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Wenn Heilung nicht ausreicht! Hodgkin Lymphom-Experten diskutieren verträglichere Krebstherapien

05.10.2016

Vom 22. bis 25. Oktober 2016 findet in Köln das 10. Internationale Hodgkin-Symposium (ISHL10) unter der Leitung von Professor Andreas Engert (Universität zu Köln) statt. Die Deutsche Hodgkin Studiengruppe, die seit knapp 40 Jahren mit ihren Therapiestudien die Behandlungserfolge gegen das Hodgkin Lymphom von Köln aus maßgeblich vorantreibt, wird mit den deutlich mehr als 1.000 teilnehmenden Ärzten und Wissenschaftlern vor allem den Stellenwert neuer immunmodulatorischer PD-1-Antikörper diskutieren. Deren hohe Wirksamkeit bei Hodgkin-Patienten mit schlechter Prognose und ihre gute Verträglichkeit wecken die Hoffnung auf einen grundlegenden Durchbruch bei der Therapie des Hodgkin Lymphoms.

Das Hodgkin Lymphom ist eine Krebserkrankung des lymphatischen Systems, von der in Deutschland jedes Jahr rund 2.000 Menschen betroffen sind. Etwa 80-90 Prozent aller Patienten mit einem Hodgkin Lymphom können heute geheilt werden. Auch Patienten in fortgeschrittenen Stadien haben sehr gute Chancen, wieder vollständig gesund zu werden.


ISHL10. Ankündigungsplakat

Copyright: Deutsche Hodgkin Studiengruppe (GHSG)

Damit zählt die Behandlung dieses Lymphoms zu den großen Erfolgsgeschichten der Krebsmedizin. Allerdings gehen die aggressiven, vor allem auf Chemotherapeutika basierenden Therapien mit starken Nebenwirkungen einher und schränken die Lebensqualität der vielfach jungen Patienten nachhaltig ein oder rufen Spätfolgen hervor.

„Zehn bis fünfzehn Prozent der geheilten Patienten müssen damit rechnen, nach 15 oder 20 Jahren an einem anderen Tumor zu erkranken, der durch die Chemo- oder Strahlentherapie verursacht werden kann“, beschreibt Professor Andreas Engert, leitender Oberarzt an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln und Leiter der Deutschen Hodgkin Studiengruppe, die gegenwärtige Situation. Nun wecken wirksame und besser verträgliche Substanzen die Hoffnung, langfristig auf die Chemo- und Strahlentherapien verzichten zu können.

Die sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren haben in den vergangenen Jahren vor allem bei soliden Tumoren für Aufsehen gesorgt. Nun wird das therapeutische Prinzip auch für das Hodgkin Lymphom untersucht. „Das Besondere an diesen PD-1-Inhibitoren ist die Tatsache, dass sie die Immunabwehr des Patienten dazu bringen, die Tumorzellen als Feind zu erkennen und anzugreifen“, beschreibt Andreas Engert den Wirkmechanismus.

Beeindruckende Ergebnisse von Therapiestudien mit PD-1-Antikörpern an Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Hodgkin Lymphom, die nach wie vor eine schlechte Prognose aufweisen, könnten einen erneuten Durchbruch für die Therapie dieses Lymphoms darstellen. „An der Uniklinik Köln haben wir weltweit die meisten Hodgkin-Patienten mit PD-1-Inhibitoren behandelt, bei diesen Patienten hatten zuvor alle anderen Therapien versagt“, so der Hodgkin-Experte.

„Es zeigte sich eine überraschend gute Wirksamkeit bei extrem vorbehandelten Patienten sowie eine ausgezeichnete Verträglichkeit“. In weiteren Studien gilt es nun herauszufinden, bei welchen Patienten diese immuntherapeutischen Wirkstoffe besonders wirksam sind und in welcher Weise sie gegebenenfalls mit anderen Wirkstoffen zu kombinieren sind. „Unser Ziel ist es weiterhin, die Patienten vom Hodgkin-Lymphom zu heilen. Aber wir müssen gleichzeitig sicherstellen, dass die Kombinationstherapien zu keinen relevanten neuen Nebenwirkungen führen“, erklärt Andreas Engert die Zielsetzung für die nächsten Jahre.

Der Stellenwert neuer Therapieansätze wird daher im Mittelpunkt des ISHL10 stehen und von Wissenschaftlern und Ärzten diskutiert werden. Zu diesem weltweit größten interdisziplinären Hodgkin-Kongress lädt die Deutsche Hodgkin Studiengruppe (GHSG) alle drei Jahre ein und erwartet auch in diesem Jahr wieder mehr als 1.000 internationale Teilnehmer der Fachgebiete Hämatologie/Onkologie, Molekularbiologie, Immunologie, Strahlentherapie, Nuklearmedizin und der pädiatrischen Hämatologie/Onkologie.

Weitere wichtige Themen des Kongresses sind neue Therapien für Patienten in der Erstlinienbehandlung und im Rezidiv, die Behandlung des Lymphozyten-prädominaten Hodgkin Lymphoms sowie die Rolle der Positronenemissionstomographie (PET) als prädiktive Methode zur Therapiesteuerung. Workshops, wissenschaftliche Vorträge, interaktive Fallbesprechungen und Satellitensymposien des ISHL10 decken ein breites Themenspektrum ab. Nach der positiven Resonanz beim ISHL9 wird auch in diesem Jahr ein Hematology Educational angeboten. Bei diesem hämatologischen Fortbildungsprogramm vermitteln namhafte Experten umfassende und für den Versorgungsalltag relevante Grundlagen auch zu anderen hämatologischen Erkrankungen. Die Teilnahme am Educational ist kostenlos, eine Anmeldung jedoch erforderlich.

ISHL10: https://www.hodgkinsymposium.org/registration/info
Hematology Educational: https://www.hodgkinsymposium.org/educational

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Prof. Dr. med. Andreas Engert
Klinik I für Innere Medizin
Uniklinik Köln
Kerpener Straße 62
50937 Köln
Tel.: +49 (0) 221 478-5933
Fax: +49 (0) 221 478-3778
E-Mail: a.engert@uni-koeln.de

Ansprechpartnerin für die Presse:

Silke Hellmich
KML | Information & Kommunikation
Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. (KML)
Geschäftsstelle | Uniklinik Köln
D-50924 Köln
Tel.: +49 (0)221 478-96005
E-Mail: silke.hellmich@uk-koeln.de
Internet: http://www.lymphome.de

Die Deutsche Hodgkin Studiengruppe ist Mitglied im Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V., einem Zusammenschluss führender deutscher Lymphom-Studiengruppen und Versorgungseinrichtungen. Die Kooperation trägt dazu bei, die Kommunikation und den Wissenstransfer zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen zu verbessern und neue Ergebnisse aus der Forschung schnellstmöglich in die Patientenversorgung zu überführen. Auch Patienten und Selbsthilfeverbände sind eingebunden, so dass ihre Fragen und Bedürfnisse in die Gestaltung der Forschungsprojekte einfließen. Das Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. ist eines von inzwischen 21 Kompetenznetzen in der Medizin und wurde zwischen 1999 und 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Silke Hellmich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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