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Warnung vor Überdiagnostik und -therapie bei Gefäßleiden

05.03.2009
Norddeutsche Gefäßmediziner tagen ab Freitag in Hamburg

Mit der Abstimmung gemeinsamer diagnostischer und therapeutischer Konzepte für die Arterielle Verschlusskrankheit (AVK) und die Behandlung chronischer Wunden wollen Gefäßmediziner mehrerer Fachrichtungen am Wochenende in Hamburg einen Beitrag leisten, Patienten und Kostenträger vor Überaktivismus zu schützen und die zielgerichtete Diagnostik und Therapie dieser Krankheiten zu fördern.

Unter dem provokanten Leitthema "Was machen wir zuviel?" treffen sich Angiologen, Phlebologen, Radiologen, Gefäßchirurgen sowie Kardiologen und Neurologen ab Freitag zu den 16. Hamburger Gefäßtagen und dem Gründungskongress der Vereinigung Norddeutscher Gefäßmediziner (NGM) im Hotel Hafen Hamburg.

Tagungspräsident ist Dr. Peter Breuer, Chefarzt der Gefäßchirurgie und des Gefäßzentrums Ost an der Asklepios Klinik Wandsbek.

Hintergrund:
Durch den technischen Fortschritt hat sich jeweils ein ganzes Spektrum diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten bei Durchblutungsstörungen entwickelt: Die konventionelle Röntgendiagnostik wurde um andere bildgebende Verfahren wie farbkodierten Ultraschall, Magnetresonanz- und Computertomographie erweitert. In jedem speziellen Fall gibt es jeweils den richtigen, den Patienten am wenigsten belastenden und am schnellsten zur richtigen Diagnose führenden Weg. In der Therapie von Durchblutungsstörungen bildet das erlernte systematische Gehtraining (Gefäßsport) noch immer die Basis. Daneben stehen neue, sehr effektive Medikamente zur Verfügung, die Technik brachte Weiterentwicklungen der klassischen "Ballon-Angioplastie" (Aufdehnen von Engstellen der Blutgefäße) hervor, und auch die Chirurgie blieb nicht stehen: Bei so genannten "Hybrid-Operationen" werden bewährte gefäßchirurgische Verfahren wie die Bypass-Anlage mit endovaskulären Methoden, bei denen die Gefäße von innen behandelt werden, kombiniert.

"Zu viel wird in der Behandlung vor allem dann gemacht, wenn zu früh schon "alles Pulver verschossen" wird", warnt Tagungspräsident Dr. Peter Breuer: "Bei zunehmender Lebenserwartung der Menschen werden so Behandlungsmethoden, die sich nicht beliebig oft wiederholen lassen, bereits im mittleren Lebensalter eingesetzt." Gleichzeitig werde bei manchem Patienten der Eindruck erweckt, er könne ohne Konsequenzen weiterhin rauchen, sich ungesund ernähren und auf Bewegung verzichten. Die Hamburger Tagung solle deshalb ein Bewusstsein für die langfristigen Konsequenzen therapeutischen Handelns fördern, so Breuer. Im Gefäßzentrum Ost hat er dafür spezielle Konferenzen mit niedergelassenen Gefäß- und Herzspezialisten ins Leben gerufen, die gemeinsam langfristig wirkende Behandlungspläne "aus einem Guss" für jeden einzelnen Patienten entwickeln, statt nur auf kurzfristig wirksame vermeintliche Therapieerfolge abzuzielen.

Vereinigung Norddeutscher Gefäßmediziner e.V.:
Mit der Gründung der Vereinigung Norddeutscher Gefäßmediziner e.V. mit Sitz in Hamburg hatten sich im vergangenen August erstmals in der Geschichte der Medizin alle an der Therapie von Gefäßerkrankungen beteiligten Fachgebiete zu einer einheitlichen Organisation zusammengeschlossen. Die entstandene Vereinigung greift die Idee der interdisziplinär organisierten Gefäßzentren auf, die eine ganzheitliche und organbezogene Behandlung von Gefäßpatienten anstreben. In solchen Zentren stehen alle Methoden zur Verfügung und werden auf den Patienten und seine individuelle Lebenssituation maßgeschneidert angewendet, was dem Patienten langfristig hilft, darüber hinaus Kosten für überflüssige Diagnostik und zu früh angewendete, aufwendige Therapieformen spart. Sie vereint unter ihrem Dach alle an Diagnostik und Therapie von Gefäßkrankheiten beteiligten Fachdisziplinen aus Klinik, Praxis und Forschung.

Damit bekommen die bereits seit 16 Jahren stattfindenden traditionellen Norddeutschen Gefäßtage ein neues Gesicht: Sie repräsentieren künftig auch den Jahreskongress der neuen Vereinigung in Hamburg, um Gefäßerkrankungen künftig auch interdisziplinär zu diskutieren.

Jens Oliver Bonnet | idw
Weitere Informationen:
http://www.ngm-ev.de

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