Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Urbanes Lichtchaos: Forscher plädieren für bewussteren Umgang mit Beleuchtung

17.06.2013
Straßenlaternen, Leuchtreklame, Autoscheinwerfer – Licht im öffentlichen Raum ist eine Selbstverständlichkeit und seit mehr als 100 Jahren prägend für urbane Nachtansichten.

Trotz positiver Assoziationen wird die nächtliche Beleuchtung zunehmend kritisch gesehen. Natur-, Kultur- und Sozialwissenschaftler konstatieren eine „Kakophonie“ verschiedener Lichtquellen und plädieren für strategische Lichtplanung.

Eine internationale Konferenz am 20. und 21. Juni 2013 am Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner analysiert Entwicklung, Funktionen und Folgen künstlicher Beleuchtung und diskutieren Möglichkeiten für einen nachhaltigen Umgang mit künstlichem Licht.

„Das Interesse an konzeptionellen Ansätzen zur Lichtgestaltung in Städten ist insbesondere in den letzten zehn Jahren gewachsen“, sagt Katharina Krause, die am IRS sozialwissenschaftliche Forschung im Rahmen des Verbundprojekts „Verlust der Nacht“ betreibt. „Dies hängt zum einen mit der aktuellen Debatte um Klimawandel, CO2-Emissionen, Lichtverschmutzung und Energieverbrauch zusammen, andererseits sehen die Städte in öffentlichen Beleuchtungsprojekten Möglichkeiten der Inszenierung und des Marketings.“ Das Berliner „Festival of Lights“ ist ein Beispiel für die Nutzung von Lichtinstallationen als Event. Aber auch für das „Tagesgeschäft“ der nächtlichen Beleuchtung von Straßen, Plätzen und Gebäuden entwickeln immer mehr Kommunen erste Konzepte.

Krause diagnostiziert aber noch immer eine institutionelle und regulative Leerstelle im Bereich Licht in der Städteplanung. „Es gibt kaum gesetzliche Regelungen, wenig Erfahrungen und Bewusstsein für die Steuerung von Licht in öffentlichen Räumen. Dies ist ein hochkomplexes Feld aus öffentlichen und privaten Akteuren, nicht selten kommt es zu Konflikten“, sagt Krause. Die Auseinandersetzung um eine helle Leuchttafel vor der Berliner Mehrzweckhalle O2-World ist nur ein Beispiel, das Krause analysiert hat.

„Die Faszination der illuminierten Nacht, aber auch die Kritik an übermäßiger oder unerwünschter Beleuchtung sind nicht grundsätzlich neu“, fügt Dr. Ute Hasenöhrl vom IRS hinzu. Sie betreibt umwelt- und sozialhistorische Forschungen im Verbund „Verlust der Nacht“ und identifizierte bereits zu Zeiten der „Beleuchtungsrevolution“ des 19. und 20. Jahrhunderts, als mit Gas- und elektrischem Licht umfassende Möglichkeiten zur Beleuchtung und Inszenierung des öffentlichen und privaten Raums entstanden, heftige Debatten um die neue Lichtfülle. „Speziell die Leuchtreklame rief in den 1910er und 20er Jahren sowohl Begeisterung als auch Skepsis hervor. Die Proteste der Heimatschützer gegen die „Verschandelung“ des Stadtbildes führten auch zur Verabschiedung erster Regelwerke gegen den unkoordinierten Lichterwettstreit.“
Nach dem 2. Weltkrieg galten Licht- und Außenwerbung dann als fester Teil des Wirtschaftslebens, der letztlich akzeptiert werden müsse. Auf eine strategische Planung und Regulierung der verschiedenen Lichtformen wurde weitgehend verzichtet. „Die Erfahrungen aus der Geschichte zeigen, dass Licht zwar als konstituierendes kulturelles Element wahrgenommen wird, aber bei weitem nicht nur Zustimmung erfahren hat und erfährt“, sagt Hasenöhrl.

Die internationale Konferenz „The Bright Side of Night“ will der bis dato von Naturwissenschaftlern (Biologen, Ökologen, Astronomen) dominierten Erforschung der Lichtverschmutzung diese sozialwissenschaftlichen Perspektiven hinzufügen. Auf Einladung des IRS und des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität Berlin kommen unter anderem Soziologen, Historiker, Geographen, Planer, Kultur-, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler zusammen. In vier Panels an zwei Konferenztagen werden Lichtwahrnehmungen und -praktiken, Konflikte und Regulationsansätze, Kosten und Nutzen von künstlichem Licht diskutiert.

Kontakt:

Dr. Ute Hasenöhrl
Forschungsabteilung „Historische Forschungsstelle/ Wissenschaftliche Sammlungen zur Bau- und Planungsgeschichte der DDR“
Tel: 03362/793-276
Mail: Hasenoehrl@irs-net.de
Katharina Krause
Forschungsabteilung „Institutionenwandel und Regionale Gemeinschaftsgüter“
Tel: 03362/793-253
Mail: KrauseK@irs-net.de
Weitere Informationen:
http://www.irs-net.de/aktuelles/veranstaltungen/detail.php?id=185
Informationen zur Konferenz "The Bright Side of Night"
http://www.irs-net.de/forschung/forschungsabteilung-2/Nachtverlust/index.php Projektwebsite Sozial- und Geschichtswissenschaftliche Studien im Verbund "Verlust der Nacht"
http://www.verlustdernacht.de/
Verbundportal "Verlust der Nacht"

Jan Zwilling | Leibniz-Institut
Weitere Informationen:
http://www.irs-net.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit