Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wärmepumpenanlagen - Fachtagung stellt Betriebsergebnisse aus der Praxis vor

17.12.2008
Heizen und Kühlen von Gebäuden mit oberflächennahen geothermischen Energiequellen ist das traditionelle Kernthema des Geothermietages, der Ende November zum 5. Mal an der Hochschule Biberach stattfand.

Neue gesetzliche Anforderungen an den Einsatz regenerativer Energien bei der Gebäudebeheizung haben die tatsächliche Effizienz und Energieeinsparung erdgekoppelter Wärmepumpenanlagen in den Fokus gerückt.

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag deshalb auf praktischen Betriebsergebnissen von ausgeführten Wärmepumpenanlagen, ergänzt um die Darstellung innovativer Gebäude- und Technologiekonzepte mit oberflächennaher Geothermie im In- und Ausland.

Die Hochschule Biberach bietet die Fachtagung in Kooperation mit der Bauakademie Biberach, der Energieagentur Biberach sowie der EnBW Regional AG in Biberach an, unterstützt wird sie vom Wirtschaftsministerium sowie der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg und der Geothermischen Vereinigung.

Der Eröffnungsvortrag von Alexander Knirsch (Transsolar, Stuttgart) entführte die Zuhörer nach Winnipeg, Kanada, wo der Verwaltungsneubau des Energieversorgers Manitoba Hydro derzeit in Betrieb geht. Eine besondere Herausforderung bei der Entwicklung des gebäudeklimatischen und energetischen Konzeptes dieses Hochhauses bestand in der Reaktion auf das extreme Außenklima, welches von kalten Wintern und heißen Sommern mit Temperaturen zwischen minus und plus 35 °C geprägt ist. Neben einer doppelschaligen Fassade, einer hybriden Lüftung sowie thermisch aktivierten Betondecken kommt bei dem Gebäude eine durch Gaskessel unterstützte Wärmepumpenanlage zum Einsatz, die im Sommer als Kältemaschine fungiert. Die zugehörige geothermische Quellenanlage umfasst 288 Erdwärmesonden mit einer Bohrtiefe von je 122 m, die auf 8000 m² Grundfläche größtenteils unter dem Gebäude angeordnet und auf eine geothermische Gesamtleistung von knapp 2 MW ausgelegt sind.

"Geothermie in Wasserschutzgebieten: Wasserrecht versus Klimaschutz" lautete der Titel des Vortrages von Dr. Erich Mands (UBeG, Wetzlar), in welchem er auf das Konfliktpotenzial zwischen Grundwasserschutz und Klimaschutz durch die derzeit heterogene Genehmigungspraxis für erdgekoppelte Wärmepumpenanlagen in der Bundesrepublik einging. Als großes Ziel nannte er die Vereinheitlichung der einschlägigen Landes- Leitfäden zu einem bundesweit geltenden Werk. Dieser Vortrag wurde intensiv und z. T. kontrovers diskutiert, da in einigen Punkten, z. B. hinsichtlich des optimalen Bohrlochdurchmessers, noch kein Konsens in der Fachwelt besteht.

Ergebnisse von Feldtests zur tatsächlich erreichten Energieeffizienz von Heizungswärmepumpen wurden in zwei Vorträgen vorgestellt. Peter Hubacher aus Engelburg (CH) berichtete, dass in der Schweiz inzwischen über 75 % aller neu gebauten Einfamilienhäuser mit einer Wärmepumpe ausgestattet werden. Die in der Schweizer FAWA-Studie gemessenen Jahresarbeitszahlen (Verhältnis von gelieferter Wärme zu Stromaufwand inkl. Pumpenstrom) betrugen für Luft-Wasser-Wärmepumpen im Durchschnitt 2,6, bei erdgekoppelten Wärmepumpenanlagen dagegen 3,4. Ähnliche, wenngleich etwas niedrigere Werte lieferte der wesentlich kleinere Feldtest am Oberrhein der Lokalen Agenda 21 in Lahr mit einer durchschnittlichen Jahresarbeitszahl von 3,1 für erdgekoppelte Wärmepumpenanlagen.

Ebenso wie sein Vorredner, verwies Rigobert Zimpfer (Ortenauer Energieagentur, Offenburg) auf die große Bedeutung der Qualitätssicherung derartiger Anlagen.

Über den Stand der Technik und aktuelle Projekte der direkten Nutzung oberflächennaher Geothermie mit Luft-Erdreichwärmeübertragern berichtete Volker Liebel (Rehau, Erlangen). Im Gegensatz zu Sole-Erdreichkollektoren dürfen Luft-Erdreichwärmeübertrager überbaut werden und sparen so Platz.

Dass bei dieser Anordnung auch bei Großanlagen ca. 50 % Heizenergie zur Lufterwärmung eingespart werden können, zeigen Betriebsergebnisse an einem Supermarkt in Polen.

Die Ergebnisse des Monitorings und der Betriebsoptimierung des Neubaus der Gebhard-Müller-Schule durch die Hochschule Biberach stellte Prof. Dr.-Ing. Roland Koenigsdorff vor. Die wissenschaftliche Begleitung des Gebäudes initiierte Verbesserungen im Anlagenbetrieb, durch die im dritten Betriebsjahr

30 % Primärenergie für die Raumkonditionierung gegenüber dem ersten Betriebsjahr eingespart werden konnten. Dies ist zum großen Teil auf die Optimierung des Betriebs der Wärmepumpe und des daran angeschlossenen Grundwasserbrunnens zurückzuführen. Dieses Projekt zeigt, dass neben einer entsprechenden Qualität von Planung und Ausführung auch die kontinuierliche Überwachung der Energieeffizienz von Geothermie- und Wärmepumpenanlagen wichtig ist.

Anlässlich der Fertigstellung des neuen Verwaltungsgebäudes des Regionalzentrums Oberschwaben der EnBW Regional AG in Biberach endete die Tagung mit einer Führung durch diesen Neubau. Das Gebäude wird bivalent mit einer Wärmepumpe und Gaskesseln beheizt. Die Wärmepumpe wird von einem aus 36 Erdwärmesonden bestehenden Sondenfeld geothermisch versorgt, welches im Sommer zur direkten Kühlung der Bürobereiche über thermoaktive Decken dient. In der begleitenden Fachausstellung präsentierten sich Unternehmen und Institutionen mit zusätzlichen Informationen und Angeboten zur oberflächennahen Geothermie. Eine CD mit den Vortragspräsentationen sowie dem Abschlussbericht des Monitoring-Projektes der Gebhard-Müller-Schule Biberach ist bei der Bauakademie Biberach erhältlich.

Mit rund 170 Teilnehmern erfreue sich der Biberacher Geothermietag weiterhin großem Zulauf, das Thema treffe die aktuellen Anforderungen in der Praxis, so Seminarleiter Prof. Koenigsdorff. Der 6. Biberacher Geothermietag ist für Ende 2009 geplant. Bereits im März (11. und 12. 3. 09) findet das 10.

Biberacher Forum Gebäudetechnik an der Hochschule Biberach statt, das u.a. das Thema Wärmepumpen aus gebäudetechnischer Sicht weiter vertiefen wird.

Text: Prof. Dr.-Ing. Roland Koenigsdorff

Anette Schober-Knitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bauakademie-biberach.de
http://www.hochschule-biberach.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis
21.04.2017 | Gesellschaft für Informatik e.V.

nachricht Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte
21.04.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten