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Weltherztag: Wie gefährlich ist Vorhofflimmern?

22.09.2008
Ein Fünftel aller Schlaganfälle wird durch Vorhofflimmern verursacht. Diese Zahl zeigt, wie gefährlich die Rhythmusstörung sein kann, wenn sie nicht behandelt wird.

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern informiert deshalb zum Weltherztag am 28. September, der diesmal unter dem Motto "Kennen Sie Ihr Risiko!" steht, über die Gefahren, die mit Vorhofflimmern verbunden sind.

Erhöhtes Schlaganfallrisiko
Vorhofflimmern ist die häufigste behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung. In Deutschland sind rund eine Million überwiegend ältere Menschen betroffen, Tendenz steigend. Die Rhythmusstörung ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, kann aber zu schwerwiegenden Komplikationen führen, insbesondere zum Schlaganfall. Während des Flimmerns ist die Pumpfunktion in den Herzvorhöfen eingeschränkt, so dass sich dort Blutgerinnsel bilden können. Wird ein solches Gerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült, kann es dort ein Gefäß verstopfen und so zum Schlaganfall führen. Deshalb sind in vielen Fällen Medikamente zur Blutverdünnung nötig, um das Schlaganfallrisiko zu reduzieren (antithrombotische Therapie).
Der CHADS2 Score
Wie hoch das Schlaganfallrisiko eines Vorhofflimmerpatienten ist, hängt von seinen individuellen Risikofaktoren ab. Ein Hilfsmittel zur Abschätzung des Schlaganfallrisikos ist der sogenannte CHADS2 Score, der auch in den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie empfohlen wird. Dabei stehen die Buchstaben CHADS für die einzelnen Risikofaktoren: C = chronic heart failure (strukturelle Herzerkrankung, die zu Herzmuskelschwäche führt), H = Hypertonie (Bluthochdruck), A = Alter über 75 Jahre, D = Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), S = Schlaganfall. Während C, H, A und D jeweils mit einem Punkt bewertet werden, zählt ein bereits erlittener Schlaganfall doppelt (S2). Nach der Höhe des CHADS2 Scores richtet sich die antithrombotische Behandlung. Liegen keine Risikofaktoren vor (Score 0 ), empfehlen die Leitlinien eine Blutverdünnung mit Acetylsalicylsäure (ASS), wenn überhaupt. Bei hohem Schlaganfallrisiko (Score größer als 1) sollte dagegen eine Blutverdünnung mit beispielsweise Marcumar erfolgen. Bei Patienten mit moderatem Risiko (Score 1) liegt die Art der antithrombotischen Behandlung im Ermessen des Arztes.
Rechtzeitige Behandlung
Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche oder Zuckerkrankheit sind nicht nur Risikofaktoren für einen Schlaganfall, sondern auch für das Vorhofflimmern selbst. Die Behandlung von Vorhofflimmerpatienten konzentriert sich deshalb neben der Blutverdünnung vor allem auf die Therapie der zugrundeliegenden Erkrankungen. Dadurch kann in vielen Fällen der normale Herzrhythmus erhalten bzw. wieder hergestellt werden, was wiederum zu einer Senkung des Schlaganfallrisikos beiträgt.

Experten schätzen, dass es eine hohe Zahl von Betroffenen gibt, die mit Vorhofflimmern leben, ohne es zu wissen. Nicht selten macht sich die Rhythmusstörung erst durch Komplikationen, in schweren Fällen durch einen Schlaganfall, bemerkbar. Wird Vorhofflimmern dagegen rechtzeitig erkannt und behandelt, lassen sich solche Folgeschäden in vielen Fällen vermeiden. "Untersuchungsprogramme zur Früherkennung gefährdeter Bevölkerungsgruppen, also von Menschen über 50 Jahren, insbesondere mit Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit oder Herzmuskelschwäche, sind daher eine wichtige Aufgabe für die Zukunft" erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Breithardt, Sprecher des Kompetenznetzes Vorhofflimmern und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik C - Kardiologie und Angiologie - am Universitätsklinikum Münster.

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern
Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) ist ein interdisziplinäres bundesweites Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen zusammenarbeiten, um die Behandlung und Versorgung von Vorhofflimmerpatienten zu verbessern. Das Netzwerk besteht seit 2003 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern hat ein bundesweites Register mit mehr als 10.000 Patienten aufgebaut, die zurzeit noch über mehrere Jahre nachbeobachtet werden. Von dieser umfangreichen Datensammlung verspricht man sich ein detailliertes Bild über die Krankheit Vorhofflimmern und den aktuellen Stand der Behandlung und Versorgung in Deutschland. So sollen die Registerdaten unter anderem Aufschluss darüber geben, ob die antithrombotische Behandlung in Deutschland leitliniengerecht durchgeführt wird.

Darüber hinaus führt das Kompetenznetz Vorhofflimmern mehrere multizentrische klinische Studien durch, in denen verbesserte Behandlungsmethoden - von neuen medikamentösen Therapien über die Katheterablation bis hin zur Schrittmacherbehandlung - bewertet werden. Diese Studien laufen zurzeit noch und werden in den nächsten ein bis zwei Jahren abgeschlossen. Grundlagenforscher aus dem Kompetenznetz Vorhofflimmern haben neue Erkenntnisse über die genetischen und molekularbiologischen Ursachen des Vorhofflimmerns gewonnen. Diese Ergebnisse sollen mittelfristig auch in Therapieverfahren einfließen.

Der Weltherztag
Der Weltherztag wird seit 1999 jedes Jahr von der World Heart Federation organisiert, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die Risiken von Herzerkrankungen und Schlaganfall zu lenken und präventive Maßnahmen zu fördern.
Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET)
Netzwerkzentrale am Universitätsklinikum Münster
Domagkstraße 11, 48149 Münster
Tel: 0251-83-45341, Fax: 0251-83-45343
info@kompetenznetz-vorhofflimmern.de
Pressekontakt:
Dr. Angelika Leute, Tel: 0202-2623395, Angelika.leute@ukmuenster.de

Dr. Angelika Leute | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de

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