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Wir wollen eine neue Ökonomik entwickeln

14.07.2014

Wirtschaftswissenschaftler aus aller Welt treffen sich vom 27. bis 30. Juli zur Konferenz der internationalen Schumpeter Society an der Universität Jena

Die Volkswirtschaftslehre steckt in der Krise: Das weltweite Erdbeben, das 2008 den Finanz- und Bankensektor erschütterte, hatte kaum ein Wirtschaftsforscher kommen sehen. Bis heute hat sich die Wirtschaft in vielen Ländern nicht erholt, droht noch immer der Bankrott etlicher Volkswirtschaften. Und bis heute fragt sich auch die Fachwelt, wie konnte es soweit kommen?

Die traditionelle Wirtschaftswissenschaft habe darauf noch immer keine befriedigende Antwort gefunden, ist Prof. Cantner von der Friedrich-Schiller-Universität Jena überzeugt. Es sei daher an der Zeit, einen neuen Blick auf die Wirtschaft und ihre Akteure zu werfen und eine neue Ökonomik zu entwickeln, sagt der Inhaber des Lehrstuhls für Mikroökonomik.

Genau darüber wollen vom 27. bis 30. Juli etwa 300 Wirtschaftswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen aus aller Welt an der Uni Jena diskutieren: Die internationale „Schumpeter Society“, deren Präsident Prof. Cantner ist, lädt zu ihrer alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz in die Saalestadt ein.

„Viele über Jahrzehnte akzeptierte Theorien der Volkswirtschaftslehre sind heute einfach nicht mehr zeitgemäß“, betont Cantner. Etwa die Annahme, dass der ökonomisch tätige Mensch immer rational agiere und stets als alleiniges Ziel seines Handelns die Nutzenmaximierung im Sinn habe. „Der ,Homo oeconomicus‘ ist jedoch eine idealisierende Annahme“, sagt der Jenaer Wirtschaftsforscher. „Wir Menschen mögen natürlich rational handeln, doch die Rationalität hat ihre Grenzen“, schließlich könne niemand alles wissen und präzise vorhersehen.

Dies gelte insbesondere für die gravierenden Umwälzungen, die die Welt in ökonomischer und sozialer Hinsicht derzeit erlebe. „Die Beiträge unserer Konferenz werden sich daher vor allem mit Fragen des ökonomischen und sozialen Wandels befassen“, kündigt Prof. Cantner an. Mit solchen Themen habe sich auch der österreichische Ökonom Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) zeitlebens intensiv befasst. In seinen Ideen und Theorien zur wirtschaftlichen Entwicklung spielen Unternehmergeist und Innovationskraft die zentrale Rolle.

Während der Jenaer Konferenz wollen renommierte Wirtschaftsexperten und Nachwuchswissenschaftler Schumpeters Ansätze auf die aktuellen Entwicklungen anwenden. So werden sich Vorträge u. a. mit dem Konzept der „Smart Specialisation“ befassen. So bezeichnet die Europäische Kommission ihre Strategie, Innovationen und wirtschaftliches Wachstum zu fördern, indem sie Regionen dabei unterstützt, sich auf ihre jeweiligen Stärken zu fokussieren.

Andere Referenten untersuchen den Einfluss wachsender Komplexität in Wirtschaft und Gesellschaft auf Innovationen und Strukturentwicklung. Unter den geladenen Referenten sind weltweit renommierte Forscher wie der britische Ökonom W. Brian Arthur, ein Pionier der Komplexitätsforschung, oder Giovanni Dosi von der Sant'Anna School of Advanced Studies in Pisa, der als ausgewiesener Experte auf den Gebieten der Innovations- und Evolutionsökonomik gilt.

Außerdem wird während der Konferenz der 14. „Schumpeter-Preis” verliehen. Die alle zwei Jahre ausgelobte Auszeichnung würdigt aktuelle Forschungsarbeiten, die Schumpeters Werk aufgreifen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Zusätzlich werden der beste Vortrag und das beste Poster eines Nachwuchswissenschaftlers prämiert.

Hinweis für die Medien:
Interessierte Journalisten sind zu den Vorträgen der Konferenz willkommen. Die Konferenz findet im Universitätshauptgebäude (Fürstengraben 1) statt. Das Programm sowie weitere Informationen sind zu finden unter: http://www.schumpeter-conference.de.

Kontakt:
Prof. Dr. Uwe Cantner
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 943200
E-Mail: uwe.cantner[at]uni-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.schumpeter-conference.de
http://www.uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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