Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

VDI Themenradar Automobil: Fahrerassistenzsysteme

18.06.2014

Die VDI Wissensforum GmbH hat die Öffentlichkeit und den Experten gefragt: Ab wann wird sich das hochautomatische Fahren auf Autobahnen als Technologie flächendeckend durchsetzen?

Für die Einführung automatischer Fahrfunktionen gibt es verschiedene Motivationen: Zum einen gesellschaftliche Herausforderungen wie der  demografische Wandel verbunden mit dem zunehmenden Wunsch nach individueller Mobilität bis ins hohe Alter. Weitere Gründe sind die steigende Verkehrsdichte, die das Autofahren zeitweise zunehmend unattraktiver macht sowie ein generell steigendes Bedürfnis nach immer mehr Sicherheit und Effizienz. 

Prof. Thomas Form leitet seit 2009 die Elektronik- und Fahrzeugforschung in der Volkswagen Konzernforschung. Zudem ist er Honorarprofessor an der Technischen Universität Braunschweig und befasst sich mit der elektromagnetischen Verträglichkeit in der Fahrzeugtechnik und elektronischen Fahrzeugsystemen. „Vor allem deutsche Premiumhersteller stehen unter einem Innovationsdruck, der mit der Einführung moderner Assistenzsysteme verfügbaren Sensorik und Aktorik beflügelt wird“, erklärt Form. „Die Einführung automatischer Fahrfunktionen bedeutet grundsätzlich eine Revolution,  muss aber evolutionär und schrittweise erfolgen.“ 

Die Umfrage des VDI Themenradar Automobil hat ergeben, dass fast die Hälfte der Befragten (47,2  Prozent) der Meinung sind, dass sich das hochautomatische Fahren auf Autobahnen als Technologie flächendeckend in 2030 durchsetzen wird. Fast ein Drittel der Befragten (29,6 Prozent) sehen die ausgereifte Technologie erst in 2035 und 23,1 Prozent sind davon überzeugt, dass sich das hochautomatische Fahren auf Autobahnen bereits 2025 flächendeckend durchsetzen wird. 

„Das Ergebnis der Umfrage überrascht mich nicht, sondern zeigt deutlich, dass gerade Ingenieure über ein ausgeprägtes Maß an Problembewusstsein verfügen“, erklärt Form. „Die Erwartungen der Öffentlichkeit an eine zeitnahe Verfügbarkeit solcher Funktionen wurden vor allem in der letzten Zeit durch viele erfolgreiche Forschungsdemonstratoren bestärkt. Aber gerade diese Demonstrationen haben der Fachwelt inzwischen ein durchaus realistisches Gefühl für den Umfang der vor einem Serieneinsatz noch zu lösenden Fragen gegeben.“ 

„Aufbauend auf bestehenden Fahrerassistenzsystemen werden zunächst teilautomatisierte Systeme wie Stau- oder Park-Assistenz auf dem Markt eingeführt“, so Form. Diese Systeme übernehmen sowohl die Fahrzeuglängs- als auch die Fahrzeugquerführung. Sie setzen jedoch weiterhin die dauerhafte Überwachung und Kontrollierbarkeit durch den Fahrer voraus, selbst wenn dieser wie beim Park-Assistenten außerhalb des Fahrzeugs steht.

Ein hochautomatisiertes System der ersten Generation ist der Stau Chauffeur. Während der automatischen Staufolgefahrt auf der Autobahn muss der Fahrer dieses System und die Fahrzeugumgebung nicht mehr dauerhaft überwachen. Nach einer Übernahmeaufforderung des Systems muss er aber potenziell immer in der Lage sein, die Fahrzeugführung – mit verlängerter Reaktionszeit –  wieder übernehmen zu können. Der Fahrer darf bestimmte, vom System übersteuerbare fahrfremde Tätigkeiten durchführen. Eine Weiterentwicklung des Stau Chauffeurs ist der Autobahn Chauffeur, der das hochautomatische Fahren auf der Autobahn auch bei höheren Geschwindigkeiten erlaubt. 

Beim vollautomatisierten Fahren wird in einem eingeschränkten Anwendungsszenario wie Autobahn oder Parkhaus der Fahrer als Rückfallebene nicht mehr benötigt. Das System gewährleistet die Überführung in einen risikominimalen Zustand. Die Durchführung fahrfremder Tätigkeiten ist im Anwendungsfall uneingeschränkt möglich beziehungsweise muss kein Fahrer im Fahrzeug anwesend sein.  „Einfach gesagt ist die Grundvoraussetzung für einen Einsatz hoch- und vollautomatischer Fahrfunktionen die Fähigkeit des Fahrzeugs, sich im Straßenverkehr in den zu erwartenden Situationen so gut wie ein menschlicher Fahrer verhalten zu können“, sagt Form. Daraus ergeben sich drei große Herausforderungen: Wie umfangreich und bis in welcher Tiefe müssen diese Situationen definiert und geprüft werden? Welcher Maßstab wird an die Güte des Verhaltens gelegt werden müssen? Muss das Fahrzeug sich beispielsweise mindestens so gut wie ein durchschnittlicher oder aber wie ein sehr guter Fahrer verhalten? 

Die notwendigen Grundfähigkeiten für ein hochautomatisches Fahren auf Autobahnen wurden in der Vergangenheit in vielen Demonstrationen mit definierten Randbedingungen bereits erfolgreich dargestellt. Die rein rechtlichen Fragen der Zulassungsfähigkeit solcher Funktionen erscheinen in absehbarer Zukunft zwar auf den ersten Blick in einzelnen Märkten die der USA als lösbar, es bleiben aber viele rechtliche Fragen offen, die geklärt werden müssen, ehe hochautomatisierte Funktionen eingeführt werden können. Bevor aber hochautomatische Funktionen im Feld verfügbar sein werden, muss der Schritt von einem mehr oder weniger definierten Demonstrationsszenario hin zu einer allgemeingültigen Funktion bewältigt werden. Hierzu muss das Fahrzeug unter anderem nicht mehr beherrschbare Szenarien wieGlatteis oder andere Schlechtwettersituationen rechtzeitig erkennen können. Neben der noch nicht gefundenen allgemein anerkannten Definition eines Gütemaßstabs ist auch zu klären, wie der Aufwand für die Absicherung und Freigabe solcher Funktionen in einem wirtschaftlich vertretbaren Maß sichergestellt werden kann. 

„Allein die Definition des Gütemaßstabs kann Jahre dauern und bedarf mindestens eines Hersteller übergreifenden wenn nicht sogar gesellschaftlichen Konsens, das heißt selbst ein hochinnovativer Hersteller wird nur schwer in Lage sein, allein weit vor anderen mit solchen Funktionen in Serie gehen zu können,  insbesondere ohne Klärung der offenen Rechtsfragen“, erklärt Form. „Sind diese Fragen erfolgreich geklärt, könnte ein flächendeckender Einsatz solcher Funktionen nicht nur in Oberklassefahrzeugen vergleichsweise schnell stattfinden, denn durch die sich abzeichnende Durchdringung selbst des Kleinwagensegments mit modernen Fahrerassistenzsystemen wird die notwendige Fahrzeuginfrastruktur flächendeckend vorhanden sein.“ 

Die aktuelle Umfrage des VDI Themenradar Automobil im Juni befasst sichmit Lang-LKW und ist unter anderem auf www.vdi.de/autokat zu finden. 

Über die VDI Wissensforum GmbH

Die VDI Wissensforum GmbH mit Sitz in Düsseldorf gehört zur Unternehmensgruppe des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und ist seit mehr als 50 Jahren der führende Weiterbildungsspezialist für Ingenieure, für Fach- und Führungskräfte im technischen Umfeld. Es vermittelt das Wissen aus allen automobilrelevanten Technikdisziplinen und bietet eine umfassende Themenvielfalt rund um die Fahrzeugindustrie. Fragen zu aktuellen Antriebsaggregaten, zur Fahrzeugelektronik und Fahrerassistenzsystemen stehen im Fokus neben Themen wie Anforderungen zur Fahrzeugsicherheit, Komfortoptimierung oder auch Lösungen zur CO2-Reduktion und Nachhaltigkeit des Automobils. Das Unternehmen bietet eines der größten Automobilindustrie-Netzwerke mit weltmarktführenden Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern sowie international renommierten Wissenschaftlern. Die Veranstaltungen der VDI Wissensforum GmbH sind unverzichtbar für die Automobilindustrie.

Jennifer Rittermeier | VDI Wissensforum GmbH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?
15.06.2018 | Akademie der Wissenschaften in Hamburg

nachricht Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching
13.06.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics