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Die Wissenschaftsfelder miteinander versöhnen

04.06.2012
Sozialgeograph der Uni Jena lädt vom 8. bis 10. Juni zu einer Tagung über Nachhaltigkeit ein

Nachhaltigkeit werde wohl zum maßgeblichen Gradmesser der menschlichen Aktivitäten der Zukunft werden. Davon ist Prof. Dr. Benno Werlen von der Universität Jena überzeugt. Der Sozialgeograph setzt sich dafür ein, dass die Vereinten Nationen das Jahr 2014 zum „International Year of Global Understanding“ ausrufen.

Die Initiative für das UN-Jahr geht von der Internationalen Geographischen Union (IGU) aus. Deren Präsident Ronald F. Abler weilt am Wochenende vom 8. bis 10. Juni in Jena. Benno Werlen lädt zu einer Tagung in den Senatssaal der Universität (Fürstengraben 1) ein. Unter dem Titel „Transdisciplinary Intercultural Ecological Research for Sustainability“ (TIERS) beraten internationale Gäste vorrangig darüber, wie sich die Sozial- mit den Naturwissenschaften versöhnen lassen. Benno Werlen konstatiert, dass derzeit meist Umweltprobleme zunächst naturwissenschaftlich untersucht werden, ehe ihre sozialen Folgen in Betracht gezogen werden. „Diese fatale Logik müssen wir deshalb durchbrechen weil der größte Teil der sogenannten Umweltprobleme im Handeln und sozialen Strukturen seinen Grund hat“, sagt Werlen.

Konsequenterweise gilt es, die Rolle der Sozial- und Geisteswissenschaften insgesamt neu zu definieren. Dies werde, so Prof. Werlen, zunehmend auch von der Politik erkannt: Zum Auftakt der TIERS-Tagung spricht der Thüringer Wirtschaftsminister Matthias Machnig über „Sustainability Development – Implementation in Thuringia“.

Benno Werlen hat im Namen der Weltdachorganisation der Naturwissenschaften (ICSU) Nachwuchswissenschaftler aus allen fünf Kontinenten nach Jena eingeladen. Da sich die Aufgabe eines neuen Denkens stelle, sei es nicht so einfach gewesen, geeignete junge Leute jenseits etablierter Forschungsrichtungen ausfindig zu machen, sagt er. Zu den Zielen der Tagung gehöre es deshalb nicht nur, sich miteinander wissenschaftlich auszutauschen, sondern auch ein stabiles Netzwerk für künftige Kooperationen zwischen den Wissenschaftsfeldern zu etablieren. Auch auf dieser Ebene streben die Wissenschaftler nachhaltige Entwicklungen an.

Benno Werlen verweist beim Thema Nachhaltigkeit gern auf die Historie: Hannß Carl von Carlowitz (1645-1714), der Begründer des Nachhaltigkeitsbegriffs, starb vor gut 300 Jahren in Freiberg. Der Autor des Buches „Sylvicultura oeconomica oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht“ von 1713 hatte in Jena Rechts- und Staatswissenschaften studiert. „Es wäre wunderbar“, so Werlen, „wenn von Jena auch für die Neukonzeption der Forschung zur Erreichung globaler Nachhaltigkeit wirksame Impulse ausgehen könnten.“

Kontakt:
Prof. Dr. Benno Werlen
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948840
E-Mail: sozialgeographie[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

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