Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weil vorbeugen wichtiger als heilen ist …

18.04.2012
In Mannheim tagen vom 19. bis 21. April die Kinder-Infektiologen

Weit mehr als die Hälfte der jungen Patienten in Kinderkliniken ist dort wegen einer Infektion in ambulanter oder stationärer Behandlung. Klarer lässt sich kaum belegen, wie wichtig es ist, einer ansteckenden Erkrankung vorzubeugen.

Rund 200 Pädiatrische Infektiologen und Kinderärzte treffen sich vom 19. bis zum 21. April 2012 in Mannheim zu Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Den Kongress leitet Priv.-Doz. Dr. med. Tobias Tenenbaum, Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mannheim (UMM).

Ein besonderer Schwerpunkt der diesjährigen Jahrestagung ist die Prävention von Infektionserkrankungen. Erkrankungen, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen, sind beispielsweise Influenza (Grippe), Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Pneumonie (Lungenentzündung). Fragen der Hygiene werden im Zusammenhang mit problematischen – weil antibiotikaresistenten – Keimen angesprochen. So widmet sich eine Podiumsdiskussion dem aktuellen Thema „Ausbrüche multiresistenter Infektionserreger – wie vermeiden, was können wir tun?“.

Ein wichtiges Arbeitsgebiet der Pädiatrischen Infektiologen sind Impfungen, häufig diskutiert im Zusammenhang mit den „typischen“ Kinderkrankheiten Röteln, Masern, Mumps. Zudem werden Daten zu neuen Impfstoffen präsentiert. In Workshops können infektiologische Kenntnisse und Fertigkeiten vertieft werden.

Wenn es um die Prävention geht, also um die Möglichkeiten, einer ansteckenden Kinderkrankheit vorzubeugen, fällt in aller Regel das Stichwort Impfung. Impfungen schützen bekanntlich vor einer Erkrankung, weil das Immunsystem „lernt“, den Krankheitserreger gezielt zu beseitigen. Doch Impfungen stoßen auch auf Vorbehalte in der Bevölkerung. Dazu gehört die Sorge, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit das Kind einen so genannten Impfschaden erleiden kann.

„Der Nutzen einer Impfung übersteigt das Risiko einer schweren Komplikation durch den Impfstoff bei Weitem,“ urteilt Priv.-Doz. Dr. med. Tobias Tenenbaum, Oberarzt an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Mannheim. „Gerade für Kleinkinder ist die Impfung gegen Erreger wie Masern, Mumps und Röteln elementar, denn diese Krankheiten verlaufen eben nicht immer so harmlos, wie viele Leute glauben.“ Masern etwa können bei ungünstigem Verlauf mit einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) einhergehen und dazu führen, dass ein Kind zeitlebens unter Folgeschäden wie Epilepsie oder geistiger Behinderung leidet.

Dass nicht jede Erkältung gleich mit einem Antibiotikum beantwortet werden muss, hat sich bei Eltern inzwischen herumgesprochen. Dr. Tenenbaum: „Dies ist schon deshalb einleuchtend, weil eine Erkältung, ein grippaler Infekt, in der Regel durch Viren hervorgerufen wird. Ein Antibiotikum bekämpft aber Bakterien, und häufig wird es insbesondere dann eingesetzt, wenn es darum geht, dass sich eine bakteriell bedingte Entzündung nicht im ohnehin geschwächten Körper ausbreiten kann.“

Dass Antibiotika dennoch häufig zu unbedacht eingesetzt werden, hat Konsequenzen, die insbesondere für Krankenhäuser zunehmend zu einem Problem werden: Bakterien entwickeln genetische Veränderungen, die sie resistent gegen die eingesetzten Wirkstoffe machen, so dass oft nur noch „Reserveantibiotika“ greifen. Werden wegen einer schwerwiegenden Erkrankung Antibiotika eingesetzt, wird das Gros der Bakterien tatsächlich abgetötet, doch auf dieser – bildlich gesprochen – frisch gemähten Wiese haben solche Bakterien ein leichteres Spiel, die aufgrund der genannten Veränderungen resistent gegenüber den Antibiotika geworden sind.

Der Kampf gegen diese multi-resistenten Erreger ist für die Ärzte ungleich schwerer als der Kampf gegen die „normalen“ Krankheitserreger. Nun ist nahe liegend, dass ein häufiger Einsatz eines Antibiotikums die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass einige Mutationen eines Erregers diesen Einsatz unbeschadet überstehen. „Deswegen liegt uns so viel daran, dass Antibiotika eben wirklich nur dann verordnet werden, wenn sie auch tatsächlich notwendig sind,“ sagt Professor Schroten. Sofern die weitere ärztliche Beobachtung den Verdacht einer bakteriellen Infektion nicht bestätige, müssten Antibiotika nicht weiter verordnet werden. Ein frühzeitiges Absetzten von Antibiotika begünstige nicht, wie oft angenommen, dass sich Bakterienstämme verändern und sich Resistenzen entwickeln – im Gegenteil: Würden sie unnötig lange eingesetzt, könnten genau diese Effekte eintreten. Die Umsetzung einer solcher Vorgehensweise wird in sogenannten „Antibiotic stewardship Programmen“ verfolgt.

Die Pädiatrische Infektiologie ist ein Teilgebiet der Pädiatrie, umgangssprachlich: der Kinderheilkunde. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) behandelt pro Jahr rund 5.000 Patienten im Alter zwischen Geburt und 18 Jahren. Einer ihrer klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte ist eben diese Pädiatrische Infektiologie; sie gehört zu den wenigen von der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie als der zuständigen Fachgesellschaft zertifizierten Ausbildungszentren für dieses Spezialgebiet – eine Spezialisierung, die deutlich über die Facharztweiterbildung zum Kinderarzt hinausgeht.

Ein der Pädiatrie eng verwandtes Fachgebiet ist die Kinderchirurgie, deren Schwerpunkt Operationen bei Kindern dieser Altersgruppe sind. Beide Kliniken sind in der UMM unmittelbar benachbart und als Kinderzentrum zusammengefasst. Gemeinsam betreiben sie zum Beispiel die Kinder-Intensivstation.

Klaus Wingen | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgpi2012.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit