Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterschätzter Erreger - Tularämie-Konferenz in Berlin

14.09.2009
Der Erreger ist unbeweglich und kann sich auch in Körperzellen vermehren. Er bildet keine Sporen, kann aber trotzdem in der Umwelt bei günstigen Bedingungen monatelang überdauern.

Er kann höchst unterschiedliche Symptome verursachen und in seltenen Fällen zum Tod führen: das Bakterium Francisella tularensis verursacht Tularämie, auch Hasenpest genannt.

Obwohl eine meldepflichtige Erkrankung, werden in Deutschland vergleichsweise wenige Erkrankungsfälle beim Menschen registriert; Studien weisen aber auf eine hohe Dunkelziffer hin. Zudem ist Francisella tularensis als potenzielles bioterroristisches Agens der Kategorie A (höchste Einstufung) gelistet.

Tularämie ist Thema einer internationalen, vom Robert Koch-Institut organisierten Konferenz vom 13. bis 16. September 2009. Mehr als 230 Tularämie-Forscher aus rund 20 Ländern, die die verschiedensten Gebiete von der Molekularbiologie bis zur Epidemiologie repräsentieren, tagen in der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Thema der Tagung ist neben den wissenschaftlichen Fortschritten auch die Gründung einer internationalen Fachgesellschaft. Zuvor hatte sich eine Gruppe von Wissenschaftlern zusammen mit Experten des Robert Koch-Instituts und der Weltgesundheitsorganisation zweimal im RKI getroffen, um die Idee einer internationalen Fachgesellschaft weiterzuentwickeln. Tularämie kommt weltweit vor.

Tularämie ist im Tierreich weit verbreitet, der Erreger konnte bisher in über 250 Tierarten nachgewiesen werden. Infektionsquellen für Erkrankungen von Menschen sind Wildtiere wie Kaninchen, Hasen oder Nagetiere, aber auch zum Beispiel Zecken. Die Übertragung erfolgt in der Regel durch direkten Kontakt (Haut und Atemwege) oder durch Verzehr von kontaminiertem Fleisch. Meldepflichtig ist der direkte Nachweis des Bakteriums im Zusammenhang mit einer akuten Infektion.

In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut in den vergangenen Jahren durchschnittlich rund ein Dutzend Erkrankungen bei Menschen übermittelt. Ein Teil der Neuerkrankungen wurde im Ausland erworben. Die in Deutschland erworbenen Infektionen verteilen sich nahezu über das gesamte Bundesgebiet. Beim größten Ausbruch der letzten Jahre erkrankten zehn Jäger nach einer Hasentreibjagd in Hessen an Tularämie. Infektionsquelle war höchstwahrscheinlich infektiöser Staub (Aerosol), der beim Auswaschen der zerlegten Hasen entstanden war. Einer der Jäger starb, bei ihm konnte allerdings Tularämie als Ursache nicht zweifelsfrei belegt werden.

Bei Tularämie ist in Deutschland von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, darauf weisen Ergebnisse von Seroprävalenzstudien hin. Bei solchen Studien werden Blutproben untersucht, der Nachweis von Antikörpern zeigt, dass das Immunsystem sich mit dem Erreger auseinandergesetzt haben muss. In Deutschland wurden teilweise bei bis zu zwei Prozent der untersuchten Personen solche Antikörper gefunden.

Die Inkubationszeit liegt meist bei 3-5 Tagen. Zu Erkrankungsbeginn überwiegen meist uncharakteristische Symptome wie Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen, häufig sind die Lymphknoten geschwollen. Das weitere klinische Erscheinungsbild variiert in Abhängigkeit von Eintrittspforte, Virulenz und Infektionsdosis. Beim Einatmen von kontaminiertem Staub kann z.B. eine schwere Lungenentzündung entstehen. Eine rechtzeitige Therapie ist meist erfolgreich. Ein Impfstoff ist nicht verfügbar.

Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit
Pressestelle
Susanne Glasmacher
(Pressesprecherin)
Günther Dettweiler
(stellv. Pressesprecher)
Claudia Paape
Heidi Golisch
Kontakt
Tel.: 030-18754-2239, -2562 und -2286
Fax: 030-18754 2265
E-Mail: presse@rki.de

Susanne Glasmacher | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität
23.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

nachricht Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen
23.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie