Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie verändert Weltraum-Strahlung die Haut von Astronauten? – Laserexperten tagen in Saarbrücken

11.06.2015

Was passiert mit der Haut eines Astronauten im Weltall? Antworten darauf gibt der Saarbrücker Professor Karsten König bei einer Tagung an der Saar-Uni: Vom 17. bis 19. Juni kommen internationale Experten aus Wissenschaft und Industrie an der Saar-Uni zum „10th Workshop and Conference on Advanced Multiphoton and Fluorescence Lifetime Imaging Techniques FLIM2015“ zusammen. Sie informieren sich in Workshops und Vorträgen unter anderem darüber, wie neue Lasertechnologien bei der Diagnose von Hautkrebs, Diabetes oder Alzheimer zum Einsatz kommen.

Knapp sechs Monate verbrachte der deutsche Astronaut Alexander Gerst 2014 auf der Internationalen Raumstation ISS. Wie sich Gersts Haut im All verändert hat, konnte Karsten König, Professor für Biophotonik und Lasertechnologie an der Universität des Saarlandes, anschließend untersuchen.


Professor Karsten König (links) hat die Haut des deutschen Astronauten Alexander Gerst mit seinem Femto-Sekundenlaser untersucht.

Foto: König

Der Forscher hat eine Lasertechnologie entwickelt, mit der er in Hautzellen hineinschauen kann. Die räumliche Auflösung ist dabei tausendmal höher als bei Ultraschallgeräten, weltweit erreicht kein anderes Gerät solche Werte.

Mit diesem Femto-Sekundenlaser lässt sich etwa analysieren, ob in der Haut mehr Kollagen produziert wird. „Dieses Eiweiß sorgt dafür, dass sich das Bindegewebe strafft und die Haut dadurch jünger wirkt“, erklärt König. Bei der Analyse von Gersts Haut hat König festgestellt, dass mehr Kollagen gebildet worden ist.

„Dadurch hat sich die Haut verjüngt“, sagt der Professor. Auf der anderen Seite hat König herausgefunden, dass sich sowohl der Pigmentfarbstoff Melanin als auch die Oberhaut (Epidermis) zurückgebildet haben. „Diese Hautschicht ist um etwa 20 Prozent dünner geworden“, sagt er. Sie dient dem Körper als äußerste Barriere und schützt ihn etwa vor dem Eindringen von Keimen. Auch bei einem italienischen Astronaut, den Karsten König in der Zwischenzeit untersucht hat, waren die Resultate ähnlich.

Warum diese Prozesse in der Haut ablaufen, können sich die Forscher um Professor König noch nicht erklären. Sie möchten nun weitere Astronauten nach ihrer Rückkehr untersuchen, um mögliche Ursachen herauszufinden. „Für längere Aufenthalte im Weltraum, etwa bei einer Expedition zum Mars, wäre es wichtig zu wissen, wie man Astronauten vor der Strahlung aus dem All besser schützen kann“, so König. Bei Gerst hat sich die Haut nach seiner Rückkehr in der Zwischenzeit wieder regeneriert.

Bei dem Kongress in Saarbrücken wird Laserexperte König seine Untersuchungsergebnisse vorstellen. Dass die Technologie etwa auch bei der Krebsfrüherkennung eine Rolle spielt, werden weitere Referenten aufzeigen: Ärzte können damit zum Beispiel direkt einzelne Krebszellen wie das schwarze Melanom bestimmen.

Die Technik setzt dabei auf die fluoreszierende Eigenschaft von Krebszellen, die, angeregt durch Laserstrahlen, anders leuchten als gesunde Zellen. Ähnliche Verfahren spielen aber nicht nur bei Hautkrebs, sondern auch bei anderen Krebsarten sowie bei Diabetes oder Alzheimer eine Rolle – auch diese Punkte werden auf der Tagung näher beleuchtet.

Als Ehrengast wird darüber hinaus Professor Wolfgang Kaiser sprechen. Der fast 90-jährige Physiker ist Pionier der Lasertechnik und der sogenannten nichtlinearen Optik. Er war maßgeblich an der Entwicklung der ersten Lasertypen beteiligt. Mit seinen Arbeiten legte er bereits in den 1960er Jahren den Grundstein für die heutige Lasertechnologie, die etwa in der Medizin Anwendung findet.

Karsten König organisiert die Veranstaltung gemeinsam mit Dr. Wolfgang Becker von der Technologie-Firma Becker und Hickl sowie mit Martin Weinigel von JenLab, ein Spin-off-Unternehmen von Professor König, mit dem er seinen Laser-Tomographen vermarktet. An der Tagung nehmen Experten aus Europa, den USA und Australien teil. Sie kommen aus der Forschung sowie von Pharma-, Kosmetik- und Technikkonzernen. Die Tagung findet in der Aula (Gebäude A3 3) auf dem Saarbrücker Campus statt.

Mehr zur Tagung unter www.flim.ws/

Weitere Pressefotos finden Sie unter www.uni-saarland.de/pressefotos

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Karsten König
Biophotonik und Lasertechnologie
E-Mail: k.koenig(at)blt.uni-saarland.de
Tel.: 0681 302-70451 oder -3451

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-2601).

Melanie Löw | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften