als die EnEV. Gerade in Regionen mit erhöhtem Leerstand sei die energetische Sanierung ein bedeutendes Vermarktungsargument.

Im Hinblick auf das Wohnen in der Stadt und die Alterung der Bevölkerung nimmt die Bedeutung des Schallschutzes weiter zu. „Das ist ein sehr sensibles Thema“, erklärte Ralf Lehmann von der Knauf Gips KG, das mit Trockenbautechnik jedoch sehr gut zu lösen sei. Hierfür sei bereits ein Bewusstseinswandel in der Wahrnehmung zu beobachten, erläuterte Lehmann. Architektenbefragungen im Auftrag von Knauf zeigen, dass Trockenbau bei Planern im Hinblick auf Solidität, Nachhaltigkeit wie auch bez. Individualität an Akzeptanz gewinne. „Dabei können hochwertige Technologien mit Leichtbau verpackt werden,“ hob Lehmann hervor.

Das Angenehme lässt sich manchmal gar mit den Erfordernissen verbinden. Das Bedürfnis nach Behaglichkeit mit Energieeffizienz etwa: Michael Günther von Uponor stellte dar, wie eine Fußbodenheizung mit einer Aufbauhöhe von nur 1,5 bis 2 cm Höhe gerade bei Sanierungen im Bestand interessant seien. Hierbei räumte er mit dem Vorurteil auf, diese Heizungsart wäre träge: „Nur eine halbe Stunde dauert es bis 63% der Wärmeleistung erreicht ist.“

Jochen Pfau lehrt an der Fachhochschule Rosenheim und stellte dar, welche Potentiale im Trockenbau liegen: Wirtschaftlichkeit, Robustheit und Planungsfreiheit. Durch seine geringe statische Belastung des Bestands kann eine Aufstockung durch Leichtbau eine Refinanzierung durch die Vermietung neuer Wohnfläche erreichen. Außerdem hob er den Aspekt der Wirtschaftlichkeit im Bauprozess hervor: „Ein Gewerk heißt für den Bauherrn Leistungen aus einer Hand und reduziert damit die Reibungsflächen.“

Diese kann eine gute Baustellenlogistik von Vornherein entschärfen. Fred Kapella, Geschäftsführer von BAUKING Berlin-Brandenburg, wies nach, wie sich Bauprozesse beschleunigen und verbessern lassen. Wichtig auch, transparente Kommunikation mit Mietern, die die Bewohner in die Sanierungsarbeiten einbezieht und damit gerade älteren Mietern die Angst nimmt.

Älteren Bewohnern gehöre die Zukunft, so Hans-Michael Brey, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der BBA, Akademie der Immobilienwirtschaft e. V., Berlin. „Dabei birgt das Thema nicht nur Potentiale für die altersgerechten Anpassungen der Wohnungen“, auch das Quartier müsse in den Fokus rücken, forderte Brey.

2,5 Millionen Wohneinheiten seien noch nicht altersgerecht angepasst. Das bedeutet einen Investitionsbedarf von 18 Millionen Euro.

Die Berliner Architektin Ulrike Rau zeigte beispielhafte Referenzprojekte und machte deutlich, dass Maßnahmen im Wohnumfeld, der Erschließungsbereiche und der Wohnungen selbst häufig mit kleinen Eingriffen möglich sind. Wichtig sei, die Maßnahmen in die Gesamtgestaltung zu integrieren und damit letztlich unabhängig vom Alter mehr Komfort für alle Bewohnergruppen anzubieten. Wie Jens Schmeer von der Knauf Gips KG anhand verschiedener Haustypen nachwies, können Funktionalität, Komfort und Ästhetik dabei Hand in Hand gehen: Schiebetüren verschwinden elegant in der doppelschaligen Metallständerwand.

Carsten Thieme | IZB e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izb-ev.de

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