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Wissenschaftsforum Chemie 2015 in Dresden zu Gast

18.05.2015

Ehrungen für Carsten Bolm, Matthias Beller, Helmut Schwarz, Henning Hopf und Barry Sharpless am Eröffnungstag

Erstmals wird Dresden Gastgeber der größten deutschen Chemikertagung sein. Rund 2.000 Teilnehmer werden zum Wissenschaftsforum Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) erwartet, das am 30. August 2015 auf dem Dresdener Messegelände eröffnet wird.

Die viertägige Veranstaltung behandelt alle Aspekte der modernen Chemie: von neuen Materialien über Energie, Ressourcen und Umwelt bis hin zu den Life Sciences. „Chemie verbindet“ lautet das Motto der Tagung.

„Damit ist zum einen die chemischste aller chemischen Tätigkeiten, das Verbinden von Atomen zu immer neuen molekularen Gebilden und Materialien mit definierten Eigenschaftsprofilen und der Brückenschlag zwischen Forschung und Anwendung gemeint. Zum anderen soll aber in Dresden auch die Verbindung der Chemie zu den Nachbardisziplinen gefestigt werden“, so der GDCh-Präsident, Dr. Thomas Geelhaar.

Adolf-von Baeyer-Denkmünze an Carsten Bolm (Aachen)

Traditionsgemäß werden zur Eröffnung des alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Deutschland stattfindenden Wissenschaftsforums international bedeutende Preise der GDCh verliehen. Nach der Eröffnungsansprache durch den GDCh-Präsidenten und Grußworten aus der Politik wird (seit 1911) zum 47. Mal die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze verliehen. Diesjähriger Preisträger ist Professor Dr. Carsten Bolm, RWTH Aachen.

Die Denkmünze, die an den Chemienobelpreisträger von 1905 erinnert, wird für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Organischen Chemie verliehen. Bolm hat mit seinen großartigen Beiträgen zur asymmetrischen Katalyse mit Übergangsmetallen und seinen zahlreichen, viel zitierten Publikationen dazu die zukünftige Richtung der Organischen Chemie wesentlich mitbestimmt.

Bolm (55), geboren in Braunschweig, studierte an der dortigen TH (heute TU) Chemie bis zum Diplom, machte seinen Master of Science zwischenzeitlich an der University of Wisconsin, fertigte seine Doktorarbeit an der Universität Marburg an, habilitierte sich in Darmstadt und Basel, nahm seine erste Professur in Marburg und 1996 den Ruf nach Aachen an. Er konnte bereits zahlreiche Auszeichnungen entgegennehmen, hatte Gastprofessuren in vielen Ländern inne und ist Mitglied unterschiedlicher wissenschaftlicher Gremien.

Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie an Matthias Beller (Rostock)

Den Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie erhält in diesem Jahr Professor Dr. Matthias Beller, Leibniz-Institut für Katalyse an der Universität Rostock. Nach Wöhler, einem der bekanntesten Chemiker des 19. Jahrhunderts, benannte die Chemische Gesellschaft der DDR einen 1960 gestifteten Preis. 1998 hat die GDCh diese Auszeichnung wieder aufgenommen und den Preis seither neunmal verliehen. Beller wird für seine Arbeiten zur Entwicklung mehrerer Katalysatorsysteme gewürdigt, die bereits in der Industrie mit höchster Ressourceneffizienz angewendet werden. Insgesamt leistet er wesentliche Beiträge zur nachhaltigen Chemie als Schlüsseltechnologie im produktionsintegrierten Umweltschutz.

Darüber hinaus lassen seine konzeptionell entwickelten bio-inspirierten Eisen-Katalysatoren wichtige und weitgehende Anwendungen in der Zukunft erwarten. Beller (53), geboren im nordhessischen Gudensberg, studierte und promovierte an der Universität Göttingen, war als Postdoc am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/USA, und von 1991 bis 1995 in leitenden Funktionen bei der Hoechst AG tätig. Die TU München ernannte ihn 1996 zum Professor, 1998 erhielt er den Ruf nach Rostock. Beller erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den European Sustainable Chemistry Award, er war und ist führendes Mitglied in zahlreichen Gremien sowie Gastprofessor an verschiedenen europäischen Universitäten. Über 700 Publikationen hat er veröffentlicht und rund 100 Patente angemeldet.

Karl-Ziegler-Preis an Helmut Schwarz (Berlin)

Im zweiten Teil der Eröffnungsveranstaltung wird nach Grußworten von Präsidenten befreundeter Organisationen die mit 50.000 Euro und einer Goldmedaille höchst dotierte Auszeichnung der GDCh, der Karl-Ziegler-Preis, an Professor Dr. Drs. h.c. Helmut Schwarz, TU Berlin und Präsident der Humboldt-Stiftung, verliehen. Der Preis wurde seit 1998 achtmal vergeben, ist nach dem Gründungspräsidenten der GDCh und Chemienobelpreisträger von 1963, Karl Ziegler, benannt und wird aus einer Stiftung gespeist, die Zieglers Tochter, Marianne Witte, bei der GDCh eingerichtet hat. Schwarz – er gilt als einer der renommiertesten physikalisch-organischen Chemiker von größter internationaler Strahlkraft – wird für seine überaus erfolgreichen Untersuchungen über den detaillierten Ablauf chemischer Reaktionen auf molekularer Ebene und die kontinuierliche Fortentwicklung der Massenspektrometrie, die er virtuos zu nutzen weiß, geehrt.

Er bewegt sich mit seinen Arbeiten im Grenzgebiet zwischen organischer, metallorganischer, physikalischer und biologischer Chemie sowie der Physik und trug viel zum Verständnis katalytischer Prozesse bei. Schwarz (71), geboren in Nickenich, Kreis Mayen-Koblenz, kam nach Ausbildung zum Chemielaboranten über den zweiten Bildungsweg zum Chemiestudium, das er in Berlin absolvierte, wo er 1972 promovierte und sich 1974 habilitierte. 1978 wurde er auf eine Professur an der TU Berlin berufen. Schwarz hat zahlreiche hohe in- und ausländische Auszeichnungen erhalten, als Gastprofessor arbeitete er an mehreren Forschungs-einrichtungen im Ausland; er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien.

Ehrenmitgliedschaft an Henning Hopf (Braunschweig)

Die höchste Auszeichnung, die die GDCh zu vergeben hat, ist die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft. Diese Auszeichnung haben seit 1952 40 Persönlichkeiten aus der Chemie und ihrem Umfeld erhalten. Professor Dr. Drs. h.c. Henning Hopf, Emeritus an der TU Braunschweig, wird sie in Dresden überreicht für seinen langjährigen, vielfältigen und intensiven Einsatz für die Belange der Chemie im Allgemeinen und der GDCh im Besonderen, so durch seine Tätigkeit im Vorstand und die Ausübung des Präsidentenamtes in den Jahren 2004 und 2005. Darüber hinaus hat er die GDCh in zahlreichen Gremien, etwa zum Publikationswesen oder zur Aufarbeitung der Geschichte der GDCh-Vorgängerorganisationen, engagiert repräsentiert und der GDCh viele Impulse gegeben. Hopf (74), geboren im niedersächsischen Wildeshausen, studierte an der Universität Göttingen Chemie bis zum Vordiplom, setzte sein Studium an der University of Wisconsin fort, wo er seinen Master of Science und danach seinen Doctor of Philosophy erwarb, und kehrte zur Habilitation nach Deutschland zunächst an die Universität Marburg, danach an die Universität Karlsruhe (jetzt KIT) zurück. Nach einer Professur an der Universität Würzburg erhielt er 1978 einen Ruf an die TU Braunschweig. Hopf erhielt im In- uns Ausland zahlreiche hohe Auszeichnungen, u.a. die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze der GDCh im Jahr 1996, nahm mehrere Gastprofessuren wahr, war in etlichen Herausgebergremien von Fachzeitschriften tätig und betrieb äußerst erfolgreiche Forschung auf dem Gebiet der Organischen Chemie – von Olefinen und Aliphaten über neue flüssigkristalline Materialien bis hin zu Untersuchungen an ökologisch wichtigen Prozessen.

August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung an Barry Sharpless (La Jolla)

Die August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung, mit der seit 1978 24 ausländische Wissenschaftler/innen von der GDCh ausgezeichnet wurden, hält in Dresden zum Abschluss der Eröffnungsveranstaltung der Chemienobelpreisträger von 2001, Professor Dr. Drs. h.c. K. Barry Sharpless, The Scripps Research Institute (TSRI), La Jolla, Kalifornien; sein Thema: Click Chemistry – New Directions. Der Begriff "Klick-Chemie" wurde von K. B. Sharpless 2001 eingeführt. Man versteht darunter breit anwendbare, einfach durchzuführende Reaktionen, die hohe Ausbeuten liefern, gut abtrennbare Nebenprodukte ergeben, stereospezifisch und in leicht entfernbaren, umweltfreundlichen Lösungsmitteln ablaufen. Kurz gesagt: Die Klick-Chemie umfasst Reaktionen, mit denen sich gewünschte Moleküle schneller und zielgerichteter aus kleineren Einheiten synthetisieren lassen. Solche Voraussetzungen erfüllen thermodynamisch begünstigte Reaktionen, die selektiv zu einem Produkt führen, beispielsweise die nucleophile Ringöffnung von Epoxiden und Aziridinen. Sharpless (74), geboren in Philadelphia, studierte am Dartmouth College (Hanover, New Hamshire) und an der Stanford University (Kalifornien) Chemie. Nach Stationen an der Harvard University (Cambridge, Massachusetts), dem MIT und erneut Stanford gelangte er 1990 ans TSRI. Die Liste seiner Auszeichnungen, Ehrendoktorate, Ehrenmitgliedschaften und Gastprofessuren umfasst 95 Einträge.

Weitere Informationen unter www.wifo2015.de 

Bildmaterial von den Preisträgern kann unter pr@gdch.de angefordert werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ihre bedeutendste Tagung ist das alle zwei Jahre stattfindende GDCh-Wissenschaftsforum Chemie, das 2015 vom 30. August bis 2. September in der Messe Dresden/Börse Dresden stattfindet.

Weitere Informationen:

http://www.gdch.de
http://www.wifo2015.de

Dr. Renate Hoer | GDCh

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