Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verringerung der Infarkt-Sterblichkeit um 70 Prozent durch moderne Herz-Medizin

11.04.2012
Die Fortschritte der modernen Herzmedizin haben zu einer Verringerung der Infarkt-Sterblichkeit um etwa 70 Prozent in den vergangenen drei Jahrzehnten geführt.

Große Bedeutung haben dabei die schonenden Eingriffe der „interventionellen Kardiologie“ wie implantierbare Geräte oder Diagnosen und Therapien mittels Katheter, die ein Schwerpunktthema der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim sind. Neue Verfahren werden immer schonender und genauer.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Kardiologie haben zu einer Verringerung der Infarkt-Sterblichkeit („Mortalität“) um 70 Prozent innerhalb der letzten 30 Jahre geführt. Im Mittelpunkt von Forschung und Fortschritt stehen die Patienten, ihnen kommen die modernen Entwicklungen unmittelbar zu Gute, so Prof. Dr. Ellen Hoffmann (Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin, Städtisches Klinikum München), Tagungspräsidentin der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Von Mittwoch bis Samstag (11. bis 14. April 2012) diskutieren in Mannheim rund 7500 Teilnehmer aus etwa 25 Ländern aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen der Kardiologie.

Durch Forschung und Entwicklung haben sich die interventionellen, also minimalinvasiv – und deshalb besonders schonend – in den Körper eingreifenden kardiovaskulären Therapien in den vergangenen Jahren rasant entwickelt, und sind auch das Schwerpunktthema der DGK-Jahrestagung. Zwei Beispiele: „Der plötzliche Herztod kann heute mittels moderner Defibrillatoren abgewendet werden und Krankheitsursachen können interventionell mittels Herzkatheter behoben werden“, so Prof. Hoffmann.

Fortschritte bei der Kardiale Resynchronisationstherapie mittels implantiertem Gerät

Neue Entwicklungen im Bereich der CRT-Therapie (Kardiale Resynchronisationstherapie mittels implantiertem Gerät) sind auf dem Vormarsch. Bei schwerer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) kommt es häufig zu Störungen des Reizleitungssystems, was zu unkoordinierter Kontraktion der Herzkammern und zur weiteren Leistungseinschränkung führt. Prof. Hoffmann: „Mit einer zusätzlichen dritten Sonde kann die Erregung resynchronisiert und somit die Symptomatik des Patienten und die Sterblichkeit gebessert werden. Telemonitoring-Verfahren bieten uns heute die Möglichkeit, die Therapie frühzeitig anzupassen und somit unnötige Krankenhausaufenthalte zu verhindern.“

Mehrpolige linksventrikuläre Sonden können die Resynchronisation durch Auswahl des optimalen Stimulationsorts verbessern. Neue Technologien, um drahtlos im linken Ventrikel (Herzkammer) ohne zusätzliche Sonde zu stimulieren, befinden sich in klinischer Erprobung und könnten vielleicht in Zukunft den Schrittmacherbereich revolutionieren, so Prof. Hoffmann.

Bessere Lebensqualität und verlängerte Lebenszeit durch Katheter-geführte Aortenklappen-Implantation

Besonders ältere Menschen mit schwerer Aortenklappen-Stenose (Verengung) und mit Begleiterkrankungen („Komorbiditäten“), für die eine herzchirurgische Therapie nicht in Frage kommt, können von der transkutanen Katheter-geführten Aortenklappen-Implantation (TAVI) profitieren. Prof. Hoffmann: „Diese Patienten, die zuvor keine Behandlungsperspektive und eine schlechte Prognose hatten, kann durch eine Katheterintervention wieder gute Lebensqualität und verlängerte Lebenszeit gegeben werden.“

Kälte statt Hitze? Neue Wege bei der Ablation von Herzrhythmusstörungen.

Auch bei der so genannten Ablation von Herzrhythmusstörungen schreitet die Entwicklung interventioneller Verfahren voran. Bei der herkömmlichen Ablation von Vorhofflimmern wird hochfrequenter Strom an der Stelle innerhalb des Herzens abgegeben, an der die Rhythmusstörung entsteht. Das Gewebe stirbt ab und wird durch elektrisch nicht aktives Narbengewebe ersetzt. Prof. Hoffmann: „Neue Kathetertechniken können die Effizienz und Sicherheit erhöhen. Neue Ablationskatheter helfen dabei den Anpressdruck zu überwachen, visuell geführte Verfahren wie die Laserballon-Ablation müssen noch zeigen, wie sicher und effektiv sie in einem Real-World-Szenario sind. Der Cryoballon als neues Ablationsverfahren mittels Kälte ist bereits in der Anwendung etabliert. Durch die Entwicklung des simultanen zirkulären Mappingkatheters konnte das Verfahren weiter verbessert werden. Dieses neue Verfahren wird derzeit in der kontrollierten Studie „Fire and Ice“ unter der Leitung von Prof. Dr. Karl-Heinz Kuck und in der Registerstudie „FREEZE Cohort Study“ unter meiner Leitung mit dem Standardverfahren der Radiofrequenzablation verglichen und überprüft.“

Mehr Sicherheit und weniger Strahlung durch moderne Bildgebung

Wenn es um Sicherheit geht, sind auch die kardiale Bildgebung und 3D- Mapping-Verfahren bei der Ablation von Herzrhythmusstörungen von Bedeutung. Die Rotationsangiographie ermöglicht die genaue Planung der Ablation, und das in einer hohen Geschwindigkeit. Neue integrative 3D-Verfahren, die in die konventionelle Durchleuchtung eingebunden werden können, erleichtern die anatomische Vorstellung mit dem Ziel, Strahlung einzusparen.

Optimaler Einsatz durch evidenzbasierte Medizin

„Der Umgang mit diesen innovativen interventionellen Verfahren setzt einen rationalen, effizienten Einsatz voraus“, so Prof. Hoffmann. „Neben Kosteneffektivitätsanalysen und qualitätssichernden Maßnahmen hat die evidenzbasierte Medizin (EBM) einen hohen Stellenwert. Die Sicherheit und der Nutzen für die Patienten, der Akut- und Langzeit-Erfolg müssen besonders gut nachgewiesen werden. Das wird durch den konsequenten Einschluss der Patienten in klinische Studien und Register gesichert. Die EBM ermöglicht die Abwägung zwischen Kosten und Nutzen und ist ein wichtiger Baustein der modernen Medizin.“

Kontakt:
Pressestelle der DGK
Achenbachstraße 43
40237 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 600692 - 51
Fax: 0211 / 600692 - 10
Prof. Dr. Eckart Fleck (Pressesprecher, Berlin)
E-Mail: fleck@dhzb.de
Christiane Limberg (Pressereferentin, Düsseldorf)
E-Mail: limberg@dgk.org
Während des Kongresses:
Kongress-Pressebüro: 0621 / 4106 – 5002
B & K Medien- und Kommunikationsberatung: 0049-(0)621-41065005; Büro Berlin 0049-(0)30-700159676

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit knapp 8000 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa.

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern
08.12.2017 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter
07.12.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

11.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Jenaer Wissenschaftler für Prostatakrebs-Forschung ausgezeichnet

11.12.2017 | Förderungen Preise

Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt

11.12.2017 | Biowissenschaften Chemie