Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Urbane Mobilität der Zukunft: Forscher präsentieren innovatives Elektrofahrzeugkonzept

18.06.2015

Auf dem Symposium „Urbane Mobilität der Zukunft“ am 17. und 18. Juni 2015 in Karlsruhe präsentiert das Innovationscluster „Regional Eco Mobility 2030 (REM 2030)“ neue Ergebnisse zur Frage, wie die urbane Mobilität von morgen aussehen könnte. Die Erkenntnisse aus der Forschung unterstreichen, dass neben alternativen Fahrzeugkonzepten, Softwarelösungen und Mobilitätsansätzen auch die Analyse von Infrastrukturen und der Nutzerakzeptanz sowie neue Geschäftsmodelle wichtige Aspekte für eine effektive Individualmobilität sind. Die Entwicklung eines innovativen Elektrofahrzeugkonzepts, das auf dem Karlsruher Symposium vorgestellt wird, ist ein Highlight des Projekts REM 2030.

Die urbane Mobilität von morgen steht vor vielen Herausforderungen: Dazu zählen ein zunehmendes Verkehrsaufkommen und dadurch bedingte Staus, Belastungen für Umwelt und Gesundheit, stetige Urbanisierung und der demographische Wandel.


Im Projekt REM 2030 wurde unter anderem ein innovatives Elektrofahrzeugkonzept entwickelt

REM 2030

In diesem Kontext untersuchte das Innovationscluster „Regional Eco Mobility 2030 (REM 2030)“, zu dem sich das Fraunhofer ISI, ICT, IOSB und IWM sowie drei Institute des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zusammengeschlossen haben, wie die Mobilität in Zukunft zugleich effektiver und nachhaltiger sein kann.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stützen sich auf einen systemischen Ansatz: Neben Hard- und Software werden auch Orgware-Lösungen wie neue Mobilitätskonzepte oder die Nutzerakzeptanz als integraler Bestandteil für eine effiziente Individualmobilität angesehen. Auf dem Symposium „Urbane Mobilität der Zukunft“ werden nun alle Ergebnisse zu den drei Mobilitätsbereichen Hard-, Soft- und Orgware vorgestellt.

Wie Dr. Lars Fredrik Berg, Projektleiter in der Fraunhofer-Projektgruppe „Neue Antriebssysteme NAS“ am Fraunhofer ICT erklärt, zielt die im Rahmen von REM 2030 entwickelte Hardware in erster Linie auf die Reduzierung lokaler Emissionsbelastungen ab: „Ein Schwerpunkt des Forschungsprojekts liegt in der Entwicklung eines alternativen und emissionsfreien Fahrzeugkonzepts, das speziell für die Nutzung in urbanen Räumen konzipiert ist.

Das Herzstück ist der Antriebsstrang bestehend aus Elektromotor und Getriebe. Beim Motor handelt es sich um eine permanenterregte Synchronmaschine mit Einzelzahnwicklung, die auf hohe Leistungsdichte und Effizienz optimiert wurde. Das maximale Drehmoment von 90 Nm des Elektromotors mit einer Dauerleistung von 70 kW wird über ein ebenfalls im Projekt entwickeltes, schaltbares Getriebe mit zwei Gängen und ein offenes Differenzial auf die Vorderräder des Fahrzeuges übertragen.“

Laut Berg verzichtet das Motorkonzept bewusst auf aufwendige Bauteile und spart dadurch Materialkosten ein. Um die rein elektrische Reichweite von 80 Kilometer auf über 200 auszuweiten, kommt eine Methanol-Brennstoffzelle als Reichweitenverlängerer zum Einsatz. Durch die Nutzung von Strom aus Erneuerbaren Energien und Methanol aus Biomasse fallen die Emissionen insgesamt sehr gering aus.

Entwicklung innovativer Elektrofahrzeug-Komponenten

Neben dem Elektromotor wurden für das REM 2030-Fahrzeugkonzept auch andere Bauteile wie etwa eine Hochleistungs-Lithium-Ionen-Batterie mit einer Nettokapazität von 11,8 kWh, eine Leistungselektronik-Einheit mit zugehöriger Peripherie um eine DC/DC-Wandlung, ein Thermomodul zur Deckung des Heiz- und Kühlbedarfs der Batterie und des Fahrzeuginnenraums oder ein Tank für das Methanol-Wassergemisch entwickelt.

Neben der Konzeption und Herstellung innovativer Einzelkomponenten, die teilweise zusammen mit externen Industriepartnern erfolgte, bestand ein weiteres zentrales Projektvorhaben in deren Integration in eine Kleinfahrzeugplattform.

Prof. Dr. Martin Wietschel, Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft am Fraunhofer ISI, betont, dass neben den rein technischen Innovationen ebenfalls Soft- und Orgware-Lösungen zur Effektivität der urbanen Mobilität beitragen: „Das Forschungsprojekt REM 2030 verfolgt einen neuen Mobilitätsansatz, der sich aus dem Zusammenspiel dreier Fahrzeugkonzepte ergibt: Dabei kommen elektrische Fahrräder auf kürzeren Strecken, speziell für die Stadt entwickelte Kleinst-Elektrofahrzeuge sowie herkömmliche Autos für weitere Strecken zum Einsatz.“

Damit sich diese unterschiedlichen Fahrzeuge effektiv nutzen lassen, müssen diese laut Wietschel durch Software noch besser untereinander sowie mit Carsharing-Angeboten und dem öffentlichen Nahverkehr verbunden werden. Erst diese intelligente Vernetzung könne dazu führen, dass die Nutzer die verschiedenen Mobilitätssysteme akzeptieren und sie auch kombinieren.

Große Bereitschaft zur Nutzung verschiedener Verkehrsmittel

Das Projekt REM 2030 gibt zudem Auskunft darüber, wie es aktuell um die Akzeptanz der Nutzer gegenüber der Elektromobilität sowie um das Mobilitätsverhalten von Bürgerinnen und Bürgern in Baden-Württemberg steht: So zeigen beispielsweise Daten aus einer Interviewstudie mit 22 Familien aus Karlsruhe, Freiburg und Stuttgart, dass diese bereits heute auf unterschiedliche Verkehrsmittel zurückgreifen und im Alltag weitgehend autofrei unterwegs sind.

Die Untersuchung führt aber gleichzeitig zur Erkenntnis, dass die Elektromobilität noch mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hat und die befragten Personen nicht per se davon überzeugt waren, dass elektrisch betriebene Fahrzeuge umweltfreundlicher sind als konventionelle.

Zusammengenommen unterstreichen alle Ergebnisse des Forschungsprojekts REM 2030, dass die urbane Individualmobilität der Zukunft zugleich von technischen Innovationen, einer intelligenten Anwendung, Wirtschaftlichkeit und einer stärkeren Berücksichtigung von Nutzerbedürfnissen gekennzeichnet sein sollte. Künftige Mobilitätskonzepte sollten hier ansetzen und die Attraktivität und Effizienz kombinierter Fortbewegungsmöglichkeiten hervorheben. Der Trend, Mobilität immer stärker als Dienstleistung und abgekoppelt vom Fahrzeugbesitz zu sehen, könnte dabei ein entscheidender Wegbereiter für die Mobilität der Zukunft sein.

Weitere Informationen:

http://www.rem2030.de/rem2030-de/index.php
http://www.rem2030.de/rem2030-de/Symposium.php

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht
05.12.2016 | Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

nachricht Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel
02.12.2016 | Münchner Kreis

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften

Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie