Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltspitze der Zytometriker trifft sich in Leipzig

19.06.2012
In Leipzig findet vom 23. bis 27. Juni 2012 der Weltkongress CYTO 2012 der International Society for the Advancement of Cytometry (ISAC) statt. Bei der Veranstaltung der Zell-Wissenschaftler auf der Neuen Messe werden rund 1500 Experten aus der ganzen Welt zu Vorträgen, Workshops und Fortbildungsveranstaltungen erwartet.

Zytometriker beschäftigen sich interdisziplinär mit Körperzellen. Sie versuchen ein Maximum an Information aus einzelnen Zellen herauszulesen und so bessere Diagnostika und Therapien zur individuellen Behandlung von Krankheiten zu entwickeln. Dafür arbeiten Naturwissenschaftler, Mathematiker und Mediziner eng zusammen.

Erstmals in der mehr als 30-jährigen Geschichte findet der Weltkongress der Fachgesellschaft für Zytometrie in Deutschland statt. "Die Tatsache, dass Leipzig unter allen europäischen Konkurrenten den Zuschlag erhielt, belegt die herausragende wissenschaftliche Position Leipzigs in der Zytometrie und in der Regenerativmedizin", sagt Professor Attila Tarnok von der Abteilung Kinderkardiologie am Herzzentrum Leipzig und gleichzeitig Kongressleiter für Europa.

In der Messestadt beschäftigen sich unter anderem das Translationszentrum für regenerative Medizin und das Fraunhofer-Institut mit Fragestellungen rund um die menschliche Zelle. "Es macht uns natürlich sehr stolz und ehrt uns, denn damit wird auch die Wichtigkeit des Forschungsstandortes betont", erklärt Tarnok.

Die Zytometrie geht davon aus, dass jede Zelle des Körpers die gesamte Information über den aktuellen Gesundheitszustand eines Menschen, sein Risiko für Erkrankungen und sein Ansprechen auf Therapien beinhaltet, gewissermaßen seinen Barcode. Um die richtigen Informationen herauslesen zu können, wurden verschiedene Verfahren entwickelt. So können beispielsweise im Zytometer, einer Art Mikroskop, mit Farbstoffen bis zu 20 verschiedene Merkmale einer Zelle sichtbar gemacht werden. Seit einigen Jahren kommen auch Massenspektrometer zu Einsatz, die durch den Einsatz seltener Erden als Marker-Stoffe wesentlich präziser arbeiten und mit einer Messung sehr viele Informationen auf einmal liefern.

Durch eine derartige Untersuchung der Zellen erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschluss über den Verlauf bestimmter Krankheiten wie Rheuma, Krebs oder Aids. Gleichzeitig sollen so neue Heilungsmöglichkeiten gefunden werden, indem sich bereits durch die Zelluntersuchung sagen lässt, ob ein Patient auf eine bestimmte Therapie überhaupt anspricht oder auch, warum manche Menschen zwar den HI-Virus in sich tragen, Aids aber nie bei ihnen ausbricht. Daraus leiten die Zytometriker neue Erkenntnisse ab, beispielsweise wie das Immunsystem so verändert werden kann, dass der Virus zerstört wird.
Vorteil der zytometrischen Verfahren ist, dass sie schonend für die Patienten sind und gleichzeitig mit sehr wenig Material auskommen. "Besonders für Kinder ist es sehr gut, wenn statt einer Untersuchung von Gewebematerial eine Blutprobe reicht, um alle wichtigen Informationen zu bekommen", erklärt Professor Tarnok.

Beim Weltkongress CYTO 2012 werden die regenerative Medizin und die Stammzelltherapie einen Schwerpunkt bilden. Zu diesen Themen werden renommierte Wissenschaftler in Leipzig erwartet, so etwa Professor Hans-Dieter Volk aus Berlin, der über neueste Fortschritte in der Zelltherapie spricht sowie Ian Fraser vom Nationale Institute of Health aus den USA, der sich mit Zell- und Genomuntersuchungen von Immunzellen beschäftigt.

Professor Christoph Cremer wird über ebenfalls über seine Forschungen sprechen. Der Physiker hat in den vergangenen Jahren Grundlegendes über die Struktur des Erbgutes in der Zelle herausgefunden und selbst ein Verfahrungen zur Untersuchung von Chromosomen entwickelt, dass den Nachweis ermöglicht, dass das Erbgut in der Zelle nach einem bestimmten Plan verteilt ist.

"Die CYTO 2012 bietet eine exzellente Möglichkeit, nicht nur neueste Forschungsergebnisse sowie innovative Produkte und Anwendungslösungen auf dem Gebiet der zellulären Analytik und Diagnostik vorzustellen, sondern insbesondere auch neue, überregionale und internationale Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Branche zu stimulieren", betont Roland Göhde, Vorstandsvorsitzender von biosaxony e.V., Biotechnologie/Life Sciences-Cluster des Freistaates Sachsen. Ein wesentliches Ziel des biosaxony e.V. ist die gebündelte Vorstellung der Innovationskraft und Expertise der sächsischen Branchenvertreter in Richtung des internationalen Fachpublikums.

Die Ausrichtung in Leipzig bedeutet einen großen Erfolg für den Hightech-Standort Sachsen und seine Akteure, zumal die Zytometrie als immer wichtiger werdende Querschnittstechnologie für eine breite Palette von verschiedensten Anwendungsbereichen insbesondere in Gesundheit und Medizin, aber auch in Umweltforschung, Pflanzen- und Tierzüchtung sowie der Pharma-, Lebensmittel- und weiteren Industrien eine entscheidende Rolle spielt.
Für die Austragung des diesjährigen 27. internationalen Kongresses der ISAC in Leipzig hat das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst eine erhebliche finanzielle Unterstützung gewährt.

Ines Christ


Weitere Informationen:
PD Dr. Attila Tarnok
Telefon: +49 341 865-2430
E-Mail: tarnok@medizin.uni-leipzig.de

Susann Huster | idw
Weitere Informationen:
http://www.herzzentrum-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Aids Attila CYTO Erbgut Weltspitze Zelle Zytometrie Zytometriker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht
22.03.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Über Raum, Zeit und Materie
22.03.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neurone am Rande der Katastrophe: Wie das Gehirn durch kritische Zustände effizient arbeitet

23.03.2017 | Seminare Workshops

Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen

23.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz