Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

WOC 2010: Können neue Kunstlinsen die Lesebrille ersetzen?

24.03.2010
World Ophthalmology Congress 2010 (incl. AAD und DOG-Kongress),
3. bis 9. Juni 2010, ICC Berlin

Immer häufiger kommen Patienten nach der Operation eines grauen Stars ohne eine Brille aus. Sie verdanken dies modernen Linsenimplantaten, die gleichzeitig eine Nah- und Fernsicht ermöglichen. Auch bei der klassischen Alterssichtigkeit können derartige Linsen mittlerweile eine Lesebrille ersetzen.

Welche Fortschritte die Linsentechnik in den letzten Jahren gemacht hat, ist ein Thema auf dem World Ophthalmology Congress (WOC® 2010). Der weltweitgrößte Kongress zur Augenheilkunde findet im Juni in Berlin statt.

Menschen können in Ferne und Nähe scharf sehen, weil die Linse im Auge ihre Krümmung verändert. Im Alter geht diese Fähigkeit, die sogenannte Akkommodation, verloren. Die Diagnose: Alterssichtigkeit, auch Presbyopie genannt. "Ab einem Alter von etwa 45 Jahren brauchen die meisten Menschen eine Lesebrille", sagt Thomas Kohnen, stellvertretender Direktor der Klinik für Augenheilkunde an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Auch künstliche Intraokularlinsen (IOL), die Ärzte bei einer Operation des grauen Stars ins Auge einsetzen, können sich nicht aktiv abflachen oder abkugeln. Diese Patienten benötigen nach der Operation ebenfalls eine Lesebrille.

Beiden Gruppen könnte eine multifokale IOL helfen. "Diese Linsen sind so geformt, dass sie das Licht gleichzeitig auf zwei Brennpunkte lenken", erklärt Kohnen im Vorfeld des WOC® 2010. So können die Patienten in der Nähe und Ferne scharf sehen. Die ersten multifokalen IOL konnten sich jedoch nicht durchsetzen: Einschränkungen gab es vor allem beim Kontrastsehen. Bei der neuesten Generation sogenannter apodisierter IOL treten derartige Probleme nun nur noch in geringerem Maße auf. "Durch ein verändertes Design werden optische Nebeneffekte wie Lichthöfe, Blendung und Überleuchtung verringert", so Kohnen.

Diese neuartige IOL kommt auch in Deutschland zum Einsatz. In einer europäischen Multi-Center-Studie, an der auch die Universitätsklinik Frankfurt teilnahm, waren die meisten Patienten mit dem Ergebnis zufrieden. "Die Patienten sehen nicht nur in der Nähe und Ferne scharf. Auch im Zwischenbereich, wichtig für die Computerarbeit, ist die Sehleistung oft zufriedenstellend. Insgesamt 88 Prozent der Patienten konnten nach der Operation vollständig auf eine Brille verzichten", berichtet Kohnen.

Nach dem Eingriff ist jedoch etwas Geduld nötig. Denn es kann bis zu zwölf Monate dauern, bis sich die Betroffenen vollends an die neue Linse gewöhnt haben. "In dieser Zeit stellen sich Auge und Gehirn auf die IOL ein, so dass sich das visuelle Ergebnis noch verbessern kann", erklärt Kohnen.

An der Studie nahmen vor allem Patienten teil, die wegen eines grauen Stars ohnehin eine neue Linse benötigten. Einige hatten sich aber allein aufgrund ihrer Presbyopie zu dem Eingriff entschlossen, weil sie auf eine Lesebrille verzichten wollten. Dies ist nach Auskunft des Experten derzeit noch die Ausnahme. Mit zunehmender Erfahrung dürften die Operations¬zahlen jedoch steigen, so Kohnen, der die neuen Möglichkeiten der Linsenimplantation auch auf dem WOC® 2010 vorstellen wird.

Literatur:
Thomas Kohnen, Rudy Nuijts, Pierre Levy, Eduard Haefliger, Jose' F. Alfonso: Visual function after bilateral implantation of apodized diffractive aspheric multifocal intraocular lenses with a D3.0 D addition. In: Journal of Cataract & Refractive Surgery 2009; 35:2062-2069

Mit dem World Ophthalmology Congress (WOC® 2010) richtet Deutschland 2010 den größten internationalen Fachkongress zum Thema Augenheilkunde aus. Neben dem 32. International Congress of Ophthalmology (ICO) finden auch der 108. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) unter dem Dach des WOC® 2010 statt. Die AAD-Kurse werden vom 3. bis zum 6. Juni 2010 in deutscher Sprache abgehalten. Vom 5. bis zum 9. Juni schließt sich das internationale Programm in englischer Sprache an. Die Veranstalter erwarten mehr als 8 000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern.

Kontakt für Journalisten:

Silke Stark
Pressestelle WOC® 2010
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 8931-572
Fax: +49 (0)711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org
http://www.woc2010.de

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.woc2010.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt
23.01.2017 | Haus der Wissenschaft Braunschweig GmbH

nachricht Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen
20.01.2017 | Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie