Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welt-Diabetes-Tag am 14.11.2013: Ist das menschliche Fettgewebe verantwortlich für Diabetes?

13.11.2013
Starkes Übergewicht (Adipositas) erhöht das Risiko beträchtlich, an Diabetes zu erkranken. Deshalb führt die steigende Zahl der Menschen mit Adipositas hierzulande auch zu immer mehr Diabetikern.

Dennoch haben rund 15 Prozent der adipösen Frauen und Männer trotz überschüssiger Kilos einen gesunden Stoffwechsel. Wissenschaftler haben erkannt, dass die Funktion und Verteilung des Fettgewebes stark mitentscheidet, wer Diabetes bekommt.

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen an der Leipziger Universitätsmedizin untersucht die noch wenig bekannten Prozesse im Fettgewebe. Anlässlich des Weltdiabetestages bietet es einen Einblick in die Fettgewebsforschung.

Runder Po ist besser als runder Bauch

"Vor allem die bauchbetonte Adipositas ist mit einem erhöhten Risiko für Diabetes und Herzkreislauferkrankungen verbunden", erläutert IFB-Wissenschaftler Prof. Matthias Blüher. Neben dem Bauch- oder viszeralen Fett, kommt es auch zu Fettablagerungen in Leber, Muskeln und der Bauchspeicheldrüse. Diese Fettverteilung geht meist einher mit einer nachlassenden Wirkung von Insulin in den Körperzellen. So entwickelt sich eine Insulinresistenz und in der Folge ein Diabetes mellitus Typ 2.

Krankmachende Prozesse im Fettgewebe

"Gerade im Fettgewebe des Bauchraums kommt es zu verschiedenen Fehlfunktionen der Fettzellen und der zellulären Zusammensetzung, die letztlich krank machen", so Blüher. Forscher konnten im Fettgewebe adipöser Menschen mit Diabetes vergrößerte Fettzellen, entzündliche Prozesse sowie eine gestörte Ausschüttung von Fettgewebshormonen nachweisen. Auslöser für diese Fehlfunktionen des Fettgewebes bei Adipositas könnte in der mangelhaften Versorgung des Fettgewebes mit Blut und Sauerstoff liegen.

Die entzündlichen Prozesse vor allem im viszeralen Fettgewebe begünstigen die Entwicklung einer Insulinresistenz, Arteriosklerose und Fettleber. Sie führen zu einer Überschwemmung mit Makrophagen, also mit Immunzellen die normalerweise Erreger bekämpfen. IFB-Wissenschaftler konnten zeigen, dass hohe Spiegel des Hormons Progranulin, auf diese ansonsten schwer nachweisbaren Entzündungszeichen hinweist. Durch eine Progranulin-Messung im Blut könnten Risikopatienten also früher erkannt und behandelt werden.

Hormone aus dem Fettgewebe

Das Fettgewebe produziert verschiedene Eiweißhormone (Adipokine), die in Immunabwehr und Stoffwechsel aktiv sind. Adipokine spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation der Insulinempfindlichkeit, des Appetits und der Sättigung, des Energiestoffwechsels, aber auch von Entzündungsreaktionen im Körper. Deshalb ist das Fettgewebe Teil des menschlichen Immun- und Hormonsystems. So beeinflusst etwa das Adipokin Leptin den Stoffwechsel und Energie¬verbrauch und senkt das Hungergefühl; Adiponektin wirkt positiv auf den Zuckerstoffwechsel und ist wahrscheinlich antientzündlich. Bei Adipositas kann die Ausschüttung solcher Hormone gestört sein, was die Entwicklung von Stoffwechsel- und Herzkreislauferkrankungen begünstigt.

Diabetestherapie aus dem Fettgewebe?

Fettgewebsforscher sehen im Adipokin Vaspin einen möglichen Ansatzpunkt für ein neues Medikament, da sich in Tiermodellen zeigte, dass es erhöhte Blutzuckerspiegel senkt. Dr. John Heiker vom Institut für Biochemie, einem Kooperationspartner des IFB, entschlüsselte den Wirkmechanismus von Vaspin: Es verbessert den Zuckerstoffwechsel bei einer Insulinresistenz, indem es u. a. ein Enzym (Protease) hemmt, das Insulin abbaut. Heiker erhielt für diese Arbeiten den Friedrich-Weygand-Preis des Max-Bergmann-Kreises.

"Die Fettgewebeforschung eröffnet viele Chancen. Bisher gibt es nämlich noch keine pharmakologischen Therapieansätze, die die Fehlfunktion des Fettgewebes direkt beeinflussen können. Ein großer Vorteil für die Fettgewebeforschung in Leipzig ist die bundesweit größte Fettgewebebank an der Universitätsmedizin, gefördert vom Bundesforschungsministerium", unterstreicht Prof. Michael Stumvoll, wissenschaftlicher Leiter des IFB AdipositasErkrankungen.

Hintergrundinformation zum IFB: Das IFB AdipositasErkrankungen ist eines von acht Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Es ist eine gemeinsame Einrichtung der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig (AöR). Ziel der Bundesförderung ist es, Forschung und Behandlung interdisziplinär so unter einem Dach zu vernetzen, dass Ergebnisse der Forschung schneller als bisher in die Behandlung adipöser Patienten integriert werden können. Am IFB AdipositasErkrankungen gibt es derzeit über 40 Forschungsprojekte. Zur Patientenversorgung stehen eine IFB AdipositasAmbulanz für Erwachsene und eine für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Das IFB wird das Feld der Adipositasforschung und -behandlung in den nächsten Jahren kontinuierlich ausbauen. (Doris Gabel)

Kontakte:
Prof. Dr. Michael Stumvoll
Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen
Telefon: +49 341 97-13380
Doris Gabel
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit IFB
Telefon: +49 341 97-13361
E-Mail: presse@ifb-adipositas.de

Diana Smikalla | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.welt-diabetes-tag.de
http://www.ifb-adipositas.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“
15.12.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor
15.12.2017 | inter 3 Institut für Ressourcenmanagement

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik