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Weckruf für einen dämmernden Riesen

25.11.2010
„Energiebewusstes Nutzerverhalten in Verwaltungen, Organisationen und Unternehmen“ – Tagung von Ruhr-Universität Bochum, Technischer Akademie Wuppertal und EnergieAgentur.NRW

Weit über 200 Aktionswochen der EnergieAgentur.NRW in Bürogebäuden unterschiedlicher Größe führen seit 1999 regelmäßig zu einer Reduzierung des wöchentlichen Stromverbrauchs um bis zu 15 Prozent – aufgrund eines sensibleren Verhaltens der Beschäftigten.

Die „mission E“, eine bundeswehrweite Motivationskampagne, hat in den Jahren 2007 bis 2009 zu einer Reduzierung des Strom- und Wärmeverbrauchs der Bundeswehr um rund 914 Mio. Kilowattstunden geführt. Für den Bereich der Fachhochschulen und Universitäten belegt das von der Ruhr-Universität Bochum entwickelte Projekt „change“ eindrucksvoll, dass der Mensch durch sein Verhalten den Energieverbrauch auch größerer Liegenschaften spürbar reduzieren kann – ohne hohe Investitionen und ohne Komforteinbußen für die Beschäftigten.

Diese Aufzählung von Projekten, mit denen es gelungen ist, die Nutzer für ein energiebewussteres Verhalten am Arbeitsplatz zu sensibilisieren, ließe sich gewiss fortführen – allerdings nicht beliebig, denn: „Das energiebewusste Nutzerverhalten ist eine vergessene Säule des Klimaschutzes, ein Bereich, der in den letzten Jahren vernachlässigt wurde“, konstatierte Udo Paschedag, Staatssekretär im NRW-Klimaschutzministerium, anlässlich der Tagung „Faktor Mensch. Energiebewusstes Nutzerverhalten in Verwaltungen, Organisationen und Unternehmen“ in der Historischen Stadthalle Wuppertal. Paschedag weiter: „Die Energiekosten sind heute deshalb so hoch, weil die Menschheit heute mehr Energie verbraucht, als sie tatsächlich benötigt.“

Vor diesem Hintergrund gewinne die Energieeffizienz eine ganz andere Bedeutung: „Wir wollen nicht weniger als eine ökologisch-industrielle Energierevolution in dieser und für diese Energieregion NRW. Deshalb sind die erfolgreichen Instrumente der EnergieAgentur.NRW zur Sensibilisierung und Schaffung von gesellschaftlichem Energiebewusstsein ein wichtiger Baustein.“

Mehrere Referenten beleuchteten in ihren erfahrungsgesättigten Beiträgen dann zunächst den Kontext und grundlegende Aspekte der dauerhaften Nutzermotivation am Arbeitsplatz, bspw. eine am Ziel der Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmensstrategie als Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit der Mitarbeitermotivation, die verschiedenen fachlichen Facetten der Nutzermotivation wie Energietechnik, Psychologie und Kommunikation, das Vermieter-Mieter-Verhältnis, das von Transparenz und Dialog gekennzeichnet sein sollte – sowie die Tatsache, dass Energie in den meisten Fällen nicht bewusst, sondern unbewusst verschwendet wird, weil problematische alltägliche Handlungsroutinen nicht mehr überprüft und an neue Bedingungen angepasst werden und so zu einem erhöhten Energieverbrauch führen.

Ein Punkt, der Dr. Ellen Matthies, Professorin für Umwelt- und Kognitionspsychologie, ganz besonders am Herzen liegt: „Ein Großteil der hier relevanten Verhaltensweisen am Arbeitsplatz sind Routinehandlungen, die unreflektiert täglich wiederholt werden. Solche Verhaltensweisen zu verändern erfordert besondere Maßnahmen, die in der Lage sind, nicht nur das Problembewusstsein, sondern auch die Aufmerksamkeit im Alltag zu erhöhen; dies muss bei der Entwicklung von Maßnahmen stärker berücksichtigt werden“, unterstrich Matthies, die seinerzeit an der Ruhr-Universität Bochum das Projekt „change“ entwickelte und jüngst einen Ruf an die Universität Trondheim (Norwegen) angenommen hat.

An dieses theoretische Rüstzeug und die grundlegenden Reflexionen knüpften die Beiträge der Referenten an, die in ihren Präsentationen und Berichten zu umgesetzten Praxisprojekten weitere Erfolgsfaktoren der dauerhaften Nutzermotivation identifizierten, beispielsweise klare Arbeits- und Entscheidungsstrukturen sowie motivierte Multiplikatoren. So zitierte Georg Meyer von der Sparkasse Neuss in seinem Vortrag den Philosophen Ernst Bloch: „Man muss in das Gelingen verliebt sein, nicht in das Scheitern.“ Abschließend diskutierten Teilnehmer und Referenten auf dem Podium die Hemmnisse und Blockaden der Nutzermotivation – sowie die Frage, was sich dagegen ausrichten lässt, um den dämmernden Riesen „Faktor Mensch“ endgültig zu wecken und der vergessenen Säule des Klimaschutzes künftig einen prominenteren Stellenwert einzuräumen.

Die von Thomas Heyer (WDR) moderierte Fachtagung „Faktor Mensch“ wurde von der EnergieAgentur.NRW, der Technischen Akademie Wuppertal (TAW) und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ausgerichtet. Ein Block von fünf Beiträgen dieser Veranstaltung bildete die offizielle Abschlussveranstaltung des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes „change“ der RUB.

Dr. Joachim Frielingsdorf | EnergieAgentur.NRW
Weitere Informationen:
http://www.energieagentur.nrw.de

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