Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Widerstandsfähigkeit gegen den Menschen - Jahrestagung der Tropenökologen

02.04.2015

Vom 7. - 10. April treffen sich in Zürich über 300 Experten aus 30 Ländern zur Jahrestagung der Gesellschaft der Tropenökologie (GTÖ). „Resilienz in tropischen Ökosystemen“ ist das Thema der über 200 Vorträge und Poster. Dahinter steht die Frage, wie gegen Störungen widerstandsfähige Ökosysteme geschaffen werden können, die dauerhaft ihre ökologischen Funktionen ausüben können. Denn von denen hängt auch die menschliche Bevölkerung essenziell ab. Biologische Vielfalt ist dafür nötig, die bisherige Nutzungen jedoch meist reduzieren. Die Entwicklung alternativer Methoden bedarf allerdings eines neuen Verständnisses der Forschung: Selbst Tropenökosysteme sind heutzutage Lebensräume des Menschen.

Unberührte Natur außerhalb jeglichen Einflusses menschlicher Zivilisation gibt es so gut wie nicht mehr. Die zunehmende menschliche Bevölkerung drängt immer mehr in ursprüngliche Gebiete vor und nutzt die Ressourcen der Natur. Meist nicht nachhaltig.

„Nur 10 % der tropischen Regenwälder befinden sich in Schutzgebieten. Die reichen nicht aus, um die biologische Vielfalt in den Tropen zu erhalten“, sagt der Tagungsleiter Chris Kettle von der ETH Zürich im NeFo-Interview. Vor allem aber gehen auch die vielfältigen Leistungen dieser Ökosysteme verloren, die die Menschen nutzen, wie etwa Buschfleisch, Brennholz oder Trinkwasser vor Ort, oder global die Regulation des Klimas sowie des Kohlenstoff- und Wasserhaushaltes.

„Um künftig widerstandsfähige tropische Ökosysteme sicherzustellen, die eine breite Palette von Leistungen bereitstellen, ist die Erhaltung der Artenvielfalt auf all ihren Ebenen unumgänglich“, schreibt die GTÖ auf Ihrer Konferenzwebseite. Und zwar gerade in den genutzten Gebieten. Allerdings, so monieren die Leiter der ersten Session, konzentrierten sich ökologische Studien bisher auf unberührte Altbestands-Wälder, während die Dynamik der Waldwirtschaft in den Tropen weitgehend unerforscht bleibe.

Dieser Tatsache sieht die Gesellschaft bei ihrer diesjährigen Jahrestagung ins Auge, indem sie das Thema „Resilienz“ in den Fokus rückt. „Wir müssen die Nutzung so gestalten, dass die Systeme widerstands- oder anpassungsfähig auch gegenüber unvorhergesehenen Störungen sind, wie etwa künftig vermehrt auftretenden Dürren“, meint Chris Kettle.

Denn dass menschliche Nutzung auch in den Biodiversitätshotspots der Tropen weiter zunimmt, ist unumgängliche Realität. Doch inzwischen zeigt sich, dass gegengesteuert werden muss, soll diese Nutzung dauerhaft zu menschlichem Wohlergehen beitragen. Hier ist zunehmend eine interdisziplinäre Forschung gefragt.

Robin Chazdon von der Universität Connecticut, die die Konferenz am Montag mit einem Keynote-Vortrag einleiten wird, spricht von einem neuen Paradigma: Widerstandsfähigkeit und Ökosystemverantwortung, das sogenannte Stewardship-Konzept. Auch diese Idee zeigt, dass das Bild vom undurchdringlichen und menschenfeindlichen Urwald veraltet ist. Das Schicksal des riesigen Schatzes an Artenvielfalt liegt in den Händen der Menschen.

Wie verantwortungsvolle Nutzung aussehen kann, zeigen verschiedene Beispiele, die auf der Tagung vorgestellt werden, etwa Bio-Kaffee-Produktion, FSC-zertifizierte Waldbewirtschaftung oder nach RSPO-Nachhaltigkeitskriterien produziertes Palmöl. Denn dass auch Ölpalmen nicht als Monokulturen angebaut werden sollten, zeigt Miriam Teuscher von der Universität Göttingen, die in Session 5 am Mittwoch erste Ergebnisse vorstellt. Auf Versuchsflächen auf Sumatra untersucht sie, ob mit zwischengepflanzten heimischen Baumarten die Vielfalt von Vögeln und Insekten erhöht werden kann. Dabei geht es nicht nur um die Wiederherstellung der Vielfalt an sich. Vögel könnten hier einen entscheidenden Beitrag zur Schädlingsbekämpfung leisten und Insektizide sparen.

Leider, so Chris Kettle, fänden solche Lösungen noch viel zu wenig Anwendung. Aber das sei das Potenzial von Wissenschaftlichen Gesellschaften wie der GTÖ: Der Politik ein umfassendes und glaubwürdiges Bild zu liefern und auf zukunftsfähige Lösungen hinzuweisen.

→Zum Artikel von Sebastian Tilch und dem NeFo-Interview mit Tagungsleiter Chris Kettle: http://www.biodiversity.de/index.php/fuer-presse-medien/top-themen-biodiversitae...

Journalisten sind herzlich zur Konferenz eingeladen. Zur Akkreditierung wenden Sie sich bitte an:

Heike Kuhlmann
Tel: 0041-32-4234384
E-Mail: info@kcs-convention.com

Das ausführliche Programm (Book of abstracts) und weitere Informationen finden Sie auf der →Konferenzwebseite http://gtoe-conference.de/index.php?cat=program

Sebastian Tilch | Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal
18.08.2017 | Bergische Universität Wuppertal

nachricht Einblicke ins menschliche Denken
17.08.2017 | Universität Potsdam

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie