Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welchen Unterschied machen die Gene?

05.01.2017

Forschungsgruppe am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld stellt Ergebnisse vor

Welche Rolle spielt die genetische Ausstattung für die Lebenschancen eines Menschen? Und welche Rolle spielen soziale Bedingungen? Ein Jahr lang haben sich internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld mit genetischen und sozialen Ursachen von Lebenschancen befasst. Die ZiF-Forschungsgruppe präsentiert und diskutiert ihre Ergebnisse nun auf ihrer Abschlusstagung von Montag bis Mittwoch, 9. bis 11. Januar.


Die Professoren Dr. Martin Diewald (links) und Dr. Rainer Riemann leiten die Forschungsgruppe zum Thema Lebenschancen.

Foto: Universität Bielefeld/ N. Junghof

Die Tagung am ZiF trägt den Titel „Genetic and social causes of life chances: High ambitions and a realistic outlook” (Genetische und soziale Chancen von Lebenschancen: große Ziele und ein realistischer Ausblick).

„Neuere Forschungen belegen, dass soziale Ungleichheiten, soziale Mobilität und soziale In-tegration ebenso substantiell genetisch beeinflusst sind wie Persönlichkeitseigenschaften und Fähigkeiten“, sagt der Psychologe Professor Dr. Rainer Riemann von der Universität Bielefeld. Er leitet die ZiF-Forschungsgruppe zusammen mit dem Soziologen Professor Dr. Martin Diewald, ebenfalls Universität Bielefeld. Die sozialwissenschaftliche Forschung folge derzeit noch weitgehend der „Tabula rasa“-Metapher – der Idee, dass der Mensch als unbeschriebenes Blatt auf die Welt kommt, sagt Diewald. Er rät, auf diese Metapher zu verzichten und die genetischen Einflüsse für die Erklärung von Lebenschancen zu berücksichtigen.

Um zu ergründen, wie genetische und soziale Ursachen zusammenwirken, haben die beiden Wissenschaftler im vergangenen Jahr zwölf Fellows aus Genetik und Sozialwissenschaften, Psychologie und Philosophie am ZiF zusammengebracht, rund 40 weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zehn Ländern nahmen an den Veranstaltungen der Forschungsgruppe teil. Fellows nennt das ZiF die Mitglieder seiner Forschungsgruppen, die meist für ein Jahr am ZiF leben und zusammen an ihrem Thema arbeiten.

„Wir haben sehr viel voneinander gelernt“, sagt Diewald, „auch von produktiven Irritationen.“ Zum Beispiel, als die Genetiker darauf hinwiesen, dass relevante Genkonstellationen nur auszumachen sind, wenn auch die soziale Umwelt der Menschen präzise erfasst werden kann. „Die Genetiker haben uns gezeigt, wie sehr sie auch auf unsere Resultate angewiesen sind“, ergänzt Riemann.

Wie Genetik, Sozialwissenschaften, Psychologie und Philosophie voneinander profitieren können, ist ein Thema auf der Abschlusstagung. In weiteren Vorträgen geht es darum, was die Epigenetik – die Steuerung von Genen im Erbgut – für soziale Ungleichheit bedeutet, wie Verhaltensgenetik und Verantwortung zusammenhängen und wie Erziehungsstile, genetische Einflüsse und Umwelteinflüsse die soziale und politische Teilhabe von Menschen beeinflussen.

Das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) – 1968 als „Keimzelle“ der Universität Bielefeld gegründet – fördert herausragende interdisziplinäre und innovative Forschungsprojekte und gilt als Ideengenerator für neue, ungewöhnliche und „riskante“ Forschungsthemen. Das ZiF ist eine unabhängige, thematisch ungebundene Forschungseinrichtung und steht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Länder und aller Disziplinen offen. ZiF-Forschungsgruppen sind längerfristige, interdisziplinäre Projekte und stehen im Mittelpunkt der Arbeit des ZiF. Neben regelmäßigen Arbeitstreffen veranstalten die Forschungsgruppen Konferenzen, Workshops und Vorträge.

Die Tagungssprache ist Englisch. Medienvertreter sind herzlich eingeladen, über die Veranstaltung zu berichten.

Kontakt bei inhaltlichen Fragen:
Dr. Jonas Rees, Universität Bielefeld
Zentrum für interdisziplinäre Forschung
Telefon: 0521 106-12835
E-Mail: jonas.rees@uni-bielefeld.de

Kontakt bei organisatorischen Fragen:
Mo Tschache, Universität Bielefeld
Zentrum für interdisziplinäre Forschung
Telefon: 0521 106-2792
E-Mail: mo.tschache@uni-bielefeld.de

Weitere Informationen:

https://www.uni-bielefeld.de/(de)/ZIF/FG/2015LifeChances/index.html Die ZiF-Forschungsgruppe
https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/pr%C3%A4gen_gene_eig... „Prägen Gene Eigenschaften und soziale Ungleichheit?“ (Pressemitteilung vom 14.10.2015):
http://www.uni-bielefeld.de/Universitaet/Einrichtungen/Pressestelle/dokumente/BI... „Die Gen-Lotterie“ (Forschungsmagazin BI.research 46/2016/17, S. 58)

Jörg Heeren | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Mobile Kommunikations- und Informationstechnik im Einsatz – 11. Essener Tagung
07.02.2018 | Haus der Technik e.V.

nachricht Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks
16.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics